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Wenn plötzlich Porno-Filmchen auf dem Handy landen

Kinder und Jugendliche nutzen neue Technologien oft schneller und raffinierter als Erwachsene. Das zeigt sich am Beispiel von Bluetooth.

Als die 42-jährige Paula Wehrli* eines Abends auf ihr Handy schaute, staunte sie nicht schlecht. Die neue, unbekannte Datei auf dem Bildschirm entpuppte sich als pornografisches Filmchen. Wehrli hatte keine Ahnung, wie dieses auf ihr Gerät ge­kommen war. Sie löschte es hastig und durchsuchte ihr Telefon, ob sie nicht noch andere, ähnliche Filme entdecke.

Die Erklärung für den unangenehmen Fund ist banal und heisst Bluetooth. Diese Technik erlaubt es, Daten drahtlos von Handy zu Handy zu transferieren. Stellt man die Bluetooth-Funktion auf «sicht­bar » und «alle empfangen», können Handynutzer im näheren Umkreis belie­bige Dateien auf das betreffende Gerät schicken. Ohne die Zustimmung des Empfängers zu benötigen. So kommt es vor, dass Jugendliche unwissenden Er­wachsenen aus Spass Filme oder Fotos auf das Natel laden. Vor allem im Tram bleibt dazu genü­gend Zeit. An diesem Beispiel zeigt sich laut Rolf Nä­geli, dem Leiter des Kin­derschutzes der Stadtpo­lizei, ein allgemeines Phä­nomen: «Kinder und Ju­gendliche nutzen techni­sche Entwicklungen opti­mal. Sie passen sich viel schneller an als Erwach­sene, die von neuen Gerä­ten oft überfordert sind.» Das führt dazu, dass die ältere Generation oft Mühe hat, zu verstehen, was Kinder mit ihren Geräten alles anstellen.

Zwar kommen solche Bluetooth-Atta­cken gemäss Nägeli selten vor. Bei der Stadtpolizei seien aber schon Anzeigen im Zusammenhang mit Bluetooth eingegan­gen. Diese hätten jedoch immer das ab­sichtliche Tauschen illegaler Inhalte be­troffen. «Auf dem Pausen­hof werden Filme vor al­lem über Bluetooth ausge­tauscht », erklärt Nägeli. Wer naiv und mit offe­nem Bluetooth durch die Stadt fährt, riskiert im Ex­tremfall jedoch weit mehr als Paula Wehrli. Mit Pro­grammen, die auf dem In­ternet bereit stehen, kann jedermann fremde Natels durchsuchen und sogar über sie telefonieren. Auch die Werbung hat die Blau­äugigkeit der Handynut­zer entdeckt: In Deutsch­land etwa gibt es Plakat­wände, die mittels Blue­tooth ihre Botschaften verschicken.

Dabei ist es ganz einfach, sich gegen Bluetooth-Eingriffe zu schützen: Man stellt sein Gerät auf «unsichtbar» oder de­aktiviert die Funktion ganz. «Das wissen viele Handynutzer jedoch nicht», sagt Nä­geli. Vor allem Geschäftsleute hätten ihr Bluetooth immer eingeschaltet, weil sie die Funktion für ihr Headset oder das Na­vigationsgerät benötigen. Wer die Probe aufs Exempel machen will, setzt sich am besten in ein SBB-Abteil erster Klasse, in dem sich viele Geschäftsreisende aufhal­ten. Hier entdeckt man mit Sicherheit ei­nige offene Geräte.

Drahtlosnetzwerk als neues Problem

Und der Fortschritt geht weiter. Als kommendes Problem sieht Rolf Nägeli die wachsende Anzahl unverschlüsselter WLAN-Netzwerke, die in Städten zur Ver­fügung stehen. Wer über ein solches frem­des Netzwerk im Internet surft, wird dabei nicht registriert. Und kann deshalb illegale Daten unerkannt hinunterladen. «Dank den neusten Geräten wie dem I-Phone ist das jetzt sogar problemlos mit dem Handy möglich», sagt Nägeli. *Name geändert

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