Haarentferner: Experten mahnen zur Vorsicht

Kurz vor dem Sommer müssen die ungeliebten Körperhaare weg. Immer mehr Menschen greifen dafür auf Laser- und Blitzgeräte für den Privatgebrauch zurück. Das Bundesamt für Gesundheit rät allerdings von der Anwendung ab.

Der Traum von glatter Haut. Blitz- und Lasergeräte versprechen lang anhaltende Haarentfernung. Langzeitfolgen solcher Anwendungen werden aber erst noch untersucht.

Der Traum von glatter Haut. Blitz- und Lasergeräte versprechen lang anhaltende Haarentfernung. Langzeitfolgen solcher Anwendungen werden aber erst noch untersucht.

(Bild: Keystone)

Stefanie Christ@steffiinthesky

Es klingt wie ein kosmetisches Märchen: Gerät aufsetzen, Knopf drücken, Haare langfristig entfernen. Das versprechen die Hersteller von Laser- und Blitzgeräten zur Haarentfernung, die zahlreich im Internet oder in Elektrofachgeschäften feilgeboten werden. Wenig Märchenhaftes erlebte Simone B.* aus Bern. Nach dem Ausprobieren eines Blitzgeräts brannte die Haut unangenehm, und «der ganze Raum stank nach verbrannten Haaren». Auch ein Lasergerät, das sie sich übers Internet bestellt hatte, führte zu Hautirritationen. Ein Blick auf die Verpackung zeigte, dass die Laserstrahlung in die Klasse 3B eingestuft ist. Entsprechende Geräte weisen eine rund 500-mal stärkere Strahlung auf als ein handelsüblicher Laserpointer und können bei falscher Anwendung zu Schädigungen der Augen und Haut führen.

Verbrennungen gemeldet

Obwohl die mehrere Hundert Franken teuren Geräte frei im Handel erhältlich sind, raten sowohl die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Heilmittel, Swissmedic, wie auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) all jenen, die sich unliebsame Haare mit einem Laser- oder Blitzgerät entfernen lassen wollen, dafür ausgebildetes Fachpersonal aufzusuchen. Das sehen die Hersteller der Geräte natürlich anders. Etwa die Firma Philips, die den Schweizer Markt erfolgreich mit dem Blitzgerät «Lumea» bedient, das in Zusammenarbeit mit Dermatologen entwickelt wurde. Auf Anfrage verweist die Pressestelle auf eine schriftliche Stellungnahme: «Bei sachgemässer Anwendung sind die Geräte sicher in der Anwendung.» Für die Bedienung müssen die Kunden auf ihren Hauttyp achten. So darf unter anderem der Teint nicht zu dunkel sein, da die Geräte sonst aufgrund des erhöhten Melaningehalts zu Hautirritationen führten. Ein Krebsrisiko könne hingegen ausgeschlossen werden, da die Haut dank eingebauter Filter keiner gefährlichen UV-Strahlung ausgesetzt sei.

Dies sei zwar korrekt, doch langfristige Schäden könnten trotzdem nicht ausgeschlossen werden, sagt Beat Gerber, Leiter Bereich Optische Strahlung beim BAG. Gefährlich werde die Anwendung vor allem dann, wenn ein Kunde an einer unentdeckten Hautkrankheit leide: «Die Strahlung kann die Zellstruktur so weit verändern, dass ein Hautarzt hinterher nicht mehr feststellen kann, ob es sich bei einer Mutation um eine gut- oder eine bösartige handelt», so Gerber. Darum sei Benutzern geraten, vor der Haarentfernung einen Dermatologen aufzusuchen. Zudem habe die Forschung noch keine abschliessende Antwort auf die Frage gefunden, ob neben der UV– nicht auch die Wärmestrahlung, auf der diese Geräte basieren, zu Hautkrebs führen kann. Auch mit Pigmentstörungen oder Narben müssten die Kunden rechnen: «Uns wurden bereits einige schmerzhafte Verbrennungen gemeldet», so Gerber. Zu diesen Verletzungen sei es sogar während Behandlungen in Kosmetikinstituten gekommen.

Gesetzgebung veraltet

Um diesen Risiken gerecht zu werden, hat Swissmedic im Oktober 2010 beschlossen, dass die Nutzung von Lasern der gefährlichsten Klasse 4 sowie Blitzlampen mit einem Wellenlängenbereich von 200 bis 3000 Nanometern (Philips «Lumea»: >570 nm) nur durch Fachpersonen bedient werden dürfen. Aber: Diese Vorschriften gelten nur für medizinische, nicht für kosmetische Geräte.

Warum gibt es für diese keine verbindlichen Regeln? Laut dem BAG hinkt eine entsprechende Gesetzgebung der Zeit hinterher: «Es handelt sich um eine relativ moderne Technik. Es ist schwierig und langwierig, eine solche auf Bundesebene zu regeln», so Gerber. Wichtig sei in erster Linie der Erkenntnisgewinn über mögliche Folgeschäden. Darum hat das BAG nun das Bundesamt für Metrologie damit beauftragt, verschiedene Laser- und Blitzgeräte zu testen. Erste Ergebnisse liegen noch nicht vor. Doch selbst wenn sich zeigen würde, dass die private Nutzung gefährlich ist, wäre ein Verbot kaum durchsetzbar. Beat Gerber weist darauf hin, dass es auch nicht illegal sei, Laserpointer zu besitzen, die über dem in der Schweiz festgelegten Grenzwert funktionieren. Kunden umgehen die Regeln, indem sie diese Geräte übers Internet bestellen.

Am Ende entscheidet wie bei anderen elektronischen Kosmetikgeräten die Selbstverantwortung der Kunden darüber, ob das Resultat zufriedenstellt oder für einen Schrecken im Badezimmer sorgt.

*Name der Redaktion bekannt

Berner Zeitung

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