Zum Hauptinhalt springen

Italien bekommt ein neues Vaterunser – wir nicht

Das berühmteste Gebet der Christen wird geändert: Gott soll nicht mehr in Versuchung führen. Der Deutschschweiz geht das zu weit.

«Keine gute Übersetzung»: Papst Franziskus hat die Debatte 2017 angestossen. Foto: AP
«Keine gute Übersetzung»: Papst Franziskus hat die Debatte 2017 angestossen. Foto: AP

Italiens Katholiken bekommen ein neues Vaterunser. Die Bitte «Führe uns nicht in Versuchung» lautet in der offiziellen italienischen Fassung künftig «Überlasse uns nicht der Versuchung». Der Theologe und Erzbischof Bruno Forte sagte der Internetseite «Vatican News», dass Gott «uns irgendwie eine Falle stellt», sei «eine absolut nicht hinnehmbare Vorstellung». Ein entsprechend geändertes Messbuch soll laut Forte nach Ostern erscheinen. Mit Beginn des neuen Kirchenjahrs am 1. Advent tritt die Neuerung in Kraft, also am 29. November.

Forte sagte, den Gläubigen sollte die Umstellung keine grossen Probleme bereiten. Die veränderte Übersetzung solle helfen, das Vaterunser «bewusster zu beten und näher an dem, was die Intention Jesu war», so der Erzbischof von Chieti-Vasto, der mehrere Jahre Mitglied der Internationalen Theologenkommission im Vatikan war.

Zwei Gebetsvarianten in der Schweiz

In Frankreich beten die Gläubigen das Vaterunser bereits seit Anfang Dezember 2017 in der geänderten Fassung, die Kirchen in der französischsprachigen Schweiz haben am Ostersonntag 2018 die neue Übersetzung des Gebets eingeführt. Die Bischöfe im deutschsprachigen Raum, also auch der Deutschschweiz, sehen indessen bis heute keinen Änderungsbedarf. Es wird wie bisher gebetet.

Angestossen hat die Diskussion Papst Franziskus im Dezember 2017. Die – im Italienischen und im Deutschen ähnlich übersetzte – Bitte «Und führe uns nicht in Versuchung» sei «keine gute Übersetzung», sagte das katholische Kirchenoberhaupt dem italienischen Sender TV2000 damals. Es sei nicht Gott, sondern Satan, der den Menschen in Versuchung führe. Ein Vater mache so etwas nicht, so Franziskus, sondern er helfe, wieder aufzustehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch