«Generation Touchscreen ist bis jetzt mehr Mythos als Realität»

Spiel und Sport sind Schweizer Kindern wichtiger als TV oder gamen, das zeigt eine Studie der ZHAW. Auch Bücher stehen hoch im Kurs.

Die Bedeutung von Internet und Smartphones nimmt im Verlauf der Primarschule zu: Kinder beim Spielen. (Archivbild)

Die Bedeutung von Internet und Smartphones nimmt im Verlauf der Primarschule zu: Kinder beim Spielen. (Archivbild)

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Die Generation Touchscreen ist mehr Mythos als Realität: Schweizer Kinder spielen in ihrer Freizeit lieber Fussball oder bauen Legotürme, als dass sie Musik hören, fernsehen oder gamen.

Spiel und Sport sind bei den Kindern nicht nur am beliebtesten, sie werden auch häufiger ausgeübt als Musik hören, fernsehen oder gamen, wie aus der veröffentlichten Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hervorgeht. Die Forschenden untersuchten darin das Medienverhalten von über 1000 Kindern im Primarschulalter.

Kinder hören am häufigsten Musik

Wie aus der Studie zur Mediennutzung hervorgeht, stehen bei den 6- bis 13-Jährigen Musik hören und Fernsehen hoch im Kurs. Die «Generation Touchscreen» sei bisher mehr Mythos als Realität, sagte Daniel Süss, ZHAW-Forscher und Professor für Medienpsychologie. Am häufigsten hörten Kinder Musik, schauten fern oder läsen Bücher.

Fast die Hälfte der befragten Kinder hört täglich Musik. 42 Prozent schauen jeden Tag fern - im Durchschnitt 45 Minuten lang. Aber auch Lesen ist sehr beliebt: 37 Prozent der Kinder lesen jeden Tag eine halbe Stunde lang. Dagegen gamt nur ein Viertel der Kinder jeden Tag - ebenfalls eine halbe Stunde lang.

Mehr als die Hälfte besitzt bereits ein Handy

Digitale Medien sind gemäss der so genannten MIKE-Studie erst später auf dem Vormarsch. Und doch bestimmt der Umgang mit ihnen immer mehr den Alltag von Kindern. Im Verlauf der Primarschule nehme die Bedeutung von Internet, Smartphones und Gamen immer mehr zu. Medienkompetenz sei deshalb schon in jungen Jahren sehr wichtig.

Die Studie zeigt denn auch, dass bereits bei den 6- bis 13-jährigen Kindern mehr als die die Hälfte ein Handy besitzt. Bei den 6- bis 7-Jährigen sind es 35 Prozent, bei den 12- bis 13-Jährigen bereits zwei Drittel.

Obwohl viele Kinder das Handy nicht regelmässig nutzten, sei es das beliebteste aller Medien, sagte Süss. «Auch bei Kindern, die kein eigenes besitzen.» Auf dem zweiten Platz liegt der Fernseher, gefolgt von Buch und Internet. Die Forschenden fragten dafür die Kinder, welches Medium sie behalten würden, wenn sie alle ausser einem abgeben müssten.

Eltern sind nicht konsequent

Ein Teil der Studie widmet sich den Eltern und deren Rolle beim Medienkonsum der Kinder. Mit 60,3 Prozent sei die Rücklaufquote der Fragebögen für die Eltern relativ hoch gewesen, sagte Süss. «Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um gebildete Leute handelt, die digitale Medien selber häufig nutzen.»

Fast alle der Befragten gaben an, Regeln zur Dauer, den Inhalten und der Zeit festzusetzen und diese auch zu kontrollieren. Die Aussagen der Kinder dazu zeigten aber ein ganz anderes Bild. Möglich ist gemäss den Forschenden, dass Eltern nicht zugeben, dass sie keine Regeln für den Umgang mit Medien haben.

Oder aber die Kluft könne damit erklärt werden, dass von Eltern nicht konsequent durchgesetzte Regeln nicht als solche empfunden werden, sagte der Medienpsychologe.

Eltern sollten mit Kindern gamen

Drei von vier befragten Eltern lesen mit ihren Kindern mindestens einmal pro Woche ein Buch oder schauen gemeinsam fern. Aber nur gerade 17 Prozent spielen mit dem Kind zusammen ein Game - obwohl gamen vor allem bei Knaben und mit zunehmendem Alter einen immer grösseren Stellenwert einnimmt.

«Beim digitalen Medienkonsum muss man sehr stark bei den Eltern ansetzen», sagte auch Michael In Albon, Leiter Jugend und Medien bei der Swisscom, der bei der Studienpräsentation ebenfalls anwesend war. Die Kinder bräuchten mehr aktive Begleitung von Erwachsenen.

Die veröffentlichte MIKE-Studie ist der kleine Bruder der ebenfalls von der ZHAW durchgeführten JAMES-Studie, die auf den Medienumgang von Jugendlichen fokussiert. MIKE steht für Medien, Interaktion, Kinder und Eltern. Die ZHAW-Forschenden untersuchten in diesem Jahr erstmals das Nutzungsverhalten von jüngeren Kindern.

nab/sda

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