Zum Hauptinhalt springen

My Home is my Camper

Was früher der Wohnwagen war, ist heute das Wohnmobil. Es bietet grenzenlose Freiheit, die einzig durch den Geldbeutel oder die Enkelkinder gefährdet ist.

Schon die Frontansicht lässt Männerherzen höher schlagen: Die Front des «Männermobils» sieht aus wie ein schwerer Laster.
Schon die Frontansicht lässt Männerherzen höher schlagen: Die Front des «Männermobils» sieht aus wie ein schwerer Laster.
Beat Rüdt
Auf dem Mobil: Ein Sitzplatz mit Aussicht. Auch ein Fernrohr gehört zur Ausstattung.
Auf dem Mobil: Ein Sitzplatz mit Aussicht. Auch ein Fernrohr gehört zur Ausstattung.
Beat Rüdt
Auch bei diesem Modell muss der Käufer nicht auf Luxus wie Radio und Fernseher verzichten.
Auch bei diesem Modell muss der Käufer nicht auf Luxus wie Radio und Fernseher verzichten.
Beat Rüdt
1 / 18

Mit den eigenen vier Wänden verreisen und anhalten, wo man möchte. Fernab der Touristenströme sein und vor allem unabhängig von den lästigen Essenszeiten eines Hotels oder der Infrastruktur eines Campingplatzes. Das ist nur mit dem Reisemobil oder Camper möglich.

«Eine andere Form des Reisens kommt für meine Frau und mich nicht mehr in Frage», sagt Eduard Wiedmer. Vor zwölf Jahren kaufte der 67-Jährige aus Langenthal den ersten Camper. «Wir lieben dieses Gefühl der Unabhängigkeit – an keinen bestimmten Ort gebunden zu sein und morgens nicht zu wissen, wo wir abends parkieren werden», beschreibt Wiedmer das Lebensgefühl als Reisender mit Wohnmobil. Das liesse einen Freiheit erleben, wie sie im Alltag eher selten sei, wo der Mensch doch meist fremdbestimmt werde.

Immer mehr Wohnmobile

So kommt es nicht von ungefähr, dass vor allem Leute ab 50 ein Reisemobil kaufen, um den Ruhestand so frei wie möglich zu erleben. Ihre Zahl wächst. Seit längerem beobachtet man bei der European Caravan Federation eine steigende Nachfrage nach dem Heim auf vier Rädern. Wurden 1999 in der Schweiz noch 900 Fahrzeuge neu zugelassen, waren es 2008 bereits 1700. Noch anders sieht es in Ländern wie Norwegen oder Slowenien aus. Dort beträgt das jährliche Wachstum 20 und mehr Prozent.

Die starke Nachfrage wird auch auf dem seit gestern stattfindenden Suisse Caravan Salon deutlich. Die Hersteller und Händler von Wohnmobilen nehmen dort längst gleich viel Platz ein wie ihre Konkurrenten aus der Wohnwagenbranche, die lange dominierten.

Von schlicht bis protzig

Seit sie Ende der 70er-Jahre auf den Markt kamen, ist das Gros der Reisemobile äusserlich nicht unbedingt sehr viel schnittiger geworden. Vermutlich kommt ihnen die Rolle des heiss geliebten, aber nicht unbedingt schönen Kombis zu, der das Leben zuverlässig und mit viel Platz aufs Angenehmste begleitet. Hersteller wie das deutsche Unternehmen Hymer bieten mittlerweile sechs Kategorien an, die vom einfachen «Car» auf Campingbus- oder Kastenwagenchassis bis zum riesigen «Hymer Liner» reichen, den vermutlich auch Filmstars für den angemessenen Aufenthaltsort in der Drehpause halten würden.

Sind viele Camper im Innern so schlicht geblieben wie in ihrer Anfangsphase, stattet etwa der slowenische Produzent Adria sein Ganzjahresmodell Polaris im Inneren mit edlem Leder und feinem Holz aus – so luxuriös wie eine kleine Yacht.

Ein anderes Bedürfnis erfüllt die Vater-Sohn-Firma Kaiser Motorhomes in Stans. Alfred Kaiser hat sich vor 29 Jahren darauf spezialisiert, Kastenwägen zum Wohnmobil auszubauen. Was von aussen wie ein Lieferwagen wirkt, ist im Inneren ein idealer Reisebus für zwei. «Wir bauen für Leute, die auf Understatement setzen und überall parkieren wollen – unsere Wagen sehen nicht nach Reisemobil aus», sagt Alfred Kaiser. Die Aufbauten basieren meist auf dem Unterboden eines Mercedes Sprinters, Citroëns oder Fiats. Die Ausstattung hat es in sich: Fernseher, Generator und Solaranlage. Das hat seinen Preis und kostet im Durchschnitt 90'000 Franken.

Fast grenzenlos frei

Während bei den Kaisers eher jüngere Individualisten kaufen, die übers Wochenende zum Surfen fahren oder mit etwas mehr Zeit Osteuropa erkunden wollen; sind die traditionellen Wohnmobilkäufer älter. «Unsere Klientel steuert meist auf den Ruhestand hin, dann hat man die Zeit zu reisen», beobachtet David Meister, Verkaufsleiter bei Bantam Camping in Hindelbank. Gefragt sei hauptsächlich die Mittelklasse: praktische Fahrzeuge, meist zwischen sechs und siebeneinhalb Meter lang. Mit einem Anfangspreis von rund 75'000 Franken auch dies keine ganz günstige Anschaffung.

Doch für das Ehepaar Wiedmer hat sie sich von Anfang an gelohnt. «Wann immer uns danach ist, fahren wir los», erzählt Eduard Wiedmer begeistert. Mit Ehefrau Rita hat er schon im Camper Spanien, Dänemark, Finnland, Ungarn und Kroatien bereist. Die einzigen Grenzen, die ihrer Freiheit gesetzt sind, sind die Schulferien der Grosskinder: Denn für die gehört es zum Höchsten, wenn sie mit Opi und Grosi im Wohnmobil verreisen dürfen.

Suisse Caravan Salon: Noch bis Montag. Zeiten: 9.30 bis 18 Uhr, Fr bis 20 Uhr. Eintrittspreis für Erwachsene: Fr. 13, www.caravansalon.ch.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch