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Jetzt ist dann mal genug mit diesem YB-Hype

Young Boys, Bachelor, Fake News, Veganismus: Welchen unnötigen Diskussionen unsere Autorin dieses Jahr möglichst ausweichen möchte und warum, aufgelistet von A bis Z.

In Bern waren die Young Boys im Jahr 2018 mutmasslich das Diskussionsthema Nr. 1. Im Bild: Leonardo Bertone mit Siegerschampus, kurz nach dem entscheidenden Sieg über den FC Luzern.
In Bern waren die Young Boys im Jahr 2018 mutmasslich das Diskussionsthema Nr. 1. Im Bild: Leonardo Bertone mit Siegerschampus, kurz nach dem entscheidenden Sieg über den FC Luzern.
Raphael Moser

Achtsamkeit

Sie soll uns zu besseren Menschen machen. Oder noch eher zu solchen, die ihr Leben mehr geniessen können: Achtsamkeit ist in aller (Ratgeber) Munde. Doch die Bemühungen, aufmerksamer durch den Alltag zu gehen, wirken oft so schrecklich egozentrisch. Deshalb bitte einfach machen, nicht darüber referieren.

Bachelor

Es ist ja ganz unterhaltsam, was Bachelors à la Vujo Gavric und Co. erzählen. Und die Kandidatinnen, die den Traumkörper des Junggesellen betatschen und dabei von Liebe reden, sind ebenfalls unfreiwillig komisch. Aber bitte, 3+, lass es langsam gut sein damit. Wir haben so ziemlich alle Peinlichkeiten gesehen, die man sich vorstellen kann (und will).

Computerkompetenz

Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit Computern umzugehen. Einverstanden. Die Stadt Bern will deshalb ab August sogar schon Kindergärtler mit iPads ausrüsten. Die Frage ist, ob nicht bereits zu viele Vierjährige sehr gut wissen, wie man ein iPad bedient. Wie wäre es deshalb mit mehr handfesten Erfahrungen für kleine Kinder statt noch mehr Virtuellem?

Disruption

Dies ist das Lieblingswort aller aufstrebender Jungmanager. Weil es nach etwas Neuem klingt, nach Aufbruch, nach Revolution. Dabei bedeutet der Begriff bloss: Im digitalen Zeitalter können kleine Unternehmen bestehende Strukturen jederzeit zerbrechen. So bedroht etwa Airbnb die Hotelbranche. Leider wird aber mit dem Modeadjektiv «disruptiv» oft gar nichts erklärt. Deshalb gerne wieder etwas weniger Slang und dafür mehr Informationen, wer wie auf einem Markt mitmischt und was das für uns bedeutet.

Eltern

Sie machen prinzipiell alles falsch: Entweder sind sie zu lasch, weil sie dem Kind beispielsweise erlauben, draussen spielen zu gehen, obwohl es noch staubsaugen müsste. (Wo bleibt die nötige Konsequenz?!) Oder dann zwingen sie ihr Kind, zusätzliche Hausaufgaben zu machen, damit es in den Gymer kommt. (Wo bleibt die bedingungslose Liebe?!) Es scheint, als gäbe es keine vernünftigen Mütter und Väter mehr. Man stürzt sich gerne auf solche Berichte, weil man sich so schön darüber aufregen kann. Aber sie helfen niemandem weiter.

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Fake News

Sie können den Begriff nicht mehr hören? So geht es wohl den meisten. Ironischerweise reden jeweils genau die am lautesten von Fake News, die selber gerne Fakten verdrehen. Deshalb kann man bei diesen Diskussionen getrost auf Durchzug schalten.

Gutes Google

Google will gut sein und den Menschen Gutes bringen. Vielleicht glauben die Tech-Heinis im Silicon Valley das ja tatsächlich. Doch sobald ein milliardenschweres Unternehmen davon schwafelt, es wolle die Welt zu einem besseren Ort machen, sollte man unbedingt weghören.

Hausfrauen

Ja, es gibt in der Schweiz zahlreiche Frauen mit Studienabschluss, die keiner Arbeit nachgehen. Rund 50'000 waren es bei der letzten Auswertung. Das wird vor allem angesichts des drohenden Fachkräftemangels kritisiert. Doch bevor Politiker und Wirtschaftsvertreter immer wieder fordern, dass Frauen in die Bresche springen, sollten sie vielleicht mal fragen, wieso so viele Mütter aus dem Beruf aussteigen. Nicht unbedingt, weil sie zu bequem zum Arbeiten sind, sondern weil der Balanceakt zwischen Familie und Job oft wahnsinnig unbefriedigend ist. Und weil stets die Mütter schuld sind, wenn irgendetwas schiefgeht. Deshalb bitte mehr Grundsatzfragen anstelle von Vorwürfen!

Impfen

Diskussionen über das Thema bringen nichts. Denn während die Befürworter sich auf die Wissenschaft berufen, argumentieren die Gegner mit der Weisheit der Natur. Und sie zählen Einzelfälle auf, in denen Impfungen tödlich verliefen. Wenn man sich auf völlig unterschiedliche Grundlagen stützt, ist eine richtige Debatte nicht möglich. Zudem zeigen Studien: Nach einem emotionalen Streitgespräch verfestigen sich bei den Beteiligten nur die vorhandenen Ansichten.

Jammern

Manchmal tut es gut zu jammern. Aber in der Schweiz beklagt man sich oft auf sehr hohem Niveau. Zum Beispiel darüber, dass die Züge wegen Schnee Verspätung haben. Ist das tatsächlich so schlimm?

Kryptowährungen

Mal ehrlich, haben Sie genau verstanden, wie Bitcoin etc. funktionieren? Und wie viele Leute kennen Sie, die darin investiert haben? Eben.

Lehrplan 21

Es wird geflucht darüber, und er wird ebenso vehement verteidigt. Seit August 2018 gilt er auch im Kanton Bern. Die Argumente dafür und dagegen kennen mittlerweile alle. Kann man jetzt mal innehalten und schauen, wie sich der Lehrplan 21 auswirkt? Etwas Gutes zumindest hat er bereits ausgelöst: Einige Berner Schulen haben die Hausaufgaben abgeschafft!

Machos über #MeToo

Dass manche Männer behaupten, in Zeiten von #MeToo wüssten sie gar nicht mehr, wie sie mit Frauen umgehen sollen, ist Unsinn. Die meisten wissen doch, was Anstand ist. Und wenn man tatsächlich mal eine Situation falsch eingeschätzt hat, entschuldigt man sich halt dafür.

Nudging

Permanent versuchen Firmen, uns in eine bestimmte Richtung zu «stubsen», wofür der Begriff «Nudging» steht. Zum Beispiel, online Rechnungen zu zahlen anstatt auf der Poststelle, am Ticketautomaten Billette zu lösen statt am Schalter und sogar dazu, gesünder zu leben, damit wir die Krankenkassen weniger belasten. Das nervt. Und Gespräche darüber, wie man die Kunden/Mitarbeiter/etc. noch besser manipulieren kann, sind einfach nur überflüssig.

Optimierung

Alles soll stets optimiert werden: Abläufe, Inneneinrichtungen, sogar das eigene Selbst. Wieso darf man nicht einfach mal so mangelhaft sein, wie man nun mal ist?

Pädagogisch wertvoll

In fast jedem Kinderbuch und in der Beschreibung zu fast jedem Spielzeug steht diese Auszeichnung. Wäre es wirklich so furchtbar, wenn Kinder sich mal mit etwas beschäftigen, das reiner, sinnloser Zeitvertreib ist?

Quoten

Niemand mag von der Politik verordnete Quoten. Unschön ist aber auch, dass der Frauenanteil in Schweizer Geschäftsleitungen nach wie vor nur 7 Prozent beträgt. Es wäre begrüssenswert, wenn man gar nicht mehr darüber diskutieren müsste. Grossbritannien hat vorgemacht, wie das funktionieren könnte: Im sogenannten 30-Prozent-Club haben sich Firmen zusammengeschlossen, die selber dafür sorgen, dass der Frauenanteil steigt. Mit grossem Erfolg.

Roaming-Preise

Jeden Sommer pünktlich zum Ferienbeginn wird vor hohen Roaming-Gebühren gewarnt. Diese fallen an, wenn ein Kunde eines Schweizer Mobilfunkanbieters ein ausländisches Netz nutzt. Das Thema ist so frustrierend und Abhilfe noch so lange nicht in Sicht, dass man das Smartphone in den Ferien möglichst wenig anfasst – und ansonsten einfach weghört.

Stillen

Nein, bitte keine Erklärungen mehr, dass Stillen das Gesündeste für das Kind ist. Wir wissen es! Trotzdem gibt es Frauen, die nicht stillen wollen oder können. Also hört bitte auf, ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen.

Tweets von Trump

Richtig, wir reden hier vom Präsidenten der USA. Und was er sagt, hat Einfluss auf die ganze Welt. Trotzdem ist es für das psychische Wohlbefinden besser, Berichte über seine neusten Tweets zu ignorieren. Denn auf jede haarsträubende Ankündigung folgt ja doch wieder ein halber Rückzug, gefolgt von einem Rückzug vom Rückzug...

Unhöflichkeit

Ja, es gibt sehr unhöfliche Menschen. Aber wenn man dauernd über sie redet, wird es auch nicht besser. Lieber mit gutem Beispiel vorangehen.

Veganismus

Jeder soll doch nach seiner Façon selig werden.

Work-Life-Balance

Der Begriff klingt, als wäre Arbeiten kein Aspekt des Lebens. Wäre es nicht besser, anstatt das Vergnügen strikt vom Job zu trennen, dafür zu sorgen, dass der Beruf mehr Spass macht?

Xenia Tchoumi

Sie war eine der ersten grossen Schweizer Influencerinnen: Xenia Tchoumi. Was sie erreicht hat, ist bewundernswert. Aber dass jetzt so viele junge Frauen davon träumen, Influencerin zu werden, erschreckt. Ist es erstrebenswert, eine Marke zu sein? Teure Kleider zur Schau zu tragen und dafür Geld zu bekommen? Gibt es für junge Frauen keine besseren Identifikationsfiguren? Zum Beispiel Frauen, die nicht in erster Linie dank ihrem Aussehen Erfolg haben, sondern vor allem mit ihrer Intelligenz und ihrem Durchsetzungsvermögen punkten?

YB

Ja, YB ist Schweizer Meister geworden. Ja, das ist toll. Aber jetzt ist dann mal gut mit Auf-die-Schultern-Klopfen und Ach-was-sind-wir-grossartig-Sprüchen.

Zickenkrieg

Auf Berichte, wer gerade mit wem streitet oder wer jetzt der besten Freundin den Mann ausgespannt hat, lässt sich problemlos verzichten. Und wenn unbedingt über streitende Frauen berichtet werden muss, dann bitte auch eines der zig Beispiele von Männern erwähnen, die einen Gockelkrieg führen.

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