Mit Fleisch gegen Fleischkonsum

Johnny Zukle will mit einem veganen Striplokal die tierlose Ernährung an den Mann bringen. Mit etwas hat der Unternehmer aber nicht gerechnet.

Sich ausziehen für einen guten Zweck: Eine Stripperin beim Poledance – im weltweit ersten veganen Stripclub Casa Diablo gibts Fleisch nur auf der Bühne.

Sich ausziehen für einen guten Zweck: Eine Stripperin beim Poledance – im weltweit ersten veganen Stripclub Casa Diablo gibts Fleisch nur auf der Bühne.

Nina Merli@nmerli

In Portland, Oregon, gibt es so viele Striplokale pro Einwohner wie in keiner anderen US-amerikanischen Stadt. Ebenso verhält es sich mit Veganern, Menschen, die sich komplett fleischlos ernähren. Kein Wunder also, dass der erste vegane Stripclub der Welt ausgerechnet in Portland entstanden ist: Im Casa Diablo gibt es Fleisch nur auf der Bühne.

Der Betreiber des Lokals, Johnny Diablo Zukle, ernährt sich selber seit bald dreissig Jahren ausschliesslich vegan. Das heisst, auf seinen Speiseplan kommt weder Fleisch noch Milch, noch Eier, noch sonst irgendetwas, das von Tieren stammt. Vor einigen Jahren eröffnete er sein erstes veganes Restaurant, das Pirate's Tavern – mitten in der Industrie- und Rotlichtzone Portlands. Doch die Gäste hätten seiner Meinung nach «nicht die Eier gehabt, veganes Essen auszuprobieren», zu hoch sei die Hemmschwelle gewesen, ein veganes Restaurant zu besuchen.

Vegane Burger für echte Kerle

Zukle entschied sich für eine Umstrukturierung: Unter dem Namen Casa Diablo eröffnete er ein Striplokal, wo ausschliesslich veganes Essen bestellt werden konnte. «Sein Club sei eine Marketingmassnahme, um Veganismus einem Publikum bekannt zu machen, das ansonsten nie darauf aufmerksam geworden wäre», sagt Zukle in einem Interview mit den Onlineportal Current.com und weist damit Vorwürfe, es gehe ihm nur ums Geld, von sich.

Jedes Mal, wenn ein Gast bei ihm einen Diablo Burger – übrigens der Kassenschlager in Zukles Lokal – bestelle, so bedeute dies, dass «irgendwo eine weitere Kreatur nicht gegessen wurde». Und darum gehe es ihm. Von seinen Tänzerinnen verlangt der Clubbesitzer kein Vegan-Bekenntnis, doch seien die meisten von ihnen ohnehin Vegetarierinnen, denn diese hätten sich bei der Stellenausschreibung zahlreich gemeldet. Im Lokal würden sie sich aber einzig vegan ernähren – etwas anderes gibt es im Casa Diablo sowieso nicht. Strikt ist die Regelung hingegen was die Outfits der Stripperinnen betrifft: keinerlei Leder oder Pelz.

Frauenrechtlerinnen wehren sich gegen Fleischbeschau

Das vegane Stripkonzept scheint aufzugehen, denn das Casa Diablo läuft gut. So gut, dass Zukle bald einen zweiten Ableger eröffnen will. Doch mit etwas hat Zukle allerdings nicht gerechnet: mit dem Widerstand der Frauenrechtlerinnen. Diese wehren sich gegen ein zweites Lokal. Gemeinsam mit der Bürgerorganisation SOS Oregon, die sich gezielt gegen die Zunahme von Striplokalen und die Verbreitung der Prostitution in Portland einsetzt, haben sie mit Transparenten vor dem bestehenden Casa Diablo protestiert. Zukle und seine Stripperinnen organisierten daraufhin eine Demonstration gegen die Demonstration und erinnerten daran, dass sich ihr Striplokal für die Rechte und den Schutz der Tiere einsetze – und dieser Einsatz dürfe nicht bekämpft werden.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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