Magische Marie

Behalten Sie nur, was Sie glücklich macht, und Sie werden nie mehr aufräumen müssen! Die Japanerin Marie Kondo bringt selbst schlimmste Chaoten dazu, ­Ordnung ins Heim zu bringen.

Quelle: Youtube


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Anfang Januar – schon eine unfreudige Angelegenheit! Die Weihnachtsdeko ist zwar verräumt, alle Reste aufgegessen, doch die Vorsätze wurden eben gerade erfolgreich mit einem Stück Königskuchen heruntergeschluckt. Und schon wieder herrscht Chaos, in der Wohnung, im Leben – dabei wollte man doch mal ordentlich aufräumen!Es ist Zeit für Marie Kondo. Eine Frau, die Kleider auf lustige Art zusammenfaltet und auch sonst Ordnung ins Leben bringt.

«Marie Kondo» ist kein Pseudonym, die Dame existiert wirklich. Die Japanerin ist professionelle Aufräumerin und in ihrem Land ein Star – über 2 Millionen Bücher hat sie dort verkauft. Auf Deutsch sind «Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert» und «Magic Cleaning: Wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben» erschienen, in den USA kommt dieser Tage «Spark Joy: An Illustrated Master Class on the Art of Organizing and Tidying Up» heraus, eine illustrierte Fortsetzungsfibel der früheren Werke. Schauspielerin Jamie Lee Curtis nennt Kondo «Marie Poppins», und in den englischsprachigen Ländern hört man neuerdings die Redensart «I just kondoed my closet» – ich habe gerade meinen Kleiderschrank «gekondot».

Macht es glücklich?

Schon als Kind hat die Japanerin gern aufgeräumt. Heute ist sie Ordnungsberaterin, hält Kurse und schreibt Bücher, in denen immer ein bisschen das Gleiche steht – doch das hat es in sich. Wer sich ernsthaft an die Lektüre macht, beginnt aufzuräumen und hört erst wieder auf, wenn die Wohnung blitzblank und vieles in Kleider- oder Abfallsäcken oder sonst wo gelandet ist. Das Erstaunlichste: Nach Anwendung der sogenannten KonMari-Methode räumt es sich später wie von selber auf. Es ist fast ein bisschen . . . magisch.

Ihre Methode beruht auf wenigen Grundsätzen, die manchmal ein wenig gspürig sind, jedoch höchst effizient. Einer davon: Behalte nur, was dich glücklich macht (auf Englisch: sparks joy – wörtlich übersetzt: Freude auslöst). Man solle sich Folgendes fragen: «Macht es mich glücklich, wenn ich den Gegenstand in die Hand nehme?» Es komme entscheidend auf den taktilen Reiz, auf die physische Kontaktaufnahme zu den Dingen an.

Irgendwann kommt nie

Ihre Art, Kleider zusammenzufalten, ist clever und platzsparend. Oberteile werden aufgestellt wie auch Jupes und Hosen. Und Socken, denn Socken mögen es nicht, wenn man sie zusammenwurstet. «Bitte, bitte merken Sie es sich», schreibt Kondo. «Aus Strumpfhosen dürfen niemals pralle Bällchen und aus Strümpfen niemals unansehnliche Knäuel gemacht werden. Strumpfwaren generell lieben es nicht, wenn man sie auf links dreht.»

Marie Kondo erteilt trotz leichtem Hang zu einer esoterisch anmutenden Logik knallhart Ratschläge, und die machen nicht immer Spass. Sechs Grundpfeiler (siehe Box) stützen ihre Theorie, etwa jener über Schnickschnack: Dieser muss weg. Darunter laufen Ersatzknöpfe für Kleidung, ein Gästebett für den nie auftauchenden Gast oder Kosmetikproben, die man auf die nächste Reise mitnehmen will. Geschenke darf man wegwerfen und Bücher auch. Vor allem solche, die man noch zu lesen gedenkt. «Irgendwann kommt nie», sagt Marie Kondo.

Die Japanerin befreit nicht nur ein Zuhause von unnötigem Ballast, sondern auch die Gedanken. Wer es ausprobiert hat, wird das bestätigen. Vielleicht deshalb hat sie das «Time Magazine» unter die «100 most influential people of 2015» genommen – so viel Einfluss hat eine Japanerin selbst auf die Amerikaner. In den USA sollen sich viele Hausfrauen nach erfolgreicher KonMari-Entrümpelungsaktion auch von Ehemännern getrennt haben.

Erfolg hat die KonMari-Methode also auch ausserhalb Japans, wo Ordnung in winzigen Apartments überlebenswichtig ist. Die Erfinderin erklärt es sich so: «Amerikaner leben in riesengrossen Häusern und haben die Tendenz, zu viele Dinge anzuhäufen. Was nicht unbedingt heisst, dass sie deswegen glücklicher sind.» Das, behaupten wir mal, dürfte für den gesamten, in zu viel Kram ertrinkenden Westen gelten. Und deshalb funktioniert die KonMari-Methode auch überall, selbst bei den schlimmsten Chaoten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.01.2016, 05:54 Uhr

Marie Kondos goldene regeln des aufräumens

1. Geben Sie sich dem Aufräumen hin. Die KonMari-Methode ist aufwendig. Haben Sie aber einmal angefangen, geht es wie von allein.
2. Stellen Sie sich Ihr ideales Leben vor. Während Sie das tun, ordnen Sie auch Ihre Gedanken und finden heraus, welches Leben Sie führen wollen.
3. Immer zuerst entrümpeln. Werfen Sie Dinge weg. Erst wenn Sie damit fertig sind, gehen Sie zu Schritt zwei: Aufbewahrungsort festlegen. Viele Leute sind nie fertig mit Aufräumen, weil sie nichts loswerden, sondern einfach umräumen.
4. Nicht Zimmer aufräumen, sondern Dinge in Kategorien einteilen. Ordnen Sie beispielsweise eine Art Kleidungsstück wie Jacken, sammeln Sie alle Teile, die Sie besitzen, und häufen Sie sie an einem Ort auf.
5. Beachten Sie die richtige Reihenfolge beim Ausmisten: zuerst Kleider, Bücher, Papiere und Dokumente, Kleinkram und erst am Schluss Erinnerungsstücke (sind Sie beim Aufräumen auch schon über alte Fotos gestolpert? Eben.)
6. Fragen Sie sich, ob ein Gegenstand Sie glücklich macht. Merken Sie sich: Sie wählen nicht zwischen Wegwerfen und Behalten. Sondern Sie bewahren nur Dinge auf, die Sie glücklich machen.nk

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