Haben Sie etwas Geld für die Katz?

Die Gesundheitskosten für Haustiere können schnell das Budget sprengen. Manche Besitzer versuchen ihren Liebsten per Crowdfunding zu helfen.

Eine Tierkrankheit kann Tausende Franken kosten: Katze im Tierheim. (22.8.2014)

Eine Tierkrankheit kann Tausende Franken kosten: Katze im Tierheim. (22.8.2014)

(Bild: Keystone)

Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Wer ein Büsi oder einen Hund zu Hause hat, weiss, wie viel das jährlich kostet: zwischen 1500 und 2500 Franken für Hunde und rund 1300 Franken für Katzen. Aber nur, wenn die Lieblinge gesund bleiben. Was bei einem Unfall oder einer plötzlichen Krankheit anfällt, rechnet der Vergleichsdienst Comparis vor. Zahninfektion: 500 bis 1000 Franken. Knochenbrüche: 2700 Franken. Verschluckte Fremdkörper: 1000 bis 2000 Franken. Zahlbar sofort oder innert 30 Tagen.

Nicht nur für Personen am Existenzminimum ist das kaum tragbar. Eine Rechnung über mehrere Tausend Franken kann auch Normalverdienende ans finanzielle Limit bringen. Manche versuchen neuerdings per Crowdfunding an Geld zu kommen. Auf der internationalen Plattform Leetchi.com gibt es eine Unterkategorie speziell für Tiere, wo herzzerreissende Einzelschicksale nachzulesen sind.

4500 Franken für den krebskranken Mio

Eine junge Frau sammelt zum Beispiel für den Mischlingshund Junior, der aus einem griechischen Tierheim gerettet wurde. Er leide an einer Missbildung der Lebergefässe und brauche «HILFE!», also eine teure Operation, die sie und ihr Freund sich nicht leisten könnten: Bislang haben 63 Crowdfunder umgerechnet insgesamt knapp 2500 Franken beigesteuert, das Ziel liegt bei über 4100 Franken.

Eine andere Frau sammelt seit Frühling Geld für die 8-jährige Bulldogge Mio alias Schmusebaron, die an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist. Vom Ziel von rund 4500 Franken kamen bereits fast 2500 Franken zusammen. Nun aber sei Mio kürzlich doch gestorben, ist im jüngsten Update nachzulesen, das sein Frauchen auf der Crowdfunding-Plattform publiziert hat. All die offenen Rechnungen für Mios Behandlungen bleiben.

Kater Schmidtchen wiederum hat chronischen Katzenschnupfen, eine asthmatische Bronchitis und als Mitbewohner vier weitere chronisch kranke Büsis, steht im Aufruf auf Leetchi.com. Deren «Eltern» könnten «unmöglich» alles alleine bewältigen. Gebraucht werden umgerechnet rund 3300 Franken, 19 Spender hatten Mitleid.

Für Tiere spenden: ja, für Tierhalter: nein

«Im Jahr 2018 ist die Anzahl der Spendenaktionen aus der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gestiegen», sagt Verena Lingel, Sprecherin von Leetchi.com. Das Gesamtvolumen der gesammelten Spenden sei 23 Prozent höher als 2017. Allerdings: Eine erfolgreiche Sammelaktion sei meist eng an ein gutes privates Netzwerk geknüpft.

Fremde spenden also eher selten für Einzelschicksale. Hierzulande sind viele der Meinung, dass jeder für seine finanziellen Engpässe selber verantwortlich ist. Wenn es um allgemeine Tierschutzanliegen geht, sieht das ganz anders aus: Bei der Plattform wemakeit gebe es öfters solche Projekte, sagt Geschäftsführerin Céline Fallet. Aktuell sammelt ein Projekt für einen Schaf- und Alpakaunterstand, ein anderes will Hunde aus Tötungsstationen retten, ein drittes braucht Geld für eine Ponygruppe. Die Projektziele wurden teils deutlich übertroffen, obwohl die Aufrufe noch aktiv sind. Bei Leetchi.com verhält es sich ebenso.

Einzelne Tierhalter mit finanziellen Engpässen haben es eher schwer. Wenn es um den Tierschutz im Allgemeinen geht, machen Schweizerinnen und Schweizer jedoch gerne Geld locker, vor allem jetzt zur Weihnachtszeit.

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