Reisen im Kopf

Januarloch-Kalender:

Exotische Welten kann man auch vom eigenen Sofa aus entdecken. Das ist günstig und schont die Umwelt. Wir stellen sechs neue Fantasyromane vor, mit denen man dem grauen Januar entfliehen kann.

Reisen in ferne Länder sind teuer. Ausser man unternimmt sie im Kopf und vom eigenen Sofa aus.

Reisen in ferne Länder sind teuer. Ausser man unternimmt sie im Kopf und vom eigenen Sofa aus.

Eine Agentin kämpft ums ÜberlebenDaniel O’Malley:
«Codename Rook», Blanvalet,
700 Seiten.

Worum geht es?
Myfanwy (wird «Mifanie» ausgesprochen) Thomas erwacht verletzt in einem Park in London. Sie hat ihr Gedächtnis verloren und weiss nicht mehr, wer sie ist. Doch in ihrer Jackentasche entdeckt sie einen Brief von ihrem alten Ich an sie selbst. Darin erfährt sie, dass sie für eine geheime Regierungsorganisation arbeitet. Sie ist eine Rook, eine Agentin, die übernatürliche Fälle betreut. Von nun an setzt sie sich nicht nur täglich mit schleimigen Pilzmonstern und Co. auseinander. Sie muss auch herausfinden, wer vom innersten Zirkel der Organisation nach ihrem Leben trachtet.

Für wen?
Alle, die trockenen Humor, Detektivgeschichten und ausgefallene Daseinsformen à la Ghostbusters mögen.

Was ist besonders gut?
Die Dialoge sind wunderbar. So cooles Geplänkel kennt man sonst nur von Actionhelden in Filmen. Toll ist auch, dass der australische Autor Daniel O’Malley das Fantasygenre nicht zu ernst nimmt. So lässt er seine Heldin gerne über ihre absurden Einsätze lästern.



Gefährliche Nonnen verteidigen sich
Mark Lawrence: «Waffenschwestern. Das erste Buch des Ahnen», Fischer Tor, 640 Seiten.

Worum geht es?
Nona ist zum Tod verurteilt worden. Das Mädchen soll dafür büssen, dass es den vornehmen Raymel Tacsis fast getötet hat. Dabei wollte es bloss seine Freundin Saida vor ihm beschützen. Die Äbtissin des Klosters zur süssen Gnade kann Nona jedoch durch einen Trick retten. Nona wird als Novizin ins Kloster aufgenommen und lernt dort, mit allen möglichen Mitteln zu kämpfen. Dabei erfährt sie, dass das Gefährlichste überhaupt Vertrauen ist. «Die Waffenschwestern» ist der erste Teil einer Trilogie. Der zweite Band soll diesen Sommer erscheinen. US-Autor Mark Lawrence hat bereits mehrere Fantasybestseller geschrieben.

Für wen?
Alle, die Kämpfe jeglicher Art lieben – mit Waffen, mit Willenskraft oder mit Gift.

Was ist besonders gut?
In «Die Waffenschwestern» kommen viele starke Frauenfiguren vor. Das ist erfrischend. Die zahlreichen Wendungen erhalten die Spannung bis zum Ende aufrecht. Teilweise erinnert das Buch an die Harry-PotterRomane: Die Mädchen leben in einer Schule voller Magie.

Das Ende der Welt nahtNora K. Jemisin:
«Zerrissene Erde», Droemer Knaur, 500 Seiten.

Worum geht es?
Vater Erde ist wütend. Auf die Menschen, die ihn schlecht behandeln. Deshalb tut er dasselbe mit ihnen: Er plagt sie mit Vulkanen und Erdbeben. Nur Menschen, die zum Volk der Orogenen gehören, haben die Kraft, solche Erdbewegungen zu verhindern. Dafür werden sie gefürchtet und oft auch getötet. Essun ist eine von ihnen. Von ihrem Leben voller Leiden und kurzen Freuden handelt «Zerrissene Erde», das die erste Folge einer Trilogie bildet. Das Buch beginnt damit, dass Essuns Mann den gemeinsamen Sohn tötet, als er herausfindet, dass dieser ein Orogene ist. Essun hatte verschwiegen, was sie ist.

Für wen?
Alle, die es mystisch mögen. Das Buch ist in einer beschwörerischen Sprache geschrieben. Essun wird folgendermassen eingeführt: «Du bist sie. Sie ist du. Du bist Essun. Erinnerst du dich? Die Frau mit dem toten Sohn.» Wiederholt werden auch die sogenannten Steinweisheiten erwähnt: Sprüche, die auf Steine geschrieben sind und deren Bedeutung offenbleibt.

Was ist besonders gut?
Die US-Autorin Nora K. Jemisin schafft es, eine fantastische Welt aufzubauen, in der vieles unklar und versponnen ist, aber es wird nie esoterisch. Ihr Buch ist ein Fingerzeig, zur Natur Sorge zu tragen. Die englische Erstfassung wurde 2016 mit einem Hugo-Award als bestes Fantasybuch ausgezeichnet.

Ein Bub will endlich älter werdenRoss Welford:
«Der 1000-jährige Junge», Coppenrath, 380 Seiten.

Worum geht es?
Alfie ist elf Jahre alt. Seit über tausend Jahren. Klingt nach einem Traum? Für Alfie ist es eher ein Albtraum: Jedes Mal, wenn er endlich einen Freund findet, passiert das Gleiche: Der Freund kommt nach wenigen Jahren in die Pubertät, wächst zum jungen Mann heran, doch Alfie bleibt ein Kind. Es folgen skeptische Nachfragen, und Alfie muss mit seiner Mutter, die ebenfalls nie altert, wegziehen. Schliesslich lernt Alfie in der heutigen Zeit Aidan und Roxy kennen, und sein grösstes Abenteuer beginnt. Das Buch ist abwechselnd aus der Sicht von Alfie und von Aidan geschrieben. Spannend ist, wie völlig unterschiedlich die beiden handeln, weil sie einen anderen Erfahrungshorizont haben.

Für wen?
Für Kinder und Jugendliche, die sich fragen, wie es wohl wäre, niemals erwachsen zu werden. Und für alle, die Geschichten mögen, die zugleich traurig und witzig sind.

Was ist besonders gut?
Der britische Schriftsteller Ross Welford präsentiert «Der 1000-jährige Junge» zum Glück nicht als verkappte Geschichtsstunde. Historische Einsprengsel und Erklärungen dienen strikt der Handlung. Ross Welford geht es vor allem um die Frage, was Freundschaft bedeutet. Und er zeigt, dass ewiges Leben in der Realität Probleme mit sich bringen würde, an welche die meisten gar nicht denken.

Die Krähenbande trickst sich durchLeigh Bardugo:
«Das Gold der Krähen»,
Droemer Knaur, 590 Seiten.

Worum geht es?
«Das Gold der Krähen» ist der zweite Teil der sogenannten Krähensaga. Geschrieben hat das Buch die US-Beststellerautorin Leigh Bardugo. Es handelt von Kaz Brekker und seiner Krähenbande, denen ein Coup gelungen ist. Doch nun müssen sie ihren Gewinn verteidigen – dafür brauchen sie Köpfchen, Mut und Kampfgeist.

Für wen?
Für alle, denen spektakuläre Kämpfe, böse Intrigen und noch cleverere Gegenintrigen sowie Freundschaft bis in den Tod, begleitet von einem Hauch Romantik, gefallen.

Was ist besonders gut?
Zugegeben, anfangs muss man sich etwas durchbeissen: So viele Personen, so viele Schauplätzewerden erwähnt. Spätestens ab dem dritten Kapitel (von insgesamt 45) nimmt die Handlung rasant an Fahrt auf. Eigentlich ist das Buch mehr klassischer Abenteuerroman als Fantasygeschichte: Es lebt von den Helden, dem geschickten Phantom, dem knorrigen Kaz und deren Freunden. Die vielen überraschenden Wendungen lassen atemlos weiterlesen bis zum Finale.

Der Protagonist muss sterbenStephen King:
«Erhebung», Heyne-Verlag,
145 Seiten.

Worum geht es?
In Stephen Kings neuem Roman «Erhebung» spielt das Fantastische nur eine Nebenrolle. Er handelt von Scott Carey, der an einer seltsamen Krankheit leidet: Scott wiegt jeden Tag etwas weniger, ohne sich dabei äusserlich zu verändern. Vor dieser Ausgangslage entfaltet sich die Geschichte, die abgesehen von Scotts Leiden sehr realistisch ist – und gerade darum umso eindringlicher.

Für wen?
Alle, die keine Lust auf einen komplexen Roman mit zig Figuren haben, sondern eine einfache, gut erzählte Geschichte schätzen, die über das Alltägliche hinausführt.

Was ist besonders gut?
Das Buch ist für Stephen Kings Verhältnisse ungewohnt zart: Es gibt keine brutalen Monster und kein albtraumhaftes Grauen. Das Unheimliche liegt darin, dass Scott weiss, dass er bald sterben wird. Er besinnt sich darauf, was ihm in den verbleibenden Monaten noch wichtig ist: Freundschaft. Das klingt banal, aber Stephen King zeigt auf, wie wichtig Toleranz und das Überwinden eigener Vorurteile sind.

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