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Grachten – einst Kloake, heute Flaniermeile

1613 erfolgte der Spatenstich: In Amsterdam begann der Bau der Grachten. Die Kanäle dienten damals als Transportwege. Und als Kloake. Doch nun, 400 Jahre später, wagen sich die ersten Schwimmer hinein.

Das Boot ist gerammelt voll. Ein Mann wirft sich am Bug in Pose, eine Bierdose in der Hand. Einige seiner Kollegen johlen, eine Frau kreischt, der Bass der Musikanlage stampft. Der Bootsführer versucht das feuchtfröhliche Treiben geflissentlich zu ignorieren und das Schiff auf Kurs zu halten.

Im kleinen Boot, das jetzt vorbeituckert, sitzen drei Einheimische bei einem Glas Wein – sichtlich zufrieden mit sich und der Wochenendfahrt auf den Grachten, ihrem Naherholungsgebiet. Als Nächstes rauscht ein Touristenschiff an. Wie auf Geheiss drehen die Besucher ihre Köpfe und fixieren einige Häuser, die aussehen, als kippten sie im nächsten Augenblick ins trübe Wasser – oder spätestens, wenn man am Haken oben im Giebel nochmals eine Last hochzuziehen versuchte. Doch keine Bange: Die Häuser stehen schon lange hier – die meisten dank des angehäuften Sands und der Pfähle stabil, auf die sie gebaut wurden. Zumindest solange die Pfähle nicht morsch sind. Die Hausfronten wiederum sind bewusst nach vorne geneigt – damit sie den Betrachtern mächtiger erscheinen. Bereits passiert das nächste Boot die Brücke. Und vorne, wo die Quergracht einmündet, gibts einen Schiffsstau, inklusive einiger brenzliger Momente beim Manöver eines für die Kanäle viel zu langen Touristenschiffs.

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