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Im höchsten Slum der Erde

Er war das Prestigeprojekt eines Bankers und wurde zum Schandfleck von Caracas: Der Torre de David. Heute beherbergt die Hochhausruine über 2000 Menschen. Ein Kamerateam durfte im Innern des Turms filmen.

Auf manchen Etagen erinnern in falbes Licht getünchte Korridore an die unbehagliche Atmosphäre eines verlassenen Spitaltrakts. Auf anderen rufen nackter Beton und brachliegende Gerippe der Turmkonstruktion postapokalyptische Orte made in Hollywood hervor. Der Torre de David, der Turm des David, in Caracas ist ein unwirtlicher Ort. Der Torre de David ist aber auch Heim für mehr als 2500 Menschen.

Die Hochhausruine im Herzen der venezolanischen Hauptstadt wird auch als höchster Slum der Erde bezeichnet. Dem Kamerateam von Vocativ.com gelang es, spektakuläre Aufnahmen aus dem Innern des Gebäudes zu liefern.

«Symbol einer gescheiterten Stadt»

45 Stockwerke ragt der Torre de David in den Himmel über Caracas. Sein Namensgeber war David Brillembourg. Der Banker wurde in den 1970ern durch den venezolanischen Ölboom reich. 1990 gab er den Bau des Hochhauskomplexes im Zentrum von Caracas in Auftrag. Brillembourgs Ziel: die Errichtung einer venezolanischen Wallstreet.

Noch während der Bauzeit starb der Banker 1993. Ein Jahr später brach Venezuelas Bankenkrise seinem Prestigeprojekt das Genick. Nur zu 60 Prozent fertiggestellt, wurde der Torre de David zum Schandfleck Caracas’. Unter der Führung eines ehemaligen Bandenmitgliedes wurde der Torre de David 2007 schliesslich besetzt.

Seither ist er Heim für Obdachlose, Einwanderer und sonstige Wohnungssuchende. Jon Lee Anderson bezeichnete den Torre de David in einem Artikel für «The New Yorker» als «Symbol einer gescheiterten Stadt». Caracas stieg in den letzten 20 Jahren von einer der attraktivsten Städte der Region zu einer Metropole mit einer rekordhohen Mordrate ab. Die venezolanische Presse nennt die Hochhausruine gerne als Tatort von allerlei Verbrechen. Ob zu Recht oder nicht, darüber scheiden sich die Geister in Caracas.

Mit dem Töfftaxi in die zehnte Etage

Die Mini-Reportage von Vocativ.com hingegen zeigt Turmbewohner, die sich zur einfallsreichen Community zusammengetan haben. Da das Hochhaus über keine Lifte verfügt, bringen Töfftaxis – sogenannten Mototaxi – die Anwohner über die Parkgarage auf die Höhe der zehnten Etage. Von da an heisst es Treppensteigen.

Manche Bewohner haben in der Turmruine ansehnliche Wohnungen aufgebaut. Dank eines Geldtopfes, in den die Menschen einzahlen, verfügt der Torre de David sogar über eine Strom- und Wasserversorgung. Nicolas Alvarez und seine Freundin zogen erst kürzlich in den Turm. Sie sind dankbar für die günstige Miete. Und in die Wohnung müssten sie einfach ein bisschen Arbeit stecken.

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