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Warum Sie am Flughafen weder rennen noch gähnen sollten

Mit einem Punktesystem fahndet die US-Transportsicherheits-Behörde nach Verdächtigen. Bisher ist das umstrittene Punktesystem jedoch vor allem eins: Teuer.

Prinzipiell verdächtig: Reisende, die keinen Augenkontakt suchen.
Prinzipiell verdächtig: Reisende, die keinen Augenkontakt suchen.
Tannen Maury (EPA), Keystone
Auch ein klares Indiz: Hände reiben.
Auch ein klares Indiz: Hände reiben.
George Frey, Reuters
Hilfreich: Das Punktesytem umfasst über 90 Punkte.
Hilfreich: Das Punktesytem umfasst über 90 Punkte.
Fernando Llano (AP Photo), Keystone
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In letzter Minute den Flug erreichen? Ein Punkt. Ausgebeulte Kleidung? Zwei Punkte. Orientierungsloses oder verwirrtes Verhalten? Drei Punkte. Legt ein Passagier diese Anzeichen an den Tag und ist zudem männlich und zwischen zwanzig und vierzig Jahren alt, muss er gemäss der geleakten Checkliste für Verdacht auf Terror der amerikanischen Transportsicherheits-Behörde TSA vom Sicherheitspersonal geprüft und von der Flughafenpolizei befragt werden.

Mit dem richtigen Alter oder Geschlecht kann der Verdächtige aber wieder Punkte loswerden. Ist er zum Beispiel mit seiner Ehefrau unterwegs oder älter als 65 Jahre, gibt es je einen Punkt Abzug. Hüpft aber der Adamsapfel oder sind die Handflächen zu schwitzig, kommen wieder Punkte dazu. Über 90 einzelne Merkmale, die das Verhalten, Geschlecht, Alter, Kleidung und Gepäck eines Passagiers umfassen, enthält die sogenannte Spot-Checkliste der TSA (Transportation Security Administration), die «The Intercept» kürzlich veröffentlicht hat. Das Programm wurde 2007 an amerikanischen Flughäfen eingeführt und steht seither schwer in der Kritik. Nicht nur die über 900 Millionen Dollar, die es bis anhin verschlungen hat, sind ein Problem, auch die Methodik.

Vorwurf des Rassismus

«Die Beobachtungen, welche die TSA-Beamten am Flughafen anstellen sollen, sind kaum objektiv und mit diesen festgelegten Kriterien lässt sich kein potenziell gefährdendes Verhalten feststellen», liess ein unabhängiger Beratungsausschuss der US-Regierung bereits 2013 verlauten. Er forderte damals sogar die Abschaffung des Programms. Nun, da die Spot-Checkliste geleakt wurde, dürfte die Forderung neue Brisanz erhalten.

Die TSA äusserte sich gegenüber «The Intercept» zu der Checkliste: «Beobachtungen des Verhaltens sind nur ein Element der Bemühungen der TSA, Gefährdungen für die reisende Gesellschaft zu mindern.» Auf die Kriterien dieser Beobachtungen und die geleakten Dokumente wollte der Sprecher nicht eingehen. Doch das Programm und die Checkliste bereiten der Behörde noch mehr Ärger. Die Menschenrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberty Union) reichte gegen die Beobachtung von auffälligem Verhalten an Flughäfen Klage ein. Sie wirft der Transportsicherheitsbehörde Rassismus vor.

Ein ehemaliger Mitarbeiter der TSA, der angestellt war, um das Verhalten von Passagieren zu beobachten, und anonym bleiben will, äussert sich gegenüber «The Intercept» zum Programm: «Die Checkliste ist so zusammengestellt, dass so ziemlich jeder Passagier als verdächtig gelten würde. Die Kriterien geben den Beamten eigentlich eine Lizenz zur Schikane.» Ein anderer Beamter, der ebenfalls anonym bleiben will, findet ebenfalls klare Worte: «Die Beobachtungen haben keinerlei wissenschaftliche Grundlage. Ausserdem ist das alles inkonsistent: Jeder Flughafen bildet seine Beamten anders aus. Das Programm ist Bullshit. Purer Bullshit.»

Aerotelegraph.com/Berit Gründels

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