Was die Schweiz der Welt bringt

«Good Country Index»: Der Forscher Simon Anholt hat ein Modell entwickelt, das Länder beurteilt, ob sie für den Planeten Erde «Gutes» tun.

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Welche Länder bringen die Welt weiter? Der britische Politberater und Forscher Simon Anholt machte sich vor zwei Jahren daran, das herauszufinden. Nun veröffentlichte er den «Good Country Index» – die Rangliste der «guten» Länder. Grund zur Freude haben die Iren: Sie belegen im Gesamtranking den ersten Platz. Aber auch die Schweiz schneidet mit Rang drei gut ab. Deutschland liegt auf dem 13. Rang, die USA gar nur auf Rang 21.

Simon Anholt und sein Team verglichen 125 Länder in sieben verschiedenen Kategorien. Die Top 3 der jeweiligen Kategorien und die Schweizer Platzierungen finden Sie in der Bildstrecke:

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In einem Interview erklärte Forscher Anholt, wie er zu seinen Schlüssen kam: Jede Kategorie besteht aus fünf Datensätzen. Die Kategorie «Weltordnung» zum Beispiel setzt sich unter anderem daraus zusammen, wie viel ein Land wohltätigen Organisationen spendet, wie schnell seine Bevölkerung wächst und die viele UN-Verträge es unterzeichnet hat.

Bei der Kategorie «Umweltschutz und Klima» verglichen die Forscher beispielsweise Daten zum CO2 und der Wasserverschmutzung der einzelnen Länder. Ein hohes Ranking in der «Kultur» konnte erreichen, wer die Pressefreiheit gewährleistet und viele Kulturgüter exportiert. Und führende Wissenschaftsnation ist man laut dem Index, wenn man möglichst viele Nobelpreisträger, Patente und internationale Studenten hat.

Anholt und sein Team verglichen 125 Länder, ein riesiges Projekt. Es gebe nie alle Daten, die man sich wünsche, sagte er. «Verlässliche Daten für ein Land zu finden, ist schwer genug. Wenn es dann fast 200 Länder sind, wird der Aufwand wirklich enorm.» Da zudem nicht aus allen Ländern aktuelle Daten verfügbar waren, beschränkten sich die Forscher auf das Stichjahr 2010.

Anholt wurde für sein Vorgehen beim «Good Country Index» stark kritisiert. «Ich wurde zum Experten in der Frage, warum diese Idee Quatsch ist. Und ich habe es trotzdem gemacht», sagt Anholt. Er behaupte nicht, eine abschliessende Antwort auf die Frage nach den besten Ländern der Welt zu haben. Dafür müsse deutlich mehr Datenmaterial vorhanden sein als jetzt. «Aber ich wollte, dass normale Menschen – nicht Politiker – anfangen darüber nachzudenken, ob ihre Länder gut oder schlecht sind. Und nicht nur über den Erfolg ihres Landes diskutieren.» Denn dieser werde immer noch rein innerlich gemessen, obwohl in Zeiten der Globalisierung alle Länder miteinander verbunden seien.

Anholt hat laut eigenen Aussagen schon Dutzende Politiker und Premierminister beraten. Er ist überzeugt, dass die heutigen Bedrohungen global sind: Klimawandel, Wirtschaftskrisen, Terrorismus, Drogenhandel, Armut. All diese Phänomene liessen sich längst nicht mehr nur innerhalb der eigenen Landesgrenzen bekämpfen. Ein «gutes» Land ist für Anholt deshalb eines, dass möglichst unegoistisch mit diesen Problemen umgeht. Anholt hofft, dass der Index die Regierungen dazu bringt, sich die weltweiten Auswirkungen ihrer Politik vor Augen zu führen.

Befremdliche Resultate

Kritiker bemängeln, dass der «Good Country Index» zahlreiche Fragen aufwirft: Ist Ägypten wirklich das Land, das am meisten für den internationalen Frieden und die Sicherheit tut? Und Zypern die drittbeste Wissenschaftsnation? Und warum ist Malta in der Kategorie «Weltordnung» auf Platz 6?

Auch die Zeitschrift «The Economist» kritisiert Anholts Projekt. Die Idee sei gut, die Ausführung schwierig. Der Index messe die Länder häufig an ihrem Bruttoinlandprodukt, um armen Ländern eine Chance gegen reiche zu geben. Das sei nett, führe aber zu Verzerrungen.

Auch die Kategorie «Internationaler Frieden und Sicherheit» gibt Anlass zu Diskussionen: «Länder, die in bewaffnete Konflikte in anderen Ländern involviert sind oder Waffen verkaufen, werden bestraft», schreibt The Economist. «Aber könnte man nicht argumentieren, dass dies auch zu einer stabileren Welt beitragen kann?» Trotz alldem ist der Index laut Economist ein guter Denkanstoss. Die letzten drei Plätze des Gesamtrankings belegen übrigens der Irak, Vietnam und Libyen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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