Finken, Fi-in-ken!

Neulich in Bern. Unsere Mission: Finken kaufen für die Schule.

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Finken zu kaufen, ist komplexer, als es klingt. Denn die Finken dürfen nicht zu mädchenhaft sein (sagt das Kind), aber auch nicht zu bubenhaft (sage ich). Tiere drauf wären schön (Kind). Egal, Hauptsache keine Minions (ich). Und natürlich darf kein anderes Kind der Klasse bereits dieselben Finken haben. 23 Modelle wären also hiermit ausgeschlossen.

Trotzdem guten Mutes navigiere ich uns nonchalant durch die Menge. Ich fühle mich beinahe urban. Plötzlich schwingt das Kind voller Vorfreude in einen Singsang ein: «Finken! Finken! Finken! Lalalala.» Immer schneller, immer lauter singt es. «Finken! Finken! Finkenfinkenfinken.»

Die Leute drehen sich nach uns um, manche belustigt, andere scheinen entsetzt. Souverän ignoriere ich Letztere. Denn wer schon mal mit einem Kind unter Leuten war, der weiss: Irgendwer ist immer entsetzt. «Finke-e-e-n! Fi-nk-e-n!»

Plötzlich packt mich eine fremde Hand am Arm. Sie gehört einer älteren Dame im sandsteinfarbenen Deuxpièces. «Ihr Kind benutzt solch widerwärtige Worte, und sie lachen auch noch dabei? Was sind Sie für eine Mutter?» Während ich fiebrig überlege, was am Wort Finken widerwärtig sein könnte (vielleicht leidet Frau Zweiteiler an einer Schuhphobie?), höre ich mich rechtfertigen. Das sei doch was ganz Alltägliches.

Zudem sei es das Ziel unseres Stadtbummels. Frau Sandstein wird ziegelrot. Schnaubend stapft sie davon. Ich schaue ihr verdutzt hinterher und höre sie noch sagen: «Ficken! Das Kind sagt Ficken! Und die Mutter findet das ­normal!»

Verwirrt (das Kind) und nun auch ziegelrot (ich) verschwinden wir in der Schuhabteilung von, das auch noch: Vögele. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.10.2016, 14:54 Uhr

Maria Künzli (36) schreibt die Kolumne «Greater Berne» ab- wechselnd mit den Redaktoren Fabian Sommer, Peter Meier und Nina Kobelt.

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