Vom Tuch zum Schal zur Krawatte

Eine kurze Geschichte zum nutzlosesten Kleidungsstück überhaupt.

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In der Geschichte der Krawatte ist eigentlich nur eines klar: Der Mensch hatte schon immer das Bedürfnis, etwas um den Hals zu tragen. Seien es Amulette, einfache Schnüre, Lederstreifen, Ketten oder Tücher.

Drei Jahre ist sie schon her, die berühmte Ausstellung im Bernischen Historischen Museum: «Qin – Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger.» Die Ausstellung ermöglichte einen einzigartigen Blick in die Zivilisationsgeschichte des ersten chinesischen Kaiserreichs. Und noch etwas anderes zeigten die zehn Tonfiguren aus den Jahren 259 bis 210 vor Christus: die ersten Krawatten der Weltgeschichte. Natürlich sind das nicht Schlipse, wie wir sie heute kennen. Sondern Tücher, die zu Schals gebunden um den Hals getragen wurden.

Der Schal

Gemäss dem Buch «Fliegen und Krawatten» von Davide Mosconi und Riccardo Villrosa aus dem Jahr 1985 gelten diese Schals als Vorläufer der Krawatte. Anders als der heutige Schlips hatten diese Schals damals aber einen rein praktischen Zweck, nämlich den Schutz vor Kälte.

Dann landet der Schal in der Versenkung, bis er als Schürschutz vom Brustpanzer bei den Römern wieder auftaucht. Über die Jahrhunderte kommen und gehen solche Tücher, haben aber immer einen Zweck. Etwa im Buddhismus und anderen fernöstlichen Religionen als Statussymbole. Ähnliche Formen des Schals, die schon am ehesten an eine Krawatte erinnern, sind etwa der jüdische Gebetsschal Tallith, der wohl bereits um 70 nach Christus aufkommt, oder die Stola als Teil des priesterlichen Gewands.

Die Legende

Wie sich der Schal weg von Religion und Militär und hin zum Kleidungstück entwickelt, und wer wirklich als der Erfinder gelten könnte, ist nicht restlos geklärt. Es gibt mehrere Legenden. Die schönste ist diese hier:

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert, während des Dreissigjähigen Krieges, tritt der Schal zum ersten Mal als eine Art Accessoire in Erscheinung. Bei einer Parade am Hof von Luis XIV am Schloss Versailles soll ein 6000 Mann starkes Heer kroatischer Söldner farbige Tücher um den Hals getragen haben. Es heisst, die Ehefrauen der Söldner hätten ihren Männern, bevor sie in den Krieg zogen, diese bunten Tücher um den Hals gebunden, damit sich die Männer während der langen Abwesenheit an sie erinnerten.

Zum ersten mal hatte ein Schal nicht etwas ausschliesslich Zweckmässiges, sondern war ein rein schmückendes Element einer Rüstung. Das gefiel dem französischen König. Ab dann liess er sich edle Halstücher aus Seide und Spitze anfertigen. Die feine Gesellschaft jener Zeit machte es ihm nach. So viel zur Legende.

Der Stehkragen

Sicher ist heute nur, dass der Schal, der später zur Krawatte wird, vor allem mit dem Aufkommen des Kragens verknüpft ist. Die edlen voluminösen Krawattenschals, sogenannte Ascots, ergänzen die extravaganten gestärkten Stehkrägen. Dann bewegt sich die Mode langsam, aber sicher weg vom Prunk.

Um 1850 wird die Garderobe schlichter, weiche Umlegekragen halten Einzug, die Schals werden schmaler, Westen sind tiefer ausgeschnitten. Mit der Industrialisierung gibt es vermehrt Büroangestellte, die mit dem Tragen der Krawatte zeigen: Ich bin kein gewöhnlicher Arbeiter.

Das 20. Jahrhundert

Danach gibt es kein Halten mehr. Nie mehr werden so viele Krawatten getragen, wie im 20. Jahrhundert. Und in ebendieser Zeit entwickeln sich auch die verschiedenen Krawattenknoten. Über 50 sind im Buch «Fliegen und Krawatten» vorgestellt.

Je schlichter und uniformer die Kleidung wird, desto wichtiger werden Form und Farbe der Krawatte. Die Dicky etwa ist eine nüchterne Version der Kippers Tie, jener breiten und bunten Krawatte aus dem England der 1960er-Jahre. Von Richard Nixon zum ersten Mal getragen, wird sie zum Schlips der US-Präsidenten. Nach Nixon tragen sie auch Gerald Ford, Jimmy Carter und Ronald Reagan. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2016, 11:33 Uhr

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