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Tessiner «Altersheim» soll den Tourismus wieder ankurbeln

Dem mondänen Ferienort Ascona bleiben die Touristen weg, die Zweitwohnungsinitiative könnte die Krise befeuern. Jetzt schürt ein neues Kongresszentrum Hoffnungen.

Kein «frischer Wind im Altersheim»: Der Hafen von Ascona. (Archivbild)
Kein «frischer Wind im Altersheim»: Der Hafen von Ascona. (Archivbild)

Für eine Weile konnte sich Ascona TI der Tourismuskrise noch widersetzen. Doch in diesem Jahr hat es auch die Fünfsterne-Häuser im mondänen Ferienort am Lago Maggiore getroffen. Die Branche hofft auf neue Impulse. Die Gemeinde setzt auf Eventtourismus und lässt das Projekt eines Kongresszentrums aufleben.

Auf dem ehemaligen Flugplatz von Ascona soll ein Saal mit 1200 Plätzen entstehen. Dort können Kongresse und Konzerte stattfinden, wie Gemeindepräsident Luca Pissoglio (FDP) gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte. Denn eine solche Struktur, mit repräsentativem Charakter, fehle in der gesamten Region.

Zudem sind sechs weitere Räumlichkeiten für Konferenzen vorgesehen. Angeschlossen wird eine Hotelanlage mit 200 Zimmern, für die bereits eine internationale Hotelkette ihr Interesse angemeldet habe. Finanziert wird das 110-Millionen-Franken-Konzept durch Investoren über den Bau von Residenzen.

«Es handle sich nicht um Zweitwohnungen», wie Pissoglio erläuterte. Es würden Appartements geschaffen, die auf Wunsch des Mieters an den Hotelservice angeschlossen werden können. Damit falle das Projekt nicht unter die neue Zweitwohnungsbestimmungen. Der Quartierplan soll bis Ende des Jahres genehmigt werden.

Kritik an Alleingang

In der Tessiner Presse wurden Asconas Pläne teils überrascht, teils polemisch aufgenommen. Es sei ein Alleingang der Gemeinde, lautete die Kritik unter anderem. Ascona brüskiere damit den Ort Muralto, der – nur einen Steinwurf entfernt – ebenfalls ein grosses Kongresszentrum plant.

Pissoglio wehrte sich. «Wir wollen kein Konkurrenzprodukt schaffen. Wenn Muralto schneller ist, passen wir unser Projekt an.» Doch wichtig sei, dass sich überhaupt etwas bewege. Die Region brauche ein touristisches Zentrum. Ascona sehe sich in dieser Rolle.

In der Hotellerie werden die jüngsten Pläne der Gemeinde durchaus positiv beurteilt. Trotz Skepsis. Schliesslich scheiterten vor etwa zehn Jahren ähnliche Pläne für dasselbe Areal. Ausserdem müssen Verkehrsanbindungen verbessert werden. Doch jede Initiative sei willkommen, hiess es aus den Vier- und Fünfsterne-Häusern.

Frischer Wind

Denn der Enthusiasmus, der in den vergangenen Jahren am Fusse des Monte Verità zu beobachten war, ist der Krisenstimmung gewichen. «Endlich frischer Wind im Altersheim» hatte es noch 2007 geheissen, als der deutsche Unternehmer Stefan Breuer sein Restaurant «Seven» mit Promi-Koch Ivo Adam eröffnete.

Drei weitere Lokale der Seven-Gruppe folgten, ergänzt im vergangenen Jahr durch einen Party-Club. Die neue Konkurrenz belebte das Geschäft, weitere Bars öffneten. Die Plastikstühle auf der Piazza wurden gegen Lounge-Sitze getauscht. Das Publikum verjüngte sich.

Doch in diesem Jahr blieben in der Vorsaison viele Stühle leer. Selbst die 5-Sterne-Hotels Eden Roc und Giardino, bis letztes Jahr noch ausgebucht, spürten infolge des teuren Frankens ersten Gäste-Rückgang. Beim Personal wurden Verträge verkürzt. Auch die Seven-Gruppe – trotz noch zufriedenstellender Geschäfte – setzte den Rotstift an.

Neue Strategien

Viele Boutiquen im Ort, die bis in den späten Abend öffnen dürften, schliessen wieder um 18.30 Uhr. Es lohne sich nicht, sagen sie. «Kontraproduktiv», finden das Hoteliers und Gastronomen. «Wir müssen alle investieren», sagte Christopher Breuer, Junior-Chef der Seven-Gruppe, der SDA.

Gemeindepräsident Pissoglio macht sich zudem Sorgen wegen der Zweitwohnungsverordnung: Ein boomender Sektor würde blockiert – auch wenn die Ausnahmeregelungen Raum lassen. Hoteliers wiederum sehen die Bau-Limitierung als Chance für ein Umdenken im Tourismus.

Events und Kongresse könnten ein Weg sein, so die Hoffnung. Schliesslich seien es Highlights wie Moon and Stars, Festival del film und Jazz Ascona, die im Locarnese die Betten punktuell füllen. Ohne diese Veranstaltungen würde die Gäste-Bilanz 2012 – die vom Turismo Lago Maggiore auf minus acht Prozent im Locarnese kalkuliert wird – weitaus schlechter ausfallen.

SDA/kle

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