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Albert Schweitzers unheimliche Nähe zur DDR

Ostberlin umgarnte und unterstützte den Urwalddoktor, der sich mit Lobeshymnen revanchierte. Diese Beziehung zum SED-Regime sorgte im Westen für Irritationen. Der Nobelpreisträger habe die politische Dimension verdrängt oder verkannt, sagen Forscher.

Die DDR-Nomenklatura war begeistert vom Weltverbesserer aus dem Urwald: Albert Schweitzer unterwegs in Zentralafrika (1957).
Die DDR-Nomenklatura war begeistert vom Weltverbesserer aus dem Urwald: Albert Schweitzer unterwegs in Zentralafrika (1957).
Everett Collection, Keystone

Die Reiseträume der DDR-Bürger reichten im Sommer bis zur Insel Rügen in der Ostsee, und im Winter endeten sie spätestens im Mittelgebirge von Thüringen. Der Vorsitzende der Ost-CDU, Gerald Götting, schmiedete im Herbst 1959 hingegen Pläne für einen abenteuerlichen Trip. Der Blockpartei-Chef besorgte sich Devisen, Ausreisepapiere und ein französisches Visum. Der damals 36-Jährige, der sich später zum Stellvertreter des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht hochdiente, sollte im Folgejahr nach Französisch-Äquatorialafrika reisen, um den berühmten Arzt, Philosophen und Theologen Albert Schweitzer als Imageträger für die atheistischen, sozialistischen Diktatoren Ostberlins zu gewinnen. Neue Dokumente, Bücher und Forschungsarbeiten belegen nun Schweitzers erstaunlich enge Verbindung zum totalitären DDR-Regime. Die Zuneigung war so gross, dass sie einen politischen Eklat mit dem Westen heraufbeschwor.

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