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Ist es zu Hause anstrengender als im Job?

Väter, die 100 Prozent arbeiten, sind zufriedener als andere – der Befund des Soziologen Martin Schröder deckt sich mit früheren Studien. In Umfragen gibt die grosse Mehrheit der Väter zwar an, Teilzeit zu bevorzugen. Wenn aber ein Arbeitgeber entsprechende Möglich­keiten schafft, verzichten die meisten. Laut einer Befragung von Politgeograf Michael Hermann arbeiten 87 Prozent der Schweizer Väter Vollzeit – Männer ohne Kind tun das seltener. Den Vätern sei die Familie nicht unwichtig. Aber sei der Nachwuchs mal da, setzten viele ihre Prioritäten anders.

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen lieferte unlängst die Ausstellung «The Happy Show» im Museum für Gestaltung. Sie ergründete unser Glücksempfinden und rührte dabei ein Tabu an: Kinder grosszuziehen, ist anstrengender und weniger beglückend, als sich viele Eltern eingestehen. Im Büro ist Bestätigung vergleichsweise einfacher zu erlangen. Ausstellungsmacher Stefan Sagmeister berief sich auf den Harvard-Psychologen Daniel Gilbert, dem zufolge wir Mühe haben, unser Glück rückblickend oder vorausschauend realistisch einzuschätzen. Viele Eltern bezeichnen Kinder als «grösste Quelle der Freude in ihrem Leben». Wenn aber berufstätige Frauen über längere Zeit immer wieder festhalten, was sie gerade tun und wie sie sich dabei fühlen, schliesst Sex am besten ab, gefolgt vom Kontakt mit Freunden. Ein Kind zu bekommen, rangiert weit unten, nahe beim Toilettenputzen.

Eine ebenfalls auf Gilbert zurückgehende Glückskurve von verheirateten Paaren weist nach der Geburt des ersten Kindes eine eindrückliche Delle auf, die erst überwunden ist, wenn das letzte Kind den Haushalt verlassen hat. Diese Darstellung hat in der Ausstellung Kon­troversen ausgelöst. Die Bandbreite reichte von «Endlich sagt es jemand» bis zur Ablehnung der Resultate. (hub)

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