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«To Meghan Markle» ist jetzt ein Verb

Was es bedeutet, wie es richtig benützt wird und mit welchem anderen Promi-Verb es nicht verwechselt werden darf.

Aleksandra Hiltmann
Sie ist Namensgeberin eines neuen Verbs für mehr Selbstliebe.
Sie ist Namensgeberin eines neuen Verbs für mehr Selbstliebe.
Reuters

Meghan Markles Abgang aus dem engen Korsett des Königshauses wurde von vielen gefeiert. Ein Twitter-User machte das Ereignis zum Verb, «to Meghan Markle». Es bedeutet:

«dich selbst und deine geistige Gesundheit genügend wertzuschätzen, um einen Raum/eine Situation/eine Umgebung zu verlassen, wenn dein authentisches Selbst nicht willkommen oder erwünscht ist».

Daraufhin erschien im «Guardian» ein hilfreicher Artikel, wie das Verb am besten zu gebrauchen ist, etwa wenn man sich an einer Party aus Selbstliebe nicht sinnlos betrinken möchte, wenn man eine ungesunde Beziehung verlässt oder den Job kündigt. Übersetzt ins Deutsche heisst das:

«Letzte Nacht habe ich meinen Ex total ge-Meghan Markled und ihm auf keine seiner Nachrichten geantwortet.»

«Ich überlege mir, zu Meghan Marklen: Man hat mir in den letzten zwei Jahren keine Erhaltserhöhung gegeben, und ich hätte bessere Möglichkeiten, als Influencer auf Instagram zu arbeiten, als in einer liebesleeren Arbeitsehe zu bleiben.»

Doch mit dem Aufkommen des vermeintlich neuen Verbs stellte sich schnell heraus, dass es bereits vor dem «Mexit» kursierte, allerdings mit einer ganz anderen Bedeutung.

Der Urban Dictionary schrieb im Herbst 2018:

«jemanden zu ghosten oder loszuwerden, sobald du keinen Nutzen oder Profit mehr von ihm hast, die echte zwischenmenschliche Beziehung ignorierend». Auch hier gibt es Beispiele:

«Meghan Markle mich nicht, wenn dein neuer Film rauskommt.»

«Sie Meghan Marklete ihre Schwester aus der Bronx.»

«Sie Meghan Marklete ihre Freunde, als sie berühmt wurde.»

Ob die echte Meghan Markle das mit ihren Freunden tatsächlich gemacht hat, ist nicht erwiesen. Eher, dass viele Leute Gefallen an der neuen Bedeutung des Verbs finden: sich um seine geistige Gesundheit zu sorgen und, wenn nötig, die richtige Entscheidung zu treffen, nämlich zu gehen, einen Neuanfang zu wagen.

Merkeln

Ganz im Gegensatz zu dezidierten Entscheidungen und starken Meinungen steht das Verb «merkeln», abgeleitet aus dem Verhalten der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Um 2015 fand das Verb seinen Weg in die Jugendsprache, war gar eines der beliebtesten Slang-Wörter, vorgeschlagen fürs Jugendwort des Jahres.

«Merkeln» bedeutet, unentschlossen zu sein und zu langsam auf Ereignisse zu reagieren, und kann, laut dem Portal «Bedeutung Online», mit folgenden Ausdrücken übersetzt werden: aussitzen, nichts tun, abwarten, keine Äusserung von sich geben, keine Entscheidung treffen. Hätte Meghan also gemerkelt, würde sie noch heute im Palast sitzen.

Beide Verben, Meghan Marklen und merkeln, sind jedoch kein neues Phänomen. Wörter – Nomen oder Verben –, die auf dem Namen einer Person basieren oder daraus abgeleitet werden, heissen Eponyme. Ein früheres Beispiel ist etwa der Cardigan. Die mit Knöpfen besetzte Strickjacke ist benannt nach General James Brudenell, dem siebten Earl of Cardigan. Der wohlhabende Brite stattete sein Regiment im Krimkrieg 1854 mit edlen Uniformen aus, unter anderem mit gestrickten Wollwesten. Sein Heldenstatus verhalf dem Kleidungsstück zu seiner Beliebtheit.

Weitere Nomen, die sich ebenfalls aus Namen ableiten oder quasi direkt übernommen wurden, sind etwa Alzheimer, Adidas, Darwinismus, Bachblüten, Bernhardiner, Disneyland, Harz IV, Duden, Diesel, Sachertorte.

Ein Nomen und ein Verb kann – oder eher muss – Charles Cunningham Boycott für sich verbuchen. Der irische Gutsverwalter machte sich um 1880 unbeliebt, weil er unanständige Mieten verlangte und Leute vertrieb. Seine Mieter weigerten sich daraufhin, zur Ernte anzutreten, Verkäufer weigerten sich, Boycott in ihren Geschäften zu bedienen. Im Deutschen wurde das Verb erst als «boykotten» übernommen, erst danach, um 1900, wurde es zu« boykottieren».

Vielleicht hätte Meghan den Palast boykottiert, wenn sie ihn nicht ge-Meghan Marklet hätte.

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