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Singlefrust zum Valentinstag? Vier Vor- und Nachteile des Singlelebens

Händchenhalten im Kerzenschein, Rosenblüten im Badewasser: Die überzuckerte Romantik des Valentinstages nervt wohl viele Singles. Doch ein Forscher sagt: So traurig müssen sie gar nicht sein.

Nicht alle sind am Valentinstag so glücklich: Rahel und Adrian aus Bern küssen sich am Valentinstag auf dem Bundesplatz in Bern. (14.02.2002)
Nicht alle sind am Valentinstag so glücklich: Rahel und Adrian aus Bern küssen sich am Valentinstag auf dem Bundesplatz in Bern. (14.02.2002)
Edi Engeler, Keystone

Der Valentinstag ist der Tag der Verliebten. Und ein Trauertag für Singles? Der deutsche Soziologe Stefan Hradil beschäftigt sich seit Jahren mit ihnen. Er sagt: Es gibt viele Vorurteile über Singles – nicht alle stimmen.

Das Positive

1.«Singles leben oft bewusster. Sie denken mehr über sich nach als jemand, der aus gesellschaftlicher Sicht im Gleis fährt. Sie fragen sich: Wie ist das eigentlich passiert? Und was will ich? In einer Gesellschaft, die ständig wechselnde Anforderungen stellt, ist das ein Vorteil.»

2. «Viele Singles richten sich wenn möglich äusserst geschmackvoll ein. Das hängt in gewisser Weise mit der gesellschaftlichen Begründungspflicht zusammen: Seht her, ich kann es auch alleine. Übrigens: Singles haben häufig riesige Esszimmertische und Besteck für 24 Personen. In der Literatur wird das die ‹fiktive Familie› genannt.»

3.«Singles haben überdurchschnittlich viele Bekannte und Netzwerke – mehr als Verheiratete. Sie sind überrepräsentiert in Hilfsorganisationen. Diese Kontakte sind für sie sehr wichtig. Sie sind nicht isoliert.»

4. «Viele Singles haben eine hohe berufliche Qualifikation – und sind mit ihrem Beruf verheiratet, wie man so sagt. Für die Wirtschaft sind Singles zudem sehr attraktive Kunden: Sie kaufen tendenziell hochwertige Güter.»

Das Negative

1. «Im Schnitt sind Singles etwas häufiger einsam als der Durchschnitt der Bevölkerung. Aber wie wir Soziologen sagen: Die Streuung ist sehr gross. Es gibt jede Menge Singles, die ganz und gar nicht einsam sind. Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl.»

2. «Viele Singles fragen sich, wer sich um sie im Alter kümmert. Diese Frage belastet sie, weil sie das Gefühl haben, kein zukunftsfestes Modell zu leben.»

3. «Männer kommen mit dem Alleinleben schlechter klar als Frauen. Männer haben nicht gelernt, mit ihren Gefühlen wirklich umzugehen. Sie sind meist die weit schlechteren Netzwerker und haben in der Regel nicht gelernt, einen Einzelhaushalt souverän zu führen – bis heute.»

4. «Alleinleben ist nach wie vor gesellschaftlich erklärungsbedürftig. Schon im Begriff Single wird unterstellt, dass es nicht die übliche Lebensform ist.»

SDA/rsz

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