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Wäre eine Welt ohne Geld möglich?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Das macht Geld besonders: Es repräsentiert nichts anderes als Wert.
Das macht Geld besonders: Es repräsentiert nichts anderes als Wert.

Leider nein. Nehmen wir an, wir wären Gott und es wäre uns möglich, alles Geld der Welt auf einen Schlag verschwinden zu lassen. Was wäre die Konsequenz? Ohne Geld ist der Austausch von Gütern und Diensten mit einem gigantischen Aufwand verbunden. Will ich ohne Geld von einer anderen Person etwas eintauschen, muss ich dieser Person im Gegenzug etwas bieten, das für sie gleichwertig ist. Wenn ihr aber nichts von mir passt, muss ich erst jemanden suchen, der über das von meinem Handelspartner Gewünschte verfügt und es gegen etwas in meinem Besitz einzutauschen bereit ist. Unsere hoch arbeitsteilige Welt, in der in jedes Produkt Vorprodukte und die Leistung einer sehr grossen Zahl von Leuten aus vielen Ländern eingeht, wäre unter diesen Umständen nicht mehr funktionsfähig.

Das macht Geld besonders: Es repräsentiert nichts anderes als Wert. Und dieser Wert entspricht den Gütern und Leistungen, die damit erworben werden können. Weil es sich gegen die meisten Güter und Leistungen direkt tauschen lässt, ist Geld auch ein Massstab und Aufbewahrungsmittel von reinem Wert.

Umgekehrt formuliert: Nur solange etwas als reines Wertmittel akzeptiert wird, dient es als Geld. Wenn die Leute ihm nicht mehr trauen und es nicht mehr akzeptieren – etwa bei einer gigantischen Inflation –, dann verliert es seine Funktion als Geld. Wenn das geschieht oder wir tatsächlich alles bestehende Geld abschaffen würden, dann würde sogleich etwas anderes als Geld dienen. Die Geschichte zeigt, wie schon Zigaretten, Felle oder Steine als Geld verwendet wurden – als allgemeine Tauschmittel. Besonders geeignet waren aber Edelmetalle wie Silber und Gold, weil sie sich nicht künstlich erschaffen lassen, weil sich deren Menge weniger als andere Güter manipulieren lässt und weil sie nicht verderben. Modernes Buch- und Papiergeld dagegen verdankt seine Funktion nur noch dem Vertrauen darauf, dass die Notenbanken seinen Wert stabil halten.

Ökonomisch wären wir ohne Geld sehr viel schlechter dran. Aber wären wir wenigstens glücklichere Menschen? Auch hier fällt die Antwort negativ aus; die Abschaffung des schnöden Mammons würde die Welt nicht zu einem besseren Ort machen, sondern wohl Vetternwirtschaft begünstigen. Zumal unser Streben nach Macht und Reichtum und die Angst vor Armut und Abstieg nichts mit dem Geld selbst zu tun haben. Das Geld steht nur für alle die Dinge, die wir anstreben oder zu verlieren fürchten. Weil es diese abstrakt und generell repräsentiert, geben wir ihm eine solche Bedeutung.

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