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Was unterscheidet Doping von Drogen und Medikamenten?

Mit dem zunehmenden Leistungsdruck droht die Work-Life-Balance aus den Fugen zu geraten. Neuroenhancer sollen helfen, der Intensivierung der Arbeit eine Intensivierung des Lebens gegenüber zu stellen.

Peter Schneider

Grundsätzlich stellt sich mir die Frage, ob die Entwicklung der Gesellschaft und der Wirtschaft immer mehr Menschen dazu zwingt, sich biochemischer Hilfsmittel zu bedienen, um den (immer stressigeren) Alltag zu bewältigen. Sehen Sie das Problem dieser Entwicklung in den einzelnen Individuen, die sich dem Druck dieser «Leistungsmaschinerie» beugen, oder ist es mehr ein gesellschaftliches Problem? Im Sport ist Doping relativ klar definiert (leistungsfördernde Substanzen). Im Alltag scheint dies weniger klar zu sein. Vielleicht müsste man Doping hier weiter fassen: als biochemische Mittel, die es den Menschen ermöglichen, im Alltag zu bestehen. Wie grenzen wir dann Doping von Drogen oder Medikamenten ab? R.W.

Lieber Herr W. Vielleicht müssen wir der Tatsache ins Auge schauen – here’s looking at you, fact –, dass man diese Abgrenzungen gar nicht machen kann. Dass es vielleicht ergiebiger ist, den jeweiligen Gebrauch von unterschiedlichen Substanzen verschieden zu betrachten, statt diese bloss in Raster wie verboten/erlaubt, medizinisch indiziert/Lifestyle, gesund/ungesund, Droge/Medikament etc. einzusortieren. In seinen 1821 erschienenen «Bekenntnissen eines Opiumessers» erzählt Thomas de Quincey von den Arbeitern in den Baumwollfabriken Manchesters, die sich nach der Arbeit in den Apotheken mit Opium versorgten – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich den teureren Alkohol nicht leisten konnten. Opium diente hier als Entspannungsdroge, die den Arbeitern half, sich nach einem bis zu 14-stündigen Arbeitstag von ihren Strapazen zu erholen.

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