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«Ich muss das erst verdauen»

Gestern ging in Erfurt die Olympiade der Köche zu Ende. Die Schweiz hat den guten 8.Rang erkocht. Gut ist aber dem Team-Chef Beat Weibel nicht gut genug. Er wollte Olympiasieger werden.

Beat Weibel, herzliche Gratulation zum 8.Gesamtrang an der Kocholympiade. Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie selber schwer enttäuscht sind?

Beat Weibel: Ja, unser Team hatte schon mehr erwartet.

Immerhin war die Schweizer Kochnationalmannschaft als amtierende Weltmeisterin ja als Mitfavoritin um den Olympiatitel nach Erfurt gereist. Genau. Und der Olympiatitel war auch unser erklärtes Ziel. Das haben wir klar verpasst.

Die sechs Teammitglieder haben je bis zu 600 Stunden in die Vorbereitung gesteckt. An mangelndem Trainingsfleiss wird es nicht gelegen haben.

Nun ja, Training und Wettkampf sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Im Wettkampf kommt es halt auch aufs Glück, die Tagesform und die Jury-Bewertung an, und auch, wie man mit der ungewohnten Umgebung zurecht kommt.

Was ist Ihrem Team im Wettkampf denn schief gelaufen?

Ich weiss es nicht. Wir haben alles gegeben. Uns ist nicht bewusst, Fehler gemacht zu haben. Und da die Jury ihre Wertung nicht kommentiert, bleibt uns nur, den besser klassierten Teams – insbesondere den Olympiasiegern aus Norwegen – zu gratulieren. Wir waren gut, aber offenbar nicht gut genug.

Sie opfern für das Nationalteam ihre ganze Freizeit und arbeiten in der Olympiawoche sozusagen Tag und Nacht. Als Belohnung winken – wenn überhaupt – Ruhm und Ehre, aber kein Preisgeld und keine Prämien. Warum tut man sich so was an?

Normalerweise würde ich darauf antworten: aus Passion, aus Stolz, sein Land zu vertreten, und weil man Kontakte knüpfen kann. Aber wenn ich ehrlich bin, frage ich mich heute selber, warum ich das alles auf mich genommen habe. Im Moment fühle ich mich leer. Ich muss das zuerst mal verdauen.

Was bringt eigentlich eine erfolgreiche Kochnationalmannschaft der Schweiz?

Kulinarisches Renommee. Die Schweiz kann sich im Ausland als Land mit hervorragender Spitzenküche und sehr guter Ausbildung positionieren.

Die Kocholympiade ist nicht nur ein Wettkampf, sondern auch ein Jahrmarkt für Ideen und Trends. Welche Trends konnten Sie dieses Jahr ausmachen?

Die Kreationen der teilnehmenden Teams waren sehr vielfältig, eigentliche Trends sind mir allerdings nicht aufgefallen.

Gabs Erfahrungen und Begegnungen, die Ihnen in Erinnerung bleiben werden?

Auf jeden Fall. Wir haben viele gute Leute kennen gelernt. Und mit etwas Abstand werde ich bestimmt auch der Niederlage etwas Positives abgewinnen.

Was auffällt: Vier von sechs Köchen ihres Teams kommen nicht aus der Gourmet-, sondern aus der Gemeinschaftsgastronomie. Irgendwie will Spitzenküche und Spital- oder Firmenrestaurant nicht so recht zusammenpassen, oder doch?

Erstens wird in vielen Spitälern, Heimen und Firmenrestaurants wohl besser gekocht als manche Leute glauben. Und zweitens handelt es sich bei den Mitgliedern unseres Teams durchwegs um Spitzenköche, die eine klassische Ausbildung genossen haben. Wir leben unsere Freude an der Spitzenkulinarik vielleicht nicht oder nicht mehr im Berufsleben aus, dafür umso mehr als Hobby.

Was ebenfalls auffällt: Das Nationalteam besteht aus lauter Männern. Wie kommt das?

Das ist nicht nur bei uns so, sondern bei den meisten Teams. Der Hauptgrund ist wohl der, dass viele Frauen früher oder später beispielsweise wegen der Familie aus dem Beruf aussteigen. Den guten Köchinnen, die es zweifelsohne auch gibt, fehlt die nötige Erfahrung.

In einem Filmbericht von «10 vor 10» vom Mittwoch wirkten Sie und Ihr Team ziemlich «geschafft». Was war anstrengender, das Zubereiten der Speisen oder das anschliessende Verspeisen all der Köstlichkeiten?

Die Arbeit war sehr viel anstrengender. Als die TV-Bilder gedreht wurden, hatten wir zum Beispiel 36 Stunden ohne Schlaf hinter uns. Und was das Essen betrifft: Weil die Kreationen mit Gelee überzogen und teils mehrere Tage ausgestellt werden, kann das Meiste aus Hygienischen Gründen gar nicht mehr gegessen werden.

Da muss einem ja das Herz bluten. Oder mag man da gar nicht mehr gross essen, wenn man schier pausenlos in der Küche und in der Kochausstellungshalle steht?

Der Appetit hielt sich dieser Tage tatsächlich in Grenzen.

Jetzt sind sicher Ferien angesagt.

Nein, unsere «Ferien» haben wir ja in Erfurt verbracht Schon am Freitag stehen die Meisten von uns wieder am Herd.

Und wie geht es nun mit Ihrem Team weiter?

Leider gar nicht. Das Team löst sich auf. Das war schon vorher klar. Nur hätten wir natürlich gerne mit einem positiven Knalleffekt aufgehört. Wir hatten eine gute Zeit mit schönen Erfolgen. Nun werden sich unsere Familien freuen, dass wir wieder viel mehr Zeit für sie haben.

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