Zum Hauptinhalt springen

Mit Düften darf man spielen

Parfüms gibt es en masse. Wer individuell duften möchte, braucht laut Parfumeur Lindo Ganarin vor allem eins: viel Vertrauen in die eigene Nase.

Parfum soll die Persönlichkeit unterstreichen.  Individualisten lassen daher «ihren»Duft mischen. Etwa beim Genfer Jacques Masraff.
Parfum soll die Persönlichkeit unterstreichen. Individualisten lassen daher «ihren»Duft mischen. Etwa beim Genfer Jacques Masraff.
Susanne Keller

«Junge Leute wählen ihre Düfte selten mit der Nase aus», sagt der Berner Parfumeur und Creative Director Lindo Ganarin. Sie kaufen Werbung, grosse Marken, berühmte Namen – was nicht gerade stinkt, ist eben recht. Ganarin hat Verständnis: «Ein Parfüm zu finden, das auch wirklich zu einem passt, erfordert eine gewisse Reife.» Die Person muss sich fragen können, wer sie sein will, und wissen, wer sie sein kann.

Die sorgfältige Duftwahl allein als Altersfrage zu bezeichnen wäre jedoch falsch. Es gibt auch Erwachsene, die blind ins Regal greifen. Meistens aus Angst, ohne Duftwasser übel zu riechen. «Das ist natürlich Unsinn», sagt Ganarin. «Wer auf eine normale, gründliche Körperpflege achtet, muss seinen Eigengeruch nicht mit Parfüm aufbessern.» Düfte sind seiner Meinung nach viel mehr zum Spass, zur Persönlichkeitsunterstreichung, zur Zierde da – wie Accessoires oder Kleider.

«Mit Düften ebenso spielen zu können wie mit der Mode, das nenne ich Meisterklasse», so Ganarin. Der Duftkreateur selbst wechselt seine Parfüms, wann immer er will, frei nach dem Lustprinzip. Weil sich seine Nase schon so einiges gewohnt ist, trägt er – manchmal mehr, manchmal weniger unbewusst – auch gerne mal dick auf. Konsequenterweise lässt er penetrante Duftwolken anderer mit entsprechender Nachsicht vorüberziehen. «Ich finde, jeder darf mit seinem Duft so viel Platz einnehmen, wie er will», sagt Ganarin. «Andere tragen schliesslich auch schrille Kleider oder haben laute Stimmen.»

Eigenes Näschen vorn

Selbstkenntnis, ein guter Riecher und ein minimales Wissen von Düften sind beim Kauf eines individuellen Parfüms von Vorteil. Wirklich daneben greift aber nur, wem ein Duft auf der eigenen Haut nicht schmeichelt. «In dieser Hinsicht sollte sich jeder Mensch auf sein eigenes Geruchsempfinden verlassen», so Ganarin. Parfüms, die an anderen gut riechen, passen nicht zwangsläufig auch zur eigenen Persönlichkeit. «Wie andere riechen zu wollen ist in Duftangelegenheiten ohnehin ein Tabu.»

Unerfahrenen Nasen empfiehlt Lindo Ganarin eine Beratung. Gerne vergleicht er den Parfümkauf «ganz old fashioned» mit einem Coiffeurbesuch. «Einen Parfumeur des Vertrauens an der Seite zu haben ist bei der Duftwahl äusserst hilfreich.» Gemeint ist eine Fachperson, die sich Zeit nimmt, über allfällige Mixturen, Inhaltsstoffe und Allergiegefahren zu informieren und die Entwicklung des Duftes auf der Haut zu demonstrieren. Dort, wo sich der Duft am besten entfalten und mit dem Eigengeruch vermischen kann. Ganz im Gegensatz zum besprühten Papierstreifen. Von unpersönlichen Internettests hält der Berner Duftexperte wenig. Die vorgefertigten Fragebogen, die einem innert weniger Minuten den angeblich perfekten Duft zuordnen, seien nicht wirklich aufschlussreich. Ein passendes Parfüm, glaubt Ganarin, finde einzig und allein die eigene Nase.

Der Preis allein stinkt nicht

Derzeit sind Biodüfte, sogenannte Naturparfüms, gross im Trend. Auch Lindo Ganarin mischt seine gleichnamigen Parfümkollektionen aus natürlichen Inhaltsstoffen. «Weil die Natur ganz einfach seltenere und lebendigere Essenzen liefert», erklärt Ganarin.

Ob man sich im Laden für natürliche oder synthetische Düfte entscheidet, sei eine Emotionsfrage und ab einem gewissen Niveau sicherlich keine Frage der Qualität mehr. Auch billige Parfüms müssen nicht unbedingt schlechter sein, sagt der Parfumeur. Zweimal hinriechen lohne sich aber in jedem Fall. «Im Moment sind wieder Düfte im Umlauf, die meiner Meinung nach höchstens als Raumspray durchgehen», stellt Lindo Ganarin fest. Erst kürzlich sei ihm im Bus ein Odeur in die Nase gestiegen, das seinen Träger «wie eine Hektare Parkett» duften liess.

Ein besonders guter Riecher für Qualität und Wohlgeruch, so der Dufttüftler, ist dann erforderlich, wenn man Parfüm verschenken möchte. Ein edler Geruch in einem schönen Flakon sei ein sehr persönliches Geschenk, sofern er mit Sorgfalt ausgesucht oder zusammengestellt worden sei. Wenn Lindo Ganarin Düfte weitergibt, dann nur solche, die er an der beschenkten Person noch nie gerochen hat. «Alles andere ist fast so fantasielos, wie wenn man schwarze Socken schenken würde.»

Den Geschmack einer anderen Person zu treffen sei allerdings «wie ein Sechser im Lotto». Ein Beweis von innigster Vertrautheit. Sollte man trotz aller Mühe danebengerochen haben, darf die Duftbescherung laut Ganarin getrost zum Raumspray umfunktioniert oder weiterverschenkt werden. «Diese Lösung ist immer noch besser, als den Flakon in einer Ecke verstauben zu lassen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch