Mysteriöse Eifel

Vulkane, Stauseen, Rebberge: Die Eifel hat landschaftlich viel zu bieten. Wanderer, Velofahrer sowie Geschichts- und Geschichtenliebhaber kommen im hügeligen Grenzgebiet im Westen Deutschlands auf ihre Kosten.

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Welch ein verwunschener Ort, dieses Wollseifen mitten im Nationalpark Eifel. Strassenschilder weisen darauf hin, dass hier einst etwa 500 Einwohner in einem idyllisch gelegenen Dorf wohnten. Doch die einstigen Strässchen sind heute nur noch als Gehwege für Wanderer sichtbar.

Einzige Erinnerungen an die Siedlung, die im September 1946 von britischen Truppen zwangsgeräumt wurde, sind ein Trafohäuschen sowie die Ruinen der Kirche, der Schule und einer heute restaurierten Wegkapelle. Die restlichen Gebäude wurden weggesprengt oder weggeschossen – zuerst von britischen, später von belgischen Truppen.

Ein Teil des Eifelsteigs

Der Grund für Wollseifens Schicksal prangt auf dem Hügel gegenüber: Die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Auf dem 100 Hektar grossen Areal wurden einst Hitlers Militärkaderleute ausgebildet, fertig gebaut wurde der Koloss aber nie. Nach dem Ende des Krieges übten britische Truppen auf dem Areal, ab 1950 belgische. Erst 2006 zog das Militär ab, und die Anlage wurde öffentlich zugängig.

Seither besuchen ein paar ehemalige Wollseifener, die in ihrer Jugend aus dem Dorf vertrieben wurden, regelmässig Gottesdienste in ihrer ehemaligen Kirche. Und die Anlage Vogelsang beeindruckt und beängstigt durch ihre gigantischen Dimensionen und die kühle Architektur Touristen. Ein Besucherzentrum und Führungen informieren über die Geschichte des Ortes, ein Dokumentationszentrum soll dieses Jahr eröffnet werden.

Mit Rangern oder auf eigene Faust lässt sich die umliegende Natur erkunden, zum Beispiel auf dem rund 6 Kilometer langen Rundwanderweg zwischen Vogelsang und Wollseifen. Auch der Eifelsteig, ein 313 Kilometer langer Wanderweg von Trier nach Aachen, führt hier vorbei. Die Wege sollte man im Gebiet Vogelsangs aber nicht verlassen – es könnten alte Sprengsätze explodieren.

Auf Holzwegen durchs Moor

Wer verwunschene Orte, Geschichte und mysteriöse Landschaften mag, ist in der Eifel grundsätzlich richtig. Vor allem im Hohen Venn, jenem Hochmoor, das sich über 600 Quadratkilometer im Grenzbereich zwischen Belgien und Deutschland erstreckt. Vorwiegend über Holzstege führt der Weg durch das Sumpfgebiet, gutes Schuhwerk ist wichtig.

Am Wegrand erinnern immer wieder Holzkreuze oder andere Mahnmale an Leute, die sich im Hohen Venn verirrt haben und dabei ums Leben gekommen sind. Sie sind in der Tat sehr hilfreich, die kleinen Schildchen an den Bäumen, die den Weg zum Ausgangspunkt zurückweisen. Eine schöne Rundwanderung durch vielfältige Moorlandschaften lässt sich von der Baraque Michel in Belgien aus unternehmen.

Vulkane und Geysire

Etwas weiter östlich lockt ein weiteres Naturschauspiel. In der Vulkaneifel rund um Daun lässt sich entlang der Maare wunderschön wandern. Das Weinfelder Maar hat von all den vielen Eifeler Seen in Vulkantrichtern die wohl mysteriöseste Geschichte: Nach einer Sage soll auf seinem Grund ein Schloss samt dessen kaltherziger Bewohnerin liegen. Das Maar trägt den Beinamen Totenmaar, weil einzig die Kirche samt Friedhof vom früheren Dorf Weinfeld an seinem Ufer übrig geblieben ist. Die Bewohner zogen zur Zeit der Pest weg, die verlassenen Gebäude wurden als Steinbruch verwendet.

Dass die Vulkane in der Eifel zwar schlafen, aber noch nicht erloschen sind, zeigt sich am Laacher See. Im seichten Ufergewässer steigen noch immer Bläschen auf. Wann in der Eifel wieder einmal ein Vulkan ausbrechen könnte, ist ungewiss. Klar ist aber, dass im Dorf Wallenborn etwa jede halbe Stunde etwas explodiert: Der Wallende Born, ein Kaltwassergeysir, der alle dreissig Minuten bis zu 4 Meter in die Höhe schiesst.

Ein Bunker für die Elite

Ein ganz anderes Bild bietet sich dem Besucher im Ahrtal. Inmitten der Rebberge quartiert man sich am besten in einem Winzerhof ein und lässt sich den hauseigenen Wein schmecken. Mit dem Fahrrad lässt sich hier vieles erkunden – und einmal mehr Geschichte entdecken.

Etwa im ehemaligen Regierungsbunker der Bundesrepublik Deutschland. Auf Führungen lässt sich ein kleiner Teil der über 17 Kilometer langen Anlage unter dem Boden erkunden. Einst als Eisenbahntunnel geplant, wurde der Bau ab 1960 zum «Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik in Krise und Krieg» ausgebaut. Eine 3000-köpfige Elite hätte von hier aus bei einer atomaren Katastrophe das Land weiterregieren sollen. Nach der Wende verlor die Anlage an Bedeutung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.06.2015, 13:46 Uhr

Die Eifel geografisch (klicken zum Vergrössern)

Städte und Dörfer

Nebst mysteriösen Landschaften hat die Eifel viele hübsche Orte zu bieten. Die grösste Stadt ist Trier in der Südeifel. Sie gilt mit ihren alten Römerthermen und dem Stadttor Porta Nigra als älteste Stadt Deutschlands und ist einen Besuch wert.

In der Nordeifel ist das schmucke Tuchmacherstädtchen Monschau mit seiner berühmten Senfmühle ein Muss. Es eignet sich zum Beispiel als Ausgangspunkt für Besuche im Hohen Venn und im Nationalpark Eifel. Rund um das Städtchen liegen Dörfer, deren Häuser hinter hohen Hecken versteckt sind. Die Büsche dienen als Windschutz.

Zwei Eifelstädte sind bekannt für ihre Getränke: Bitburg für das Bier und Gerolstein für das Mineralwasser. Sowohl die Bitburger Brauerei als auch Gerolsteiner bieten in ihren Unternehmen Führungen an.

Bad Münstereifel hat eine spezielle Massnahme dafür ergriffen, das Städtchen zu beleben: In den hübschen Häusern sind diverse Outlet-Läden untergebracht. Schöne Ortsbilder bieten auch Kronenburg, Ahrweiler und Monreal.

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