Zum Hauptinhalt springen

Mit Adleraugen

Mit neuen Kontaktlinsen sieht unsere Redaktorin plötzlich alles gestochen scharf – auch jene Dinge, die sie eigentlich gar nicht so genau sehen will.

Am ersten Morgen im neuen Jahr entdeckte ich im Bad einen Zettel am Spiegel. Ich konnte das Geschriebene nicht ent­ziffern. Das lag nicht am Kater von der Silvesternacht. Ich hatte nur die Brille nicht auf. Ich holte sie, kehrte zurück und las dann auf dem Zettel: «Linsen». Hmm. Linsen zum Zmittag? Wieso ausgerechnet heute? Bis mein Blick auf die kleine Schachtel fiel. Richtig.

Am 31. Dezember war ich bei der Optikerin. «Damit sehen Sie wie ein Adler, 120 Prozent!», eröffnete sie mir und lachte schallend. Sie zeigte mir, wie die Linsen auf meine Augen zu schieben sind – ich fand das überhaupt nicht lustig. Genau dieses Fremdkörper-Ding gruselte mich schon immer, deshalb trug ich eine Brille. Und zwar seit Jahren dieselbe. Und nur, wenn es wirklich nötig war. Beim Autofahren oder bei Interviews, um gescheiter auszusehen. Den Rest der Zeit mogelte ich mich durch und ignorierte, dass ich eigentlich immer schlechter sah.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.