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Sportkleidung von einer Frau für Frauen

Designerin Susann Kunz aus Thun hat vor zwei Jahren ein Label für Sportbekleidung gegründet. Das Spezielle daran: «autark» gibts nur für Frauen.

Bedachte Wahl der Farben: Designerin Susann Kunz in ihrem Atelier.
Bedachte Wahl der Farben: Designerin Susann Kunz in ihrem Atelier.
Markus Grunder

«Was kann ich? Was bin ich? Wie möchte ich sein?», hat sich Susann Kunz vor ein paar Jahren gefragt. Die Antwort war: «autark», ein Sportwearlabel für die unabhängige Frau.

Doch der Reihe nach: Die gebürtige Bielerin besuchte in den späten 80er-Jahren die Fachklasse Mode an der Höheren Schule für Gestaltung in Zürich, hat später für diverse Sportmarken wie Jet Set oder Odlo in der Entwicklung gearbeitet und gründete 2007 ihre eigene Firma. Als Multisportlerin, die gerne Snowboard, Ski und Mountainbike fährt und auch beim Joggen und Wandern anzutreffen ist, wünschte sie sich Kleidung, die für jede Bewegungsform taugt. Und als modebewusste Frau suchte sie nach Schnitten, Formen und Farben, die man auch in der Stadt tragen kann.

Die Shirts, Hoodies und Jacken von «autark» sollen all diese Kriterien erfüllen: Die Stoffe enthalten einen hohen Stretchanteil, lassen sich so schön taillieren und bleiben trotzdem bequem. Grossen Wert legt die 40-Jährige auf dekorative Details wie farblich abgesetzte Nähte, dezentes Anbringen des Logos und filigrane florale Muster, die aus Taschen, Reissverschlüssen und Nähten herauszuwachsen scheinen. Sie sind mit Laser ins Material geschnitten und sind darum nicht nur optisch erkennbar, sondern auch haptisch fühlbar.

Branche mit Potenzial

Schweizer Outdoor-Brands haben Tradition – und vielfach grossen Erfolg. Man denke da zum Beispiel an den Platzhirsch Mammut, aber auch an kleine, jüngere Labels wie Zimtstern, Alprausch oder Sherpa Outdoor (siehe Kasten). Das liegt neben der vorteilhaften Lage im Alpenraum auch an der Branche selbst: Im Vergleich zur Textilwirtschaft im Allgemeinen lässt sich mit Outdoorbekleidung im Speziellen noch richtig viel Geld verdienen – die Margen sind hoch, und das Bedürfnis nach Natur wird immer grösser.

Outdoorlabels für Frauen gab es gemäss dem Schweizer Branchenblatt «Textil-Revue» bisher weltweit bloss ein einziges: die italienische Marke Wild Roses, die im September von einer Holding in Baar übernommen wurde. Zwar führen heute alle grossen Namen Frauenlinien im Sortiment, aber für die Kundin ist das nicht dasselbe – ein Label von Frauen für Frauen ist immer einen Tick weiblicher.

Bis zum grossen Durchbruch ist es für Susann Kunz trotzdem noch weit. Ihre dritte Kollektion umfasst bloss acht Modelle und verkauft sich erst in 19 Läden, davon 7 im Ausland. Im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung bekommt man «autark» in Meiringen, Gstaad, in der Lenk und natürlich in Thun.

Kreativstadt mit Bergsicht

«Thun ist für mich der ideale Standort», sagt Susann Kunz, «hier bin am Fuss der Berge, in rund drei Stunden in Mailand und in sechs in Paris.» Diese Mischung sei wichtig, da sie sich sowohl von der Berg- wie auch der Modewelt inspirieren lasse. Ausserdem hält sie die Fixkosten tief, indem sie das Atelier gleich an ihrem Wohnort, einem hundertjährigen Bürgerhaus im Seefeld, eingerichtet hat. Hier zeichnet und entwirft die Designerin ihre Kollektionen, für Finanzen und Logistik ist ihr Geschäftspartner und Ehemann Michael zuständig. Für Input von aussen arbeitet das Duo mit Freelancern zusammen.

Produziert wird «autark» in Portugal: «Wir legen grossen Wert auf Qualität und möchten die Transportwege möglichst kurz halten. Auch sind die Arbeitsbedingungen in Europa einfacher zu kontrollieren als in Asien», begründet Susann Kunz die Wahl. «autark» ist also nicht nur feminin, sondern auch fair – und in seinen Wurzeln richtig bernisch.

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