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«Bei uns kam schon die Polizei in die Schule»

Achtung Internet! In einer Kampagne warnt die Stadt vor sexueller Ausbeutung von Kindern im World Wide Web. Zwei Teenager erzählen, wie sie sich online verhalten.

Dass man seine Adresse und Telefonnum­mer nicht im Internet preisgibt, das wisse doch «jedes Kind», sind sowohl Ana (13) als auch Gabriel (13) überzeugt. Allerdings können sich beide nicht mehr erinnern, wer ihnen diese Verhaltensregel einge­trichtert hat: Eltern, Schule oder Kollegen? Lesen könne man das ja auch überall.

Computer und Internet gehören selbst­verständlich zum Leben der Teenager. Beide haben schon seit sie elf sind einen eigenen PC zur Verfügung. Ana allerdings nur jede zweite Woche, wenn sie bei ihrer Mutter wohnt. Dann aber schaltet sie ih­ren Laptop fast als Erstes ein, wenn sie von der Schule nach Hause kommt. «Ich schaue, ob ich bei Netlog eine Nachricht oder einen Kommentar erhalten habe und schwatze ein bisschen mit den Kollegin­nen », so etwa eine halbe Stunde lang, meint sie. Zugegeben, manchmal auch län­ger. Und nach den Hausaufgaben und dem Abendessen verbringt sie oft nochmals zwei Stunden im Netz. Regeln für den In­ternetgebrauch gibt es in der Familie keine, dafür manchmal Auseinanderset­zungen, wenn sie zu lange online gewesen ist. Gabriel nickt, er kennt die immer glei­chen Diskussionen mit den Eltern auch. Auch er chattet jeden Tag, «um mit den Kollegen abzumachen», wie er sagt. Via MSN erreiche man die Leute eben eher als am Telefon.

Offene Chat-Foren meiden

In der Broschüre der Präventionskam­pagne «Schau genau!» steht zum Thema «Sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im Internet», dass es durch­schnittlich gerade mal 2,6 Minuten dauert, bis junge Chatter von Pädophilen kontak­tiert werden. Meine mittlerweile erwach­sene Tochter kann diesen Wert bestäti­gen. Als sie vor rund zehn Jahren auf spe­ziell für Kinder eingerichteten Webseiten surfte, gehörten Fragen wie jene von «Anja12»: «Hast Du schon einen Busen?» tatsächlich zum Alltag.

Um sich vor solchen Erfahrungen zu schützen, meiden sowohl Ana wie Gabi of­fene Chat-Foren. Sie benutzen geschützte Netzwerke wie Netlog, Facebook oder MSN, wo man unliebsame «Freunde» so blockieren kann, dass sie keinen Kontakt mehr aufnehmen können. Wie für fast alle Jugendlichen ist das Internet für die beiden längst zum Tagebuchersatz geworden. Man schreibt, was man in der Schule erlebt hat, wie es im Ferienlager so gelaufen ist und auch, wenn man «mal nicht so gut drauf ist», wie Gabriel sagt: «Im Internet ist immer jemand da, der zuhört.» Via Internet kann man sich auch gegenseitig bei den Hausaufgaben helfen. Die Vernetzung un­tereinander ist entsprechend gross: Gabriel hat ungefähr 180 feste Kontakte, Ana sogar fast 300 – obwohl sie nur mit den wenigsten wirklich regelmässig «plaudern».

Mit Pädokriminalität und Sexseiten werde man kaum noch konfrontiert, sagen beide. «Einmal habe ich auf das Profil ei­nes Mädchens geklickt und sah dann Nacktbilder von ihr, die sie sicher nicht freiwillig ins Netz gestellt hat», erzählt Ana. «Das habe ich dann sofort dem Web­master gemeldet. Aber ich glaube nicht, dass das etwas genützt hat.» Früher sei es auch häufiger vorgekommen, dass plötz­lich Pornoseiten aufgegangen seien, er­zählt sie und lacht: «Ich hab dann natür­lich grad weggeschaut und einen Erwach­senen gerufen.»

Eine tote Frau auf dem Handy

Verstörenden Fotos und Filmen begeg­nen Heranwachsende heute eher auf dem Handy (siehe Artikel unten). «Bei uns in der Primarschule zeigte einer einen Film­clip herum, auf dem man sah, wie eine Frau erschossen wird. Deswegen kam so­gar die Polizei in die Schule», erzählt Ana, die seither weiss, dass man sich strafbar macht, wenn man solche Filme speichert. «Dabei kann man da meistens gar nichts dafür», wirft Gabriel ein, «die bekommt man ja einfach so geschickt.» Auch das hat Ana schon erlebt. Im Ferienlager in Fiesch habe die Freundin via Bluetooth ein Akt­bild von Heidi Klum aufs Handy bekom­men. «Nichts Schlimmes», meint das Mäd­chen, so etwas komme halt vor, wenn viele Jugendliche am selben Ort seien.

Die Bilder aber bleiben im Gedächtnis haften. Gabriel meint, dass es doch einen grossen Unterschied mache, wenn man wisse, ob die Szenen gespielt oder wirklich so passiert seien. Mit echten Beispielen mag er nicht herausrücken: Auch «echte» Filme haben wohl die meisten Kinder schon gesehen. Wie sie damit fertig wer­den, wird Thema zukünftiger Forschungs­arbeiten sein.

Statt fremdes Bildmaterial herunterzu­laden, ist Gabriel lieber selbst aktiv: Seine Freunde und er filmen sich gegenseitig, wenn sie mit dem Velo Kunststücke aus­probieren oder als Mutprobe von Mauern herunterspringen. Gegen solche Clips hat die Zürcher Fachstelle für Gewaltpräven­tion kaum etwas einzuwenden.

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