Flotte Flotten und Biester vor der Bar

Wie schön: Brettspiele erfreuen sich auch im sogenannten digitalen Zeitalter grosser Beliebtheit. Doch welche lohnt es für lange Winterabende anzuschaffen? Eine Übersicht.

Das Speditionsgeschäft ist ziemlich unberechenbar. Trotzdem kann man in "Black Fleet" mit klugen Strategien viel Spielgeld verdienen.

Das Speditionsgeschäft ist ziemlich unberechenbar. Trotzdem kann man in "Black Fleet" mit klugen Strategien viel Spielgeld verdienen.

(Bild: Beat Mathys)

Steht kein Titel auf dem Wunschzettel, wird die Aufgabe im Spielwarengeschäft schier unlösbar: Das Angebot an Brett- und Kartenspielen ist riesig. Und die Angaben auf den Verpackungen sind spartanisch. Einen Startvorsprung verschafft sich, wer zuhause bereits eine Vorselektion trifft. Sieben Tipps für Spiele, mit denen selbst die längsten Winterabende kurzweilig werden.

Verpackung von Terra Erstens: Terra. In Quizspielen entscheidet meist das reine Wissen. Aber es geht auch anders. Bei Terra etwa kann viel geblufft werden. Und oft reicht auch eine ungefähre Ahnung vom Gesuchten zum Erfolg. Wie hoch ist beispielsweise der Burj Khalifa oder wie tief der Baikalsee? Und wann wurde die Tower Bridge eröffnet? Die abgegebenen Tipps tragen Gewinnpunkte ein, je näher sie bei der Wahrheit liegen. Trotz einfachsten Regeln macht das Spiel enorm viel Spass: Man staunt über gewisse Antworten, freut sich über richtige Einschätzungen und wird in einer Weise unterhalten, die leichtfüssiger und amüsanter kaum sein könnte. Ein wunderbares Quizspiel, das leicht den ganzen Familien- und Freundeskreis unterhält.

Verpackung von Machi Koro Zweitens: Machi Koro, eine Art Japanisch für Anfänger: «Machi» bedeutet Stadt und «Koro» würfeln. Zusammen ergibt das eines der schnellsten Bauspiele überhaupt. Würfel bestimmen, welche der Gebäude Erträge abwerfen. Und diese werden laufend investiert, damit nichts den Gegnern abgeliefert werden muss. So entstehen Bäckereien, Bahnhöfe, Fabriken und ganze Städte in wenigen Minuten. Dabei kann einiges geplant werden. Will ich von jeder Zahl ein wenig profitieren können? Oder nur von einzelnen, speziell ausgesuchten, aber dafür dann umso mehr? Das Ganze hat viel mit Wahrscheinlichkeiten zu tun. Doch die Würfel halten sich nicht immer daran. Das sorgt für Spannung und grosse Emotionen. Und ein Spiel, das schneller und eleganter kaum sein kann.

Verpackung von Beasty Bar Drittens: Beasty Bar. So eine verrückte Warteschlange hat es noch nie gegeben. Alle wollen in die Beasty Bar, nur sind das für einmal Tiere und nicht Menschen. Und da ist einiges ziemlich anders als gewohnt. Das Krokodil beispielsweise frisst die vor ihm stehenden Opfer, während der Löwe allen vordrängelt. Der Papagei dagegen kann andere anschwärzen, während die Schlange die Anstehenden sortiert. Da ist viel Chaos vorprogrammiert.

Entscheidend ist, stets möglichst passende Karten in der Hand zu haben. Und sie dann auch auszuspielen. Wer verhilft so seinen Tieren bis zum Eingang der Beasty Bar? Das Management der Warteschlange ist äusserst turbulent und witzig, aber definitiv nichts für schwache Nerven.

Verpackung von Antike II Viertens: Um den Aufbau ganzer Völker geht es bei Antike II. Egal, ob Römer, Griechen oder Perser, alle streben die Vorherrschaft im Mittelmeerraum an. Dazu stehen unterschiedlichste Wege offen. Rasch kommt man sich gegenseitig in die Quere. Aber Kampf ist nicht immer die beste Lösung.

Die Regeln sind rasch verstanden und überraschend einfach. Der Weg zum Erfolg aber ist steinig. Wer hat die effizienteste Strategie? Und wer ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn? Sind diese friedlich, oder plane ich selber einen Angriff auf deren Städte und Tempel? Oder sind mir Erfindungen wichtiger? Ein herrliches Spiel ohne jede Glückskomponente. Und eine faszinierende Herausforderung für alle. Absolut grandios.

Verpackung von Grog Island Fünftens: Grog Island. Auch die wildesten Piraten werden irgendwann müde und sehnen sich nach Ruhe. Da ist die Seniorenresidenz auf Grog Island genau richtig. Aber selbst hier kämpfen die Gesellen um die besten Plätze. Geheime Zielkarten versprechen satte Gewinnpunkte. Doch zuvor muss das Richtige ersteigert werden. Würfel in unterschiedlichen Farben dienen als Gebote. Deren Reihenfolge entscheidet, was wo gebaut oder getan werden darf. Da ist auf vieles aufzupassen. Entsprechend klug gilt es beim Bieten zu taktieren. Und umso grösser ist zuletzt die Befriedigung, wenn alles geklappt hat. Das ist für Piraten nicht anders als für uns Spieler.

Verpackung von Orléans Sechstens: Bei Orléans geniessen die Gefolgsleute der Spieler dagegen alles andere als Ruhestand, sondern sind gefordert. Nur in der richtigen Kombination ermöglichen sie spezielle Aktionen. Da gilt es gut zu koordinieren, um rasch voranzukommen. Die Spieler versuchen, die Vorherrschaft in verschiedensten Bereichen wie Warenproduktion, Handel oder Entwicklung zu erringen. Das ist schwer umzusetzen. Alles Mögliche sollte gleichzeitig getan werden. Ausserdem lauert die Konkurrenz überall. Wer hat den besten Überblick? Und wer findet die lukrativsten Einsatzmöglichkeiten für seine Leute? Ein Spiel, das fesselt und fasziniert. Immer neu und immer mehr.

Verpackung von Black Fleet Siebtens: Black Fleet. Es gilt eine Schiffsflotte zu managen. Und die hat es wirklich in sich. Mit Handelsschiffen können Güter abgeliefert und viel Geld einkassiert werden. Unterwegs lauern ihnen Piraten auf, die allerdings selber von der Marine gejagt werden. Und in jedem Zug können die Spieler nacheinander alle drei Schiffstypen bewegen. Das sorgt für viel Verkehr auf dem grossen Spielbrett. Spezielle Ereignis- und Entwicklungskarten machen alles noch viel unberechenbarer. Wer behält dabei den besten Überblick und verdient das meiste Gold? Oft entscheiden Kleinigkeiten über den Sieg. Und meist gibt es sogleich eine Revancheschlacht. Das ist wirklich grandios.


Terra von Friedemann Friese, 2–6 Spieler ab 10 Jahren, 45–60 Minuten, 49 Fr.; Huch. Machi Koro von Masao Suganuma, 2–4 Spieler ab 8 Jahren, 30 Minuten, 19 Fr.; Kosmos. Beasty Bar von Stefan Kloss, 2–4 Spieler ab 8 Jahren, 20 Minuten, 19 Fr.; Zoch. Black Fleet von Sebastian Bleasdale, 3–4 Spieler ab 14 Jahren, 60 Minuten, 79 Fr.; Space Cowboys. Grog Island von Michael Rieneck, 2–4 Spieler ab 10 Jahren, 40–75 Minuten, 49 Fr.; Pegasus. Orléans von Reiner Stockhausen, 2–4 Spieler ab 12 Jahren, 90 Minuten, 69 Fr.; dlp Games. Antike II von Mac Gerdts, 2–6 Spieler ab 12 Jahren, 120 Minuten, 59 Fr.; PD-Verlag.

Berner Zeitung

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