Delikatesse aus Gebäckresten

Januarloch-Kalender

Können Sie die Weihnachtsgüezi auch nicht mehr sehen? Wer trotzdem noch Lust auf Süsses hat, kann trockene Gebäckreste zu leckeren Studentenschnitten verarbeiten.

Studentenschnitten sind die perfekte Art, die alten Weihnachtsgüezi aufzubrauchen.

Studentenschnitten sind die perfekte Art, die alten Weihnachtsgüezi aufzubrauchen.

(Bild: Nicole Philipp)

Die Festtage sind vorbei, Wehmut vermischt sich mit Erleichterung. Der Mut, auf die Waage zu stehen, ist noch nicht da, denn schliesslich sind noch jede Menge Süssigkeiten vorhanden, die gegessen werden sollten. Da sind die Pralinés von Tante Marlies, der Panettone von Cousine Elsbeth, und in den Blechdosen im Schrank ruhen noch die letzten Mailänderli, Zimtsterne und Sablés.

Sie sind schon ziemlich trocken, und die Lust auf Weihnachtsgüezi hält sich im Januar in Grenzen. Nach dem Einkauf in der Bäckerei im Nachbardorf kommt die zündende Idee: Studentenschnitten backen ist die ideale Art, Weihnachts- und anderes Gebäck zu verwerten. In meiner Kindheit konnte man für 15 Rappen eine solche Schnitte kaufen, je nachdem überzogen mit rosa Zuckerglasur oder Schokolade. Mmmhh. Trotz der festtäglichen Völlerei erwacht die Lust auf Süsses. Also, ab in die Küche.

Keine Hexerei

Die Machart ist simpel: Gemäss Betty Bossy braucht es 400 Gramm Mürbeteig. Ich knete den Teig selber und stelle ihn kühl. Derweilen zerdrücke ich für die Füllmasse gut 250 Gramm Güezi in einem Plastiksack mit dem Wallholz zu Brosamen – Mailänderli, Haferflockenkekse, Sablés und ein paar Kambly-Butterfly – und stelle zwei Cakeformen bereit, mit Backpapier ausgekleidet und mit Mürbeteig belegt.

Weiter gehts mit 10 Minuten vorbacken und mit Konfitüre bestreichen. Für die Füllmasse mische ich die Güezibrosamen mit den weiteren Zutaten, pappe sie circa 3 bis 4 Zentimeter dick auf die Teigböden und backe 25 Minuten. In der Zwischenzeit eine Packung Schokoladenglasur erwärmen oder selber eine machen, diese auf die noch warmen Kuchen streichen, abkühlen lassen, schneiden – und fertig sind die Studentenschnitten.

Vorsicht, Schimmel

Das ehemalige Billigstückli ist heute nicht mehr in jeder Bäckerei zu finden, obschon es die perfekte Lösung bietet, älteres Gebäck zu verwerten. Warum findet man das Gebäck nur noch selten? Aus Hygienegründen vielleicht? «Nein. Eine Studentenschnitte ist nicht etwa Abfall, sondern hochwertige Ware», betont Daniel Jakob, zuständig für die Lebensmittelsicherung beim Schweizerischen Bäcker-Confiseur-Meister-Verband. Bei der Verwertung von trockenem Gebäck und Produktionsresten müssen in einer Bäckerei drei Punkte beachtet werden.

Erstens: Allergene Zutaten, wie beispielsweise Nüsse, vermeiden oder falls vorhanden deklarieren. Zweitens: Für eine immer gleiche Qualität immer etwa die gleichen Zutaten verwenden, und drittens: Das gemahlene Gebäck, der sogenannte Schraps, ist bei zu hoher Feuchtigkeit anfällig für Schimmel und muss deshalb gut getrocknet sein oder tiefgekühlt werden. Also kein Hygieneproblem, sondern eher ein Problem der Kunden, die ein Gebäck wünschen, das immer gleich schmeckt.

In der Bäckerbranche versuche man, Food-Waste möglichst zu vermeiden, dies auch mit der Herstellung von Studentenschnitten, sagt Jakob. Allerdings könnten auch die Konsumenten etwas dazu beitragen, indem sie nicht rund um die Uhr frischeste Backwaren verlangten.

Für arme Studenten

Woher der Name Studentenschnitte stammt, lässt sich nicht so einfach in Erfahrung bringen. Dass die Schnitte vor rund fünf Jahrzehnten das billigste und erst noch grösste Trockengebäck war, könnte ein Grund sein, dass sie bei Schülern und armen Studenten besonders beliebt war. Denn mit einer Tasse Milch wird eine Studentenschnitte schon fast zu einer Mahlzeit, auch von den Kalorien her gesehen.

Wer im Januar also seine Festtagspfunde loswerden will, kann das süsse Recycling-Gebäck ja verschenken.

Berner Zeitung

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