Mailen für Faule

Die «Inbox»-App von Google bietet auf eingehende Mails bald jeweils drei passende Antwortmöglichkeiten an. Das kann ja heiter werden.

Eine Mail, drei Antwortvorschläge: «Inbox» soll das Mailen bald erleichtern.

Eine Mail, drei Antwortvorschläge: «Inbox» soll das Mailen bald erleichtern.

Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Moderne Menschen haben oft folgendes Problem: Mails. Erstens müllen die einem immer so schnell den Posteingang voll, und zweitens hat man zum Antworten meist grad keine Zeit oder keine Inspiration oder man ist unterwegs. Und es gibt kaum etwas Mühsameres, als per Handytastatur eine Mail zu schreiben. Also verschiebt man das Antworten auf später. Aber bis dahin sind schon fünf weitere Mails in der Mailbox. Je länger man wartet, desto mühsamer oder peinlicher wird es. Dieses Problem will uns Google in Zukunft abnehmen dank einer neuen Funktion in der Mail-App «Inbox». Diese ist im App Store und bei Google Play schon heute verfügbar und stellt sich bei der Installation als «Die Inbox, die für Sie arbeitet» vor. Tatsächlich kann sie bereits verschiedene Dinge wie Termine vorschlagen oder Mails automatisch nach Kategorien büscheln wie Shopping-Bestätigungen, Reisen oder unerledigte Aufgaben.

Smart Reply ist kurz angebunden

Geradezu genial verspricht jedoch die neuste Funktion zu werden, die dieser Tage – leider vorerst nur in Englisch – verfügbar sein soll. Sie heisst Smart Reply und hat auf jede eingehende Mail-Nachricht sofort drei Antwortvorschläge parat. Das hat Bálint Miklós, Software-Ingenieur bei Google, im Gmail-Blog verkündet. Als Empfänger braucht man dann nur noch eine der drei anzuklicken und fertig. Man muss sich das wie früher vorstellen bei der Frage «Willst du mit mir gehen?», auf die es nur drei völlig logische Antwortmöglichkeiten gibt: «Ja», «Nein» und «Vielleicht».

Auch Smart Reply hält sich vorerst kurz und antwortet mit einem Wort oder maximal mit einem Satz. Längere Ausführungen schafft die Funktion bislang noch nicht, aber daran scheitern ja gelegentlich auch Menschen. Um möglichst drei optimale Antworten anbieten zu können, scannt Smart Reply automatisch den Inhalt der Mail nach brauchbaren Stichworten. Steht in der Mail etwas von einer Einladung, präsentiert die App als Antwortmöglichkeiten: «Ihr könnt auf uns zählen», «Wir sind dabei!» und «Sorry, wir schaffen es nicht». Oder wenn der Chef nach Unterlagen fragt, kann man mit «Hab ich nicht», «Ich schicke sie dir später» oder «Muss danach suchen» antworten.

«I love you» geht fast immer

Zu Beginn der Entwicklungsphase verhielt sich das System allerdings noch nicht ganz so, wie die Ingenieure es sich vorgestellt hatten, wie im Blognachzulesen ist. Einer der Prototypen spuckte auf Terminfragen jeweils Antwortmöglichkeiten mit nicht ganz so flexiblem Spielraum aus: «Wie wärs mit morgen?» «Wollen wir uns morgen treffen?» sowie «Ich schlage vor, wir treffen uns morgen».

Eine spätere Version schlug beinahe bei jeder Mail die Antwort «I love you» vor. Offenbar hatte Smart Reply festgestellt, dass Antworten wie «Danke», «Klingt gut» und «Ich liebe dich» total häufig sind, und wenn es mal nicht weiterwusste, entschied es sich offenbar, auf eine dieser Antworten zu setzen. Inzwischen aber soll die App so clever sein, dass sie aus über 20'000 Antworten die passendsten drei findet. Und sie soll ständig dazulernen und sich dem Mailschreiber anpassen.

Die Funktion nimmt einem das Denken ab

Das Potenzial von Smart Reply ist riesig, die Vorteile liegen laut Google-Ingenieur Miklós auf der Hand: «Für Mails, die nur eine kurze Antwort verlangen, kann es einem das Denken abnehmen und wertvolle Zeit sparen. Und für Mails, die etwas mehr Gedanken erfordern, kann es einem eine Starthilfe geben, um gleich antworten zu können.» Denken abnehmen klingt gut. Zwar dürfte beim automatisierten Antworten einiges an Persönlichkeit verloren gehen in der Mailkonversation, oder die knappen Antworten könnten für Schweizer Gemüter etwas gar direkt ausfallen, aber für Denk- und Mailfaule (oder für Mitmenschen von Denk- und Mailfaulen) dürfte Smart Reply ein Segen sein.

Genau wie für Entscheidungsfaule. Immerhin gibt es dank Smart Reply nur maximal drei Möglichkeiten, über die man sich den Kopf zerbrechen kann. Problematisch ist jedoch, wenn der Mailschreiber mehrere Dinge auf einmal wissen will, man aber nur mit einer Antwort auf alles antworten kann. Und was, wenn man mit keiner der Antworten zufrieden ist? Soll man dann besser gar nicht antworten? Oder die am wenigsten Unpassende wählen? Heiter dürfte es dafür werden, wenn man konsequent auf eine der Google-Antwortmöglichkeiten setzt und auf das persönliche Antworten verzichtet.

Auch in Beziehungen wird Smart Reply garantiert äusserst hilfreich sein, vor allem, wenn Mann seine Frau mal wieder nicht versteht – oder umgekehrt – und man keine Ahnung hat, wie man auf das Unverstandene reagieren soll. Smart Reply schränkt das Ganze zumindest auf drei Möglichkeiten ein. Und wenn man bei einer wichtigen Lebensfrage nicht weiterweiss, kann man sich einfach selber eine Mailfrage schicken und schauen, was Smart Reply dazu meint.

Was halten Sie von vorgefertigten Mail-Antworten? Wie antworten Sie auf Mails? Welche Universalantwort geht fast immer? Meinungen bitte unten eintragen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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