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Besser als Wolkenkratzer

Wer schafft zuerst das 1000-Meter-Gebäude? Bei diesem Kampf macht der renommierte Architekt Jonathan Ward nicht mit. Seine Auftraggeber – darunter Grosskonzerne – haben höhere Ansprüche.

Zukunftsweisend: Zwei Türme, die ineinander verwoben sind...
Zukunftsweisend: Zwei Türme, die ineinander verwoben sind...
www.nbbj.com
...und die Menschen miteinander vernetzen: Das entstehende Bürogebäude des chinesischen Internetgiganten Tencent.
...und die Menschen miteinander vernetzen: Das entstehende Bürogebäude des chinesischen Internetgiganten Tencent.
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Die Grundidee war es, den perfekten Platz für Ingenieure zu schaffen – einen riesigen Raum, in den Tausende Menschen passen, alle nah genug, um zusammenzuarbeiten.
Die Grundidee war es, den perfekten Platz für Ingenieure zu schaffen – einen riesigen Raum, in den Tausende Menschen passen, alle nah genug, um zusammenzuarbeiten.
Reuters
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Der neue Hauptsitz von Apple: ein 230-Meter grosser silbriger Glasring, der an ein Ufo erinnert und in dessen Innern ein Obstgarten gedeiht. Das zukünftige Büro von Google: ein neun Gebäude umfassender Komplex, verbunden durch Hängebrücken und ausgestattet mit üppigen Gärten. Das geplante Grossraumbüro von Facebook: der grösste offene Grundriss der Welt, der sich harmonisch in die Natur einfügt.

Sie sind Ausdruck einer neuen Generation von Luxusbüros, die derzeit gebaut werden. Hinter vielen von ihnen steht ein einziger Mann: Jonathan Ward. Der preisgekrönte Architekt hat für Firmen wie Samsung, Reebok, Amazon und Tencent Geschäftsgebäude entworfen. Er arbeitet für das renommierte Architektur- und Planungsbüro NBBJ und jettet für seine Arbeit zwischen den USA und Asien.

Zwei Gebäude in inniger Umarmung

Wie der Nachrichtensender BBC schreibt, hat Ward bei seinen Kunden ein interessantes Phänomen beobachtet. Die Technologiekonzerne wünschen sich nicht mehr Bürotempel, die nur durch Ästhetik und Dimension beeindrucken, sondern vor allem eine besondere Fähigkeit mitbringen: Menschen zu vernetzen. Als Beispiel nennt Ward eines seiner auffallendsten Projekte: Der neue Firmensitz des chinesischen Internetgiganten Tencent, der 2016 in Shenzhen fertiggestellt werden soll: zwei Glastürme, die durch horizontale Elemente verbunden sind, sie erinnern an zwei Kreaturen in inniger Umarmung.

Ein exzentrisches Gebäude – doch Ward betont einen anderen Aspekt: Das Gebäude sei absolut praktisch designt. Die Tencent-Chefs hätten ihr Büro erst dem Apple-Bauwerk im Silicon Valley nachempfinden wollen. Weil dies jedoch zu teuer gekommen wäre, sei nur ein vertikales Gebäude infrage gekommen, erklärt Ward. Anstatt wie üblich die zentralen Funktionen des Bürogebäudes im unteren Teil zu konzentrieren, habe man die Restaurants, Fitnesscenter, Basketballplätze und Aulas auf die Verbindungsbrücken verteilt und so die sozialen Treffpunkte – ähnlich wie in einer Stadt – auf das ganze Gebäude verteilt.

Auf diese Weise werde der soziale und geschäftliche Austausch im Bürokomplex gefördert, sagt Ward – und ganz nebenbei auch Energie gespart, da jeweils ein Turm im Schatten des anderen stehe.

Soziale Netzwerke werden real

«Führende Technologiekonzerne haben das Potenzial der Architektur entdeckt», erklärt Ward. Die Bürogebäude sollen Ausdruck ihrer Innovationskraft sein – und die sozialen Netzwerke, die sich die Internetgiganten schon lange für ihre Arbeit zunutze machen, real werden lassen. Das sei mit den bisherigen klotzigen vertikalen und hierarchischen Bürogebäuden nicht möglich, ist Ward überzeugt.

Auch das neue Bürogebäude von Amazon in Seattle – ebenfalls ein Wurf von Wards Arbeitgeber NBBJ – sei exemplarisch: Die drei Stahl- und Glaskugeln mit Gärten, Cafés und Meetingräumen seien prädestiniert dafür, Menschen zusammenzubringen. Büros sollten nicht länger geschlossene Kosmen sein, fasst Jonathan Ward zusammen, sondern mehr und mehr mit den öffentlichen Räumen verschmelzen.

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