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Ein Hattrick für Berner Stiefel

Die Preisträger des Eidgenössischen Wettbewerbs für Design stehen fest. Die Bernerin Anita Moser gewinnt zum dritten Mal.

Hat man einen Preis mit 22 Preisträgern, muss man eine Auswahl treffen – und die ist normalerweise schwierig. Nicht so beim diesjährigen Eidgenössischen Förderpreis für Design, der vom Bundesamt für Kultur verliehen wird.

Die Schuhdesignerin Anita Moser zum Beispiel sticht nicht nur heraus, weil sie als einzige Berner Wurzeln hat. Nein, ihr ist der Hattrick gelungen: Sie hat den Förderpreis bereits zum dritten Mal gewonnen – was sehr selten vorkommt. In diesem Jahr hat Moser die Kollektion «Rorschach» eingereicht. Die Stiefel sind mit einem Muster verziert, das an die Tintenkleckse des gleichnamigen Psychotests erinnert. Bei der Jury hat vor allem der «Moment des Verfremdens» und das «Zusammenspiel zwischen dem dekorativen Element des Kleckses und der Behäbigkeit der Stiefel» Eindruck gemacht, aber auch «das Engagement und die Eigenwilligkeit», mit der Moser ihr Label aufgebaut hat.

Zum ersten Mal dabei, aber nicht minder interessant ist Julie Usel mit ihrer Kollektion «Sein und Schein». Was von weitem wie eine gutbürgerliche Perlenkette aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Kügelchen aus Haushaltsfolie. Die Designerin experimentiert mit diversen Materialien, bleibt aber ihrem Thema, den Perlen, immer treu – so zum Beispiel auch bei einer spiralförmigen Kette aus Silikon, die um den Körper drapiert wird und so vom Blatt, aus dem sie gestanzt ist, in die Dreidimensionalität findet.

Möbel zum Stecken

Die Arbeit von Jean-Philippe Bonzon fällt insofern auf, als dass sie eine neue Tendenz im Möbeldesign aufzeigt: Er fertigt einen Kinderstuhl, der als Puzzle angeliefert wird und von den Kindern selbst zusammengesetzt werden kann – ohne Leim und Schrauben. Das einfache Zusammenbauen und Demontieren macht nicht nur den Kindern Spass, sondern entspricht auch ganz den Bedürfnissen der modernen Nomaden, die des Öfteren den Wohnort wechseln. Auf dieses Bedürfnis gehen übrigens auch viele Nominierte des Berner Design Award (Beda) ein, der heute Abend in Bern verliehen wird. Aus dem Bereich Mode wurde unter anderem die Herrenkollektion «JoyBoy» von Joy Ahoulou prämiert. Auch er setzt auf Verfremdung und Umdeutung von Altbekanntem – so wird zum Beispiel die Bomberjacke zur farbenfrohen Daunenjacke. Besonders gefallen hat der Jury, dass seine Kleider «einerseits dem Hedonismus und der Freude am eigenen Körper frönen, andererseits aber auch von einer gewissen kindlichen Naivität geprägt sind».

Mode mit Ironie

Sehr gelobt wurde auch die Arbeit von Emilie Meldem. Sie spielt mit dem Klischee der «Frau, die dumm und schön zu sein hat und heimlich schlau bleibt, um die Leute zu manipulieren», wie Meldem ihre Kollektion «Dumbalicious» selbst beschreibt. Sie erreicht diese Wirkung mit einer gekonnten Inszenierung der Models im Lookbook und Video – und natürlich mit ihren Kleidern, die mit ironischen Elementen wie billigen Bordüren oder stilisierten Glaces spielen.

Joy Ahoulou und Emilie Meldem könnten übrigens nächste Woche nochmals einen grossen Auftritt haben. Beide Namen finden sich unter den Nominierten für den Annabelle Award, der nächsten Donnerstag an der Stella Fashion Night verliehen wird. Als Gewinn winkt ein Praktikum beim italienischen Modelabel Missoni.

Preis mit Mehrwert

Auch der Eidgenössische Förderpreis ermöglicht den Jungdesignern mehr Praxiserfahrung: Die Gewinner können zwischen einem Preisgeld von 20'000 Franken, einem Praktikum und einem Atelieraufenthalt im Ausland wählen. Der monetäre Wert des Preises ist das eine, die damit verbundene Aufmerksamkeit das andere. Das Museum Bellerive in Zürich zeigt die ausgezeichneten Arbeiten, und bei der gestrigen Vernissage waren wichtige Persönlichkeiten aus der Schweizer Designszene anwesend – unter anderem weil gleichzeitig die vier Grands Prix Design verliehen wurden.

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