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Legalisierung brachte nicht mehr Abtreibungen

Auf 1000 Lebendgeburten kamen 132 Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2011. Insgesamt nahm die Zahl der Abtreibungen nicht zu, regional sind die Unterschiede jedoch gross.

Selbstbestimmt: Seit zehn Jahren ist ein induzierter Abort in der Schweiz straflos.
Selbstbestimmt: Seit zehn Jahren ist ein induzierter Abort in der Schweiz straflos.
Flickr / Thomas Pompernigg

Die Anzahl Schwangerschaftsabbrüche ist seit dem Jahr 2004 in etwa stabil geblieben. Im Jahr 2011 haben in der Schweiz rund 11'000 Frauen abgetrieben, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) heute mitteilte.

Vier Prozent oder rund 400 Abtreibungen betrafen Frauen, die ihren Wohnsitz im Ausland haben. Für die Schweizer Wohnbevölkerung hat das BFS folgende Abbruch-Rate errechnet: Pro 1000 Frauen zwischen 15 und 44 Jahren kam es 2011 zu 6,8 Abtreibungen. Und auf 1000 Lebendgeburten verzeichnete das BFS 132 induzierte Aborte.

Die Zahlen seien nahezu identisch mit jenen vom Vorjahr, schreibt das BFS. Seit 2004 liegt die Zahl der erfassten Schwangerschaftsabbrüche in der Schweiz jedes Jahr bei rund 11'000.

Ein Prozent unter 16 Jahre alt

Auch bei den Frauen zwischen 15 und 19 Jahren blieb die Rate der Abtreibungen im Vergleich zum Vorjahr stabil. Pro 1000 Jugendliche mit Wohnsitz in der Schweiz gab es im Jahr 2011 demnach 4,6 Schwangerschaftsabbrüche. Zählt man die Abbrüche der jungen Frauen mit Wohnsitz im Ausland dazu, steigt die Rate leicht auf 4,7 Abtreibungen pro 1000 Jugendliche.

Im Jahr 2004 hatte die Rate für Jugendliche bei rund 6 Abtreibungen gelegen. Wie in den Vorjahren war auch im Jahr 2011 nur ein Prozent der Frauen, die sich für eine Abtreibung entschieden, unter 16 Jahre alt.

Die Mehrheit der Frauen, im vergangenen Jahr 64 Prozent, brach ihre Schwangerschaft mit einem Medikament ab. Im Jahr 2004 hatten 49 Prozent diese Methode gewählt. Rund drei Viertel der Schwangerschaftsabbrüche fanden in den ersten acht Schwangerschafts-wochen statt, vier Prozent nach zwölf Wochen.

Überdurchschnittliche Raten im Tessin

In der Genferseeregion und im Tessin sind die Abtreibungsraten mit über zehn Abtreibungen pro 1000 Frauen überdurchschnittlich hoch. Die höchste Rate ermittelte das BFS 2011 im Kanton Genf, wo pro 1000 Frauen 14 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen wurden. Die niedrigsten Raten wurden in den Kantonen Appenzell Innerrhoden (1,3) und Uri (1,2) verzeichnet.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die in der Schweiz registrierte Rate der Schwangerschaftsabbrüche niedrig. In Frankreich etwa liegt sie bei den 15- bis 44-Jährigen bei 16,8 pro 1000 Frauen, in Italien bei 10,3 und in Deutschland bei 7,1.

Seit zehn Jahren straflos

Seit dem Jahr 2002 ist in der Schweiz ein Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen straflos, wenn die Schwangere eine Notlage geltend macht und einen Eingriff schriftlich verlangt. Zudem muss sie sich vom Arzt eingehend beraten lassen. Dann wird der Eingriff von der Grundversicherung finanziert. Die Stimmbevölkerung hatte die sogenannte Fristenregelung mit einem Ja-Stimmenanteil von 72 Prozent angenommen.

Eine im Juli 2011 eingereichte Volksinitiative aus christlich-konservativen Kreisen will nun, dass Abtreibungen künftig nicht mehr von der obligatorischen Krankenversicherung bezahlt werden. Damit soll die Zahl der Abtreibungen gesenkt werden. Der Bundesrat empfiehlt die Initiative zur Ablehnung.

SDA/omue

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