Und der Sabbermolch?

Wer mit Japan Airlines reist, bekommt bei der Buchung angezeigt, auf welchen Plätzen lärmige Babys sitzen. Praktisch – wären da nicht alle anderen Passagiere.

Passagiere auf einem Belair-Flug nach Teneriffa. Bild: Keystone

Passagiere auf einem Belair-Flug nach Teneriffa. Bild: Keystone

Philippe Zweifel@delabass

Es ist nicht die relevanteste Meldung der Woche, aber sie gibt auf der ganzen Welt zu reden: Japan Airlines bietet ihren Kunden neu die Möglichkeit, sich einen Sitzplatz in sicherer Distanz zu einem Baby zu sichern. Beim Buchen zeigt ein Symbol an, wo Familien mit Kindern im Alter zwischen acht Tagen und zwei Jahren reserviert haben. Eltern sind nun empört. Asozial und unethisch sei dieses Baby-Blocking.

Nun, pragmatisch gesehen, ist die Funktion sinnvoll. Hier die Baby-Freunde, dort die, ähm, Baby-Skeptiker. Wäre da nur nicht der Dickwanst neben einem, und falls man einen Sitz in der Mitte hat, die beiden Dickwanste links und rechts oder der Teenager, aus dessen Kopfhörer Musik dröhnt, die Blasenschwache, die alle 20 Minuten vom Fenstersitz zum Klo muss, die Frau, die ungefragt ihr langweiliges Leben zum Besten gibt, die Mitpassagierin mit Flugangst, die einen selbst nervös macht, der Mitpassagier mit Flugangst, der zu viel Beruhigungsmittel eingeworfen hat und einem komatös auf die Schulter sabbert, die Besoffenen, die das ganze Flugzeug unterhalten wollen, andere Besoffene, die in Air-Rage verfallen, Chauvinisten, die den Flight-Attendants aus Afrika deren Herkunftsland herablassend erklären, Machos, die Flight-Attendants anbaggern, Feministinnen, die sich darüber aufregen, Feinschmecker, denen das Menü nicht gut genug ist und die sich völlig zwecklos bei der Crew beklagen, Leute, die lauter als 50 Dezibel schnarchen, solche, die unregelmässig schnarchen, das nervt noch mehr als lautes Sägen, das treibt einen in den Wahnsinn, genauso wie die dreiste Armlehnenbesetzerin, die Streber, die während des Flugs zwei Reiseführer auswendig lernen, der parfümierte Mittvierziger mit einem penetranten Duft, der vor 25 Jahren angesagt war, als er selbst noch jung war, der Creep, der auf seinem Laptop Sexfilme guckt, die Chinesen, die den Boden vermüllen, die Amerikaner mit ihrem breiten Englisch, die Deutschen mit ihrem zackigen Deutsch, die Schweizer, ach die Schweizer, die will man in den Ferien erst recht nicht sehen.

Vielleicht sollte jeder allein fliegen. Aber das geht ja wegen des Klimas nicht.

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