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Seid auf der Hut!

Er ist wieder da: der Hut. Aber Achtung! Die Kopfbedeckung ist mit Bedacht zu wählen: Nicht jeder Hut macht sich gut.

Wer Modebewusstsein demonstrieren will, der geht in diesen Tagen nicht ohne Kopfbedeckung aus dem Haus. Das hat diverse Vorteile, erstens verliert man über den Kopf am meisten Körperwärme, zweitens fällt man mit einem Hut unweigerlich auf – und kann sich so von der grossen Masse abheben.

Letzteres ist allerdings nicht mehr lange möglich, denn nachdem in den letzten Jahren immer mehr Hüte auf den Laufstegen und auf den Köpfen der Promis zu sehen waren, erobern sie langsam, aber sicher auch das Strassenbild – mit dem Effekt, das der eine oder andere Hut bereits wieder ein «no go» ist.

Hüte mit Geschichte

Leute, die nicht als Modeopfer gelten, sondern sich als Trendsetter positionieren wollen, sollten sich die Wahl ihrer Kopfbedeckung daher genau überlegen. Hüte können sehr peinlich sein – unter anderem weil sie eines der symbolträchtigsten Accessoires überhaupt sind. Lange war genau vorgeschrieben, wer welche Kopfbedeckung zu tragen hatte: der Adlige einen Federhut, der Handwerker eine Zipfelmütze und die Ehefrau eine Haube. Und noch zu Beginn des 20.Jahrhunderts war es für jeden Mann und viele Frauen selbstverständlich, nie ohne Hut aus dem Haus zu gehen. Mit der Erfindung des Automobils jedoch begann der Untergang des Hutes.

Mit ein Grund, warum Hüte gerade heute wieder Mode werden, denn Autofahren ist in gebildeten Kreisen nicht mehr chic. Oder vielleicht brauchte es einfach 60 Jahre, bis man vergass, dass die Kopfbedeckung eigentlich ein «alter Hut» ist und dass damit auch viele soziale Zwänge verbunden waren. Was man allerdings nicht vergessen sollte: welche Geschichte das jeweilige Modell hat. Nur so kann man den ausgewählten Hut mit entsprechender Überzeugung – oder allenfalls Ironie – tragen.

Vermeidbare Fauxpas

Wer Hut trägt, sollte auch den Knigge kennen – vor allem, um mit ihm zu brechen. Die Etikette erlaubt es Frauen, in geschlossenen Räumen den Hut aufzulassen. Wer allerdings mit Hut so heiss hat, dass er sämtliche Fenster im Büro aufreissen muss, sollte ihn dennoch abziehen. Denn damit macht man sich bei den Kollegen garantiert unbeliebt. Ausserdem sollten Frauen heute auf Gleichberechtigung pochen – auch wenn sie Nachteile wie eine deformierte Frisur mit sich bringt.

Mit der Mode ist es natürlich so eine Sache: Kaum ist sie da, ist sie auch schon wieder weg. Bei Hüten ist das besonders augenfällig, weil sie auf dem Haupt getragen immer ein Blickfang sind.

Mehr Mut zum anderen Hut

Wer unter den Avantgardisten sein möchte, kauft seine Kopfbedeckung nicht im Warenhaus oder bei der Billigkette, sondern schaut sich im Internet um oder besucht einen der wenigen noch existierenden Hutläden. Warum nicht mal eine Melone wie Charlie Chaplin, einen Zylinder wie Marlene Dietrich oder eine Baskenmütze wie Che Guevara? Einverstanden, diese Modelle brauchen richtig viel Mut. Dass man auf den Strassen aber bald mehr als das, was Pete Doherty, Justin Timberlake und Co. vorgeführt haben, sehen wird, beweist ein Blick an die New York Fashion Week. Dort laufen die Models bereits mit überdimensionalen Schlapphüten über den Laufsteg. Einzig der Cowboyhut dürfte noch länger auf sein Comeback warten: Die Freude daran hat uns George W.Bush verdorben.

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