Ei für den Stresstest

Bin ich gestresst? Das soll man mit einem Sensor fürs Smartphone ermitteln können. Wir unterziehen ihn einem Stresstest – und uns.

«Pip»: Eiförmiger Stressmesser.

«Pip»: Eiförmiger Stressmesser.

(Bild: zvg)

Mathias Born@thisss

Derzeit bin ich recht entspannt. Das zumindest behauptet «Pip», das kleine, eiförmige Gerät, das ich eben gerade zwei Minuten lang zwischen den Daumen und den Zeigefinger geklemmt habe. Über seine beiden goldbeschichteten Plättchen hat es ein bisschen Strom durch meine Haut ­geschickt.

Da bei Stress die Schweissdrüsen aktiver werden, kann sich der Widerstand verändern. Das Gerät misst den Stromfluss. Und es errechnet daraus, wie gestresst ich gerade bin. Diese Messwerte übermittelt es via den Kurzstreckenfunk Bluetooth auf das gekoppelte Smartphone. In der «Stress Tracker»-App, die derzeit lediglich in englischer Sprache vorliegt, wird dann angezeigt, wie oft «relaxed», «steady» oder «stressed» gemessen wurde und wie hoch der «Pip Score» ist.

Von der App werden die Messwerte dann auch gleich in die Datenwolke des Herstellers übermittelt, wo Langzeitauswertungen gemacht werden können.

Vorbild sind Medizinalgeräte

Bio-Feedback-Messungen, wie sie «Pip» macht, werden in der Medizin und der Psychologie eingesetzt. Auch Lügendetektoren – beziehungsweise korrekt: Biosignalgeräte – funktionieren ähnlich. Solche Apparate sind aber viel teurer als dieses Gadget.

Der Hersteller macht indes darauf aufmerksam, dass «Pip» kein ­Medizinalgerät sei. Vielmehr solle das Sensorei zusammen mit zwei Apps dabei helfen, besser mit Stresssituationen umzugehen. Bei der App «The Loom» guckt man einer Fantasy-Landschaft zu, wie sie sich im Lauf der Jahreszeiten ändert, und wird dazu von sanfter Piano- und Streichermusik eingelullt.

Bei «Relax & Race» fliegt man als Drache oder in einem Ballon ein Rennen gegen einen zweiten Pip-Besitzer oder gegen den PC. Wer relaxter ist, kommt schneller voran.

Was lernt man daraus?

Selbst nach etlichen Rennen und Landschaftsbetrachtung bleibt aber schleierhaft, was genau dar­aus gelernt werden kann. Spannend ist die Stressmessung indes zweifellos – insbesondere, wenn man die eigenen Werte mit jenen anderer Leute vergleicht.

Bestenfalls ist sie sogar entspannend. Trotzdem: Nach wenigen Messungen liegt das Ei bereits ungenutzt herum. (Zumindest bis man auf die Idee kommt, es in bierseliger Runde als Lügendetektor einzusetzen.) Dann jedenfalls, wenn die Messung wirklich spannend wäre – in einer Stresssituation –, hat man selten die Hand und den Kopf frei für einen Test. Zumal dieser lediglich noch mehr Stress verursacht.

Berner Zeitung

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