«Ja, ich bin eine Feministin. Punkt.»

«Hey, du bist ja mega gut – für eine Frau.» Die Berner Rapperin Steff la Cheffe spricht über zweifelhafte Komplimente und Feminismus allgemein im Hip-Hop.

«Es braucht auch die Männer»: Steff la Cheffe möchte Stereotypen in der Rollenverteilung abbauen.

«Wie ist es für dich als Frau im Hip-Hop?» Diese Frage hat Steff la Cheffe in ihrer Karriere schon oft gehört. Die Bernerin gehört seit 15 Jahren zur Szene - und möchte die Frage eigentlich nicht mehr beantworten müssen. Im Gespräch mit Keystone-SDA erklärt sie, warum sie es dennoch tut.

«Herr Dokter, Herr Dokter, i bruche äs Schnäbi zum Räppä u so wär's drum würkläch no gäbig.» So lautet eine Zeile auf dem ersten Album der Berner Rapperin Steff la Cheffe. 2010 ist es erschienen, seither ist viel Zeit vergangen. Steff la Cheffe, die eigentlich Stefanie Peter heisst, hat nach dem ersten Album «Bittersüessi Pille» zwei weitere veröffentlicht.

In diesem Frühling ist das von den Kritikern hochgelobte dritte Werk mit dem Titel «Härz Schritt Macherin» erschienen. Auch darin verhandelt sie Rollenbilder und die Beziehung zwischen den Geschlechtern. «Schon der Name ist sicher eine Anspielung auf das Gender-Thema», sagt Steff la Cheffe. Sie sitzt in einem Café im Berner Lorraine-Quartier und spricht über ihre Rolle als Frau in der Hip-Hop-Szene.

«Mega gut - für eine Frau»

«Als ich etwa vor 15 Jahren angefangen habe mit Beatbox und Rap, wurde ich einerseits wohlwollend aufgenommen. Die Leute staunten und freuten sich, dass eine Frau auf die Bühne stand.» Andererseits seien ihr oft zweifelhafte Komplimente gemacht worden: «Hey, du bist ja mega gut – für eine Frau.» Noch deftiger war die Aussage eines jungen Mannes, der ihr am Anfang ihrer Karriere offenbart habe, «Rap von Frauen kann ich grundsätzlich nicht ernst nehmen».

Und über ihr Aussehen sei viel mehr gesprochen worden, als über das von männlichen Kollegen. Wenn sie ein Kapuzenpullover und Trainerhosen getragen habe, hiess es: «Willst du dich nicht weiblicher anziehen?» Als sie dagegen einmal an den Swiss-Music-Awards-Verleihung ein Kleid und Pumps trug, schrieb ein Blogger, das sei eine Enttäuschung.

Sie sei doch ein Vorbild und setze sich für Emanzipation ein, ob das wirklich das richtige Outfit sei. «Sorry, aber der hat genau nichts von Emanzipation verstanden», sagt die 31-Jährige, und es scheint sie noch heute zu ärgern. «Es geht doch genau darum, dass man den Leuten und eben den Frauen nicht vorschreiben soll, was sie zu tun haben. Das Ziel der Emanzipation ist doch gerade die Befreiung der Menschen, fernab von an Rollenbilder gebundene Erwartungen.»

«Es gibt noch einiges zu sagen»

Genau deshalb wünscht sie sich eigentlich, dass man mit ihr über ihre Musik spricht, statt über ihr Geschlecht. «Nach 15 Jahren in der Szene sollte das doch endlich gegessen sein», findet sie. «Aber wenn ich 2018 in einem Hip-Hop-Magazin lese, dass man rappende Frauen einfach nicht ernst nehmen könne, denke ich, dass es doch noch einiges zu sagen gibt.»

Sie wolle aber nicht, dass man immer nur den Rap und die Hip-Hop-Szene anprangere. «Klar gibt es im Hip-Hop diese Macho-Typen, die Frauen dominieren und sie als Objekte hinstellen.» Der Hip-Hop sei aber einfach «eine von vielen Bühnen unserer Gesellschaft und damit ein Ausdruck für eine Denkart, die in unseren Köpfen tief verwurzelt ist».

Deshalb müssten «wir als Gesellschaft daran arbeiten, dass sich die stereotypen Rollenbilder abbauen». Und das könnten die Frauen nicht allein, «es braucht auch die Männer».

Theater als Ventil

Genau aus diesem Grund hat sich Steff la Cheffe sehr gefreut, als vor einiger Zeit ein junger Mann sie fragte, ob sie mit ihm ein Theaterstück zur Rollenverteilung und Gleichberechtigung der Geschlechter schreiben wolle. Daraus ist das Stück «Alice» entstanden, das letztes Jahr an verschiedenen Theatern der Schweiz gespielt wurde.

«Die Arbeit daran war wie ein Ventil. Ich konnte aufschreiben, was mich schon lange beschäftigt und mich immer wieder geärgert hat. Jetzt fühle ich mich viel besser. Und heute nerve ich mich nicht mehr so, wenn ich mit Themen dieser Art konfrontiert werde.» Zudem glaube sie, dass sie eine bestimmte Verantwortung habe, da ihr als Künstlerin eine Plattform geboten werde, die sie für genau solche Anliegen nützen wolle. «Heute würde ich mich sogar als Feministin bezeichnen.»

Vor fünf Jahren wäre sie davor noch zurückgeschreckt. «Weil ich nicht in diese Ecke gedrängt werden wollte. Zwischen 20 und 25 ist einem noch sehr wichtig, wo man sich verortet und was andere über einen denken», sagt sie. Das sei aber sekundär. Heute wisse sie, «ich muss einfach meinen Film fahren und dazu stehen, was ich denke». (mb/sda)

mb/sda

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