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Allergien: Welches Haustier passt zu mir?

Viele Menschen reagieren empfindlich auf Hunde und Katzen. Es gibt jedoch Alternativen – auch kuschelige.

Haben sich arrangiert: Allergikerin Hanny Hunziker und ihr Sennenhund Miro. Foto: Urs Jaudas
Haben sich arrangiert: Allergikerin Hanny Hunziker und ihr Sennenhund Miro. Foto: Urs Jaudas

Der Wunsch vieler Menschen nach einem Haustier ist verständlich. Hunde etwa sorgen für mehr Bewegung im Alltag. Oft hilft ein pelziger Hausgenosse gegen Einsamkeit, erleben wir doch die meisten Tiere als zu­gewandte, unvoreingenommene Gesellschafter. Und Haustiere, ganz gleich welche, gelten gerade jetzt im Winter auch als Stimmungsaufheller.

Für Allergiker kann ein Tier allerdings zusätzliche Probleme ins Haus bringen. Ob auch empfindliche Menschen von den positiven Effekten eines Haustiers profitieren, lässt sich nicht immer auf Anhieb beantworten.

Eine gute Anlaufstelle, die bei solchen Fragen informiert, ist das Allergiezentrum Schweiz in Bern, kurz Aha genannt. Die unabhängige Patientenorganisation berät Betroffene und organisiert Beratungen und Schulungen für Fachleute, Behörden oder Firmen. Zum interdisziplinären Team gehört auch Sereina de Zordo. Als Lebensmittelwissenschaftlerin und Allergie-Expertin kann sie das Dilemma ums Tier gut nachvollziehen: «Eine familiäre Vorbelastung mit Allergien erschwert die Entscheidungsfindung», weiss sie. «Aber nicht jede Vorbelastung bedeutet zwingend ein Nein zu einem Haustier. Wichtig ist, sich zunächst die Situation genau vor Augen zu führen.»

Warnsignal Atemprobleme

Für Expertin de Zordo gibt es nur zwei Gründe für ein Nein zu Tieren: «Existiert bereits eine Tierallergie, ist das ein Stoppsignal, denn über das Fell und ausfallende Haare werden die Allergene aus Drüsen oder Speichel verbreitet.» Da sei der permanente Kontakt mit den Allergieauslösern programmiert. Der andere Ausschlussgrund für ein Tiersind laut de Zordo Atemwegsallergien, ganz besonders Asthma: «Betroffene sind bereits dauerhaft belastet, etwa durch Hausstaubmilben oder Pollen. Haustiere liefern einen zusätzlichen Trigger, sodass noch stärkere Symptome und im schlimmsten Fall eine Verschlechterung der Lungenfunktion bevorstehen.» Auch hier rät die Expertin des ­Allergiezentrums von Haustieren ab.

Bei anderen Allergien spricht jedoch nichts gegen ein Haustier, auch wenn eine genetische ­Vorbelastung durch die Eltern bekannt ist. «Wer sichergehen möchte, sollte mit dem Hausarzt oder gleich einem Allergologen sprechen», rät de Zordo. «Verschiedene Abklärungen helfen, den gesundheitlichen Zustand einzuschätzen.»

«Nicht jede Vorbelastung bedeutet ein Nein zu einem Haustier.»

Sereina de Zordo, Expertin am Allergiezentrum Schweiz Aha

Bei Vorbelastungen empfiehlt das Allergiezentrum vor allem Tiere ohne Federn und Fell. Zwar gibt es zum Beispiel bei Hunden spezielle Züchtungen für Allergiker. «Eine Garantie, dass man solche Tiere beschwerdefrei halten kann, gibt es aber nicht», räumt de Zordo ein.

Für Allergiker am besten geeignet sind Tiere ohne Fell, also Reptilien und Fische. Echsen und Schlangen werden allerdings nicht empfohlen für Kinder. Verständlich, denn die wünschen sich am liebsten ein Tier zum ­Kuscheln. Aber auch bei den ­vermeintlich unbedenklichen Reptilien und Fischen lauert eine Allergiequelle – im Futter. So können getrocknete Weich- und Krustentiere oder Futterinsekten Allergene enthalten.

Vor Kauf zuerst testen

Allergiker sollten bei den ersten Kontakten mit einem Haustier ihre Medikamente in Reichweite haben. Denn ein Tier zu Hause verändert die Reizsituation und ist etwas anderes als die zufällige, kurze Begegnung mit Tieren beim Nachbarn oder unterwegs. Für eine Familie mit Kindern, in der bereits die Eltern vorbelastet sind, empfiehlt sich ein Versuch: Sie übernimmt zum Beispiel die Tiere einer befreundeten Familie in Ferienbetreuung. Ein solcher Probegalopp hilft nicht nur, die Verträglichkeit zu testen, sondern zeigt Kindern auch auf, welche Arbeiten und welche Verantwortung mit einem Tier verbunden sind.

Unter allen Fell tragenden Tieren stellen Katzen das grösste Allergierisiko dar. Das liegt an einem speziellen Protein, das sie absondern. Ist jemand auf Katzen allergisch, sind sie keine Option. «Ob sich ein anderes Felltier eignet, muss man mit einem Allergologen besprechen», sagt Fachfrau de Zordo. Oder, eine noch sicherere Option: ein Tier wählen, das in einem Aussengehege gehalten werden kann wie zum Beispiel Kaninchen oder bestimmte Hunderassen.

Eingeschlichenes Leiden

Doch was tun, wenn das Haustier bereits zur Familie gehört und die Allergie später auftritt? Vor dieser Situation stand vor dreieinhalb Jahren Hanny Hunziker. Von klein auf kennt die heutige Rentnerin aus Kriens LU Heuschnupfen, hatte aber nie andere allergische Probleme. Die grosse Veränderung brachte erst der Biss einer Rossbremse. «Es gab eine Wunde, die nicht heilen wollte», erinnert sich die Luzernerin.

Verschiedene Tests beim Arzt endeten beunruhigend: «Der Hautarzt diagnostizierte eine Tierallergie. Das war ein Schock, hatte ich doch zu jener Zeit zwei Hunde zu Hause.» Die Luzernerin hielt einen Mops und einen grossen Sennenhund. Bis dahin hatte sie keine Probleme gehabt, nur musste sie etwas häufiger niesen. Ein Symptom, das sie sich mit ihrem bekannten Heuschnupfen erklärt hatte, bekam nun eine neue Dimension. «Der Hautarzt sprach sich prompt gegen die Hunde aus, was mich sehr bedrückte», sagt Hunziker. Ihr Hausarzt, selber Hunde­halter, habe sie aber ermutigt, es trotzdem mit der Hunde­haltung zu versuchen, aber mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.

Hund ist nicht gleich Hund

Kurz nach der Diagnose verstärkten sich zunächst die Symptome bei Hanny Hunziker. Sie beobachtete sich ab dann genau und fand heraus, dass sie auf ihre Hunde unterschiedlich reagierte: Während ihr Sennenhund kaum Symptome machte, löste der Mops sogar einen allergischen Schock aus.

Also musste sie schweren Herzens für ihn ein neues Zuhause suchen. Das zweite Tier, Sennenhund Miro, wollte sie aber nicht auch noch abgeben. Hanny Hunziker entwickelte eine Routine, mit der sie inzwischen fast beschwerdefrei lebt: Ihre Nasenschleimhäute fettet sie zum Schutz regelmässig ein, für die Augen benutzt sie künstliche Tränenflüssigkeit. Und: Die Hundepflege findet grundsätzlich draussen statt. Allergiemedikamente muss sie, wie früher, nur noch gegen ihren Heuschnupfen nehmen.

«Mit der Verantwortung für kleine Kinder hätte ich vielleicht anders entschieden», gibt die Rentnerin zu. Vor allem weil die Phase des Ausprobierens weit über ein Jahr gedauert habe. «Für mich persönlich aber war es die richtige Entscheidung. Das bin ich Miro schuldig. Er ist schliesslich ein altes Tier, das ich schon sein Leben lang kenne.»

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