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Viele Senioren verheimlichen die Sucht

In der Altersgruppe der über 65-Jährigen nimmt die Suchtgefährdung zu – bei Alkohol, aber auch bei Medikamenten. Meist ist es eine stille Sucht, die kaum auffällt, doch einschneidende gesundheitliche Folgen hat.

Gefährlicher Genuss: Die Wirkung von Alkohol verstärkt sich mit zunehmendem Alter.
Gefährlicher Genuss: Die Wirkung von Alkohol verstärkt sich mit zunehmendem Alter.
Fotolia

Der Alkohol war der treuste Begleiter in seinem Leben, sagt Andreas Müller (Name von der Red. geändert). Der 65-Jährige schaffte den Ausstieg aus der Sucht – nach mehreren Anläufen. «Das erste Mal war ich während der Lehre sturzbetrunken», erinnert er sich. Danach arbeitete er in der Werbeabteilung eines grossen Verlags. In diesem Umfeld gehörte Alkohol zum Alltag: hier ein Cüpli, dort ein Gläschen Wein. Er war ein Rauschtrinker, die Sauftouren fanden ein- bis zweimal in der Woche statt. Als ihm mit 54 bei einer Polizeikontrolle zum dritten Mal der Fahrausweis entzogen wurde, habe er erstmals gedacht: «Jetzt gehts ans Lebendige, so kann es nicht weitergehen.» Danach blieb er für 7 Jahre trocken, begleitet von einem Therapeuten. Doch dann habe er die Seile, die ihn hielten, wieder gleiten lassen, erzählt er. An einer Geburtstagsfeier trank er mit – und war sofort wieder in der Abhängigkeit drin. Im Unterschied zu früher trank er jetzt manchmal schon um 11 Uhr morgens das erste Glas, fast täglich und immer auswärts. «Es war völlig falsch, zu glauben, dass es mit weniger und dafür häufigerem Trinken geht», bemerkt er heute. «Längst brauchte ich den Alkohol und konnte nicht mehr ohne sein.» Gegen eine Million Franken habe er in seinem Leben vertrunken.

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