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Im bunten Blätterwald

Langsam zieht der Herbst im Garten ein. Viele Gärtner erfreuen sich an ihren herbstfärbenden Pflanzen. Und manche fragen sich: Was tun mit all dem gefallenen Laub?

Das zusammengerechte Laub kann im Gartenbeet als Schutz vor Nährstoffauswaschung im Winter verteilt werden. Foto: Getty Images
Das zusammengerechte Laub kann im Gartenbeet als Schutz vor Nährstoffauswaschung im Winter verteilt werden. Foto: Getty Images

Wer genau hinschaut, erkennt an den Bäumen bereits eine gewisse Sommermüdigkeit. Die Blätter scheinen nicht mehr so leuchtend und frisch grün wie noch vor zwei, drei Wochen. Dieses Jahr konnten respektive mussten Naturliebhaber und Gärtner aufgrund der grossen Trockenheit manchenorts – insbesondere bei Buchen – schon im Juli einen vorzeitigen Blattfall beobachten. Haben die Bäume jedoch genug Wasser, beginnt das Naturschauspiel der bunten Blätter, die fallen und auf dem Boden beim Drübergehen so wunderbar rascheln, normalerweise erst im Verlauf des Septembers.

Komplexe Vorgänge

Das, was das menschliche Auge im Herbst als Verfärbung wahrnimmt, sind komplexe chemische Vorgänge im Stoffwechsel der Bäume, die im Zusammenhang mit dem Licht stehen: Die schwächere Sonneneinstrahlung, kürzer werdende Tage und niedrigere Temperaturen sind ein Zeichen für die Bäume, einen Gang runterzuschalten und die hochproduktive Zeit zu beenden, um die Fotosynthese fortan noch ein wenig auf Sparflamme zu halten und schliesslich gänzlich einzustellen.

Der Hauptakteur der Fotosynthese, das Farbpigment Chlorophyll, auch Blattgrün genannt, welches gemeinsam mit dem reflektierten Licht die Blätter grün erscheinen lässt, wird nun weniger gebraucht. Es wird chemisch ab- und umgebaut, aus den Blättern abtransportiert und eingelagert. Nun haben andere Farbstoffe ihren Auftritt: die bereits im Blatt vorhandenen, für Gelbtöne sorgenden Karotinoide (die auch in essbaren Pflanzen wie den Karotten enthalten sind) und die in unseren Breitengraden weniger häufig zu beobachtenden Anthocyane, welche für ­Rottöne verantwortlich sind. Letztere müssen erst noch im Blatt aufgebaut werden und bieten unter anderem einen UV-Schutz für die Blätter. Anthocyane sind auch bei Beeren und Trauben farbgebend.

Mit der Verfärbung einhergehend ist der Laubfall. Alles, was der Baum noch an Nährstoffen in den Blättern hat, wird vor dem Laubfall in den Stamm, die Äste und die Wurzeln abtransportiert und eingelagert, da findet keine Verschwendung statt. Das Abstossen der Blätter bedeutet eine Trennung der Wasserleitung zwischen Blatt und Zweig und ist somit ein Verdunstungsschutz. Ohne diesen würde der Laubbaum im Winter vertrocknen, es geht also ums Überleben.

Eine gross gewachsene Birke wirft mehr als 25 Kilo Blätter ab, welche in der Natur von Kleinstlebewesen, Bakterien und Pilzen abgebaut werden und für Nährstoffe im Boden sorgen. Leider ist sowohl in privaten (Schreber-)Gärten als auch in den Grünräumen von Siedlungen allzu oft ein peinlich genaues Entfernen von Laub gang und gäbe, im schlimmsten Fall gehen Gärtner und Siedlungswarte dabei mit einem lauten Laubbläser vor. Dabei gibt es eine für Natur und Mensch weit wohligere Alternative: Sich mit dem guten alten Laubrechen ein paar meditative und doch körperlich aktive Stunden gönnen und das Laub ins ­Gemüse- oder ins Staudenbeet rechen.

Das mühevolle Abtransportieren des Laubs entfällt dadurch, und die Gartenbeete werden so geschützt vor einer Nährstoffauswaschung im Winter. Hierfür eignet sich übrigens fast alles Laub – ausser jenes vom Nussbaum, weil dieses wachstumshemmende Stoffe in sich hat. Zu einem Haufen getürmt und mit Zweigen und Holzabfällen durchsetzt, ergibt das Laub zudem ein Winterquartier für Igel und andere Wildtiere.

Herbstfärbende Bäume

Gartenbesitzer, die sich an herbstfärbenden Bäumen erfreuen wollen, setzen – sofern genug Platz vorhanden ist – am besten auf einheimische Bäume wie Birken, Pappeln, Buchen oder Lärchen (einer der wenigen Nadelbäume, dessen Nadeln sich verfärben und abgeworfen werden). Oder auf Schönheiten, die aus ferneren Gefilden stammen: die Parrotie (Parrotia persica) zum Beispiel, den mit seinen tiefroten Blättern unschlagbaren amerikanischen Amberbaum (Liquidambar styraciflua) und den ­Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera).

Mit etwas weniger Platz kommen Arten der Gattung der Mehl- oder Vogelbeeren (Sorbus) aus, japanische Ahorne in Sorten (Acer japonica ssp.) oder strauchartig wachsende wie die Fel­senbirne (Amelanchier ovalis oder lamarckii) und die Zaubernuss (Hamamelis virginiana). Schliesslich gibt es neben den Gehölzen auch Stauden, also mehrjährige, nicht verholzende Pflanzen, die mit herbstlich bunten Blättern auftrumpfen: der Chinesische Bleiwurz (Ceratostigma plumbaginoides) etwa, verschiedene Storchschnäbel der Gattung Geranium, die Dreiblattspiere (Gillenia trifoliata) und der Schnecken-Knöterich (Polygonumaffine Superbum).

Fehlt die Zeit für Spaziergänge im bunten Blätterwald, und ist kein herbstlicher Garten in Sicht: Eine Kiste mit Laub auf den Stubentisch stellen und mit den Händen darin wühlen – schon ist der Indian Sommer mit Händen zu greifen.

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