So viel leisten Frauen und Männer im Haushalt

Putzen, einkaufen, Kinder hüten: Wie viele Stunden in der Schweiz für Hausarbeit und Betreuung aufgewendet werden.

Ein ewiges Streitthema im Haushalt: Wer putzt und erledigt mehr? (Bild: Getty Images)

Ein ewiges Streitthema im Haushalt: Wer putzt und erledigt mehr? (Bild: Getty Images)

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«Putzen schadet der Lunge wie ein Päckli Zigi pro Tag»: Diese Meldung schlug gestern ein wie eine Bombe. Einer aktuellen europäischen Studie zufolge verschlechtert sich die Lungenfunktion von Menschen, die regelmässig mit Reinigungsmitteln hantieren, nämlich erheblich. Und das sind in erster Linie Frauen. Unter den 6230 Teilnehmenden an der Studie gab es nur gerade 58 Männer, die angaben, im Haushalt zu putzen.

Sind Männer wirklich so faul, wenn es ums Reinigen geht? Hierzulande ist die Lage nicht ganz so dramatisch – dies jedenfalls lassen Angaben des Bundesamtes für Statistik vermuten. Schweizer Männer putzen oder staubsaugen demnach knapp 2 Stunden pro Woche. Im Vergleich zu den Frauen, die im Durchschnitt mehr als doppelt so viel Zeit dafür aufwenden, ist es dennoch wenig.

Ohnehin scheint Hausarbeit immer noch vor allem Frauenarbeit zu sein. Gut 23 Stunden wöchentlich oder 3 Stunden pro Tag investieren Frauen insgesamt fürs Kochen, Abwaschen, Einkaufen und weitere Aufgaben, die im Haushalt anfallen. Bei Männern sind es nur knapp 15 Stunden in der Woche beziehungsweise 2 Stunden am Tag.

Lediglich zwei Tätigkeiten im Haushalt werden von Männern häufiger erledigt als von Frauen: Administratives wie Rechnungen zahlen und – ganz dem Klischee entsprechend – handwerkliche Tätigkeiten.

Immerhin hat sich die Arbeitsmoral der Männer verbessert. Vor zwanzig Jahren machten sie pro Woche noch 13 Stunden Hausarbeiten, heute sind es 2 Stunden mehr. Bei den Frauen lässt sich die gegenteilige Entwicklung beobachten: Früher steckten sie 27 Stunden Arbeit in den Haushalt, heute 4 Stunden weniger.

Frauen in der Schweiz haben ihr Haushaltspensum in den letzten zwei Jahrzehnten also reduziert, wohl auch, weil die Männer etwas mehr anpacken. Das ändert aber nichts daran, dass die Frauen zu Hause weiterhin viel mehr machen – auch bei der Kinderbetreuung und der Pflege.

Besonders um das Essengeben und das Waschen von Kleinkindern kümmern sich viel öfter die Mütter. Pro Woche brauchen sie dafür durchschnittlich eine Stunde und 20 Minuten, wobei hier beachtet werden muss, dass auch alle kinderlosen Frauen in der Statistik berücksichtigt werden. Bei den Männern sind es wöchentlich nur 38 Minuten. Weniger gross ist die Diskrepanz beim Spielen, beim Hausaufgabenhelfen und bei der grundsätzlichen Begleitung der Kinder. Aber auch hier machen Frauen mehr.

In einer Zeit, in der es als selbstverständlich gilt, dass Mütter erwerbstätig sind und Väter die Kinder betreuen und den Haushalt machen, mögen diese Zahlen einen überraschend deutlichen Geschlechterunterschied zeigen. Aber die jahrhundertealte traditionelle Rollenverteilung bricht nur langsam auf. Noch heute leisten Frauen gut 61 Prozent der unbezahlten Arbeit, von der die Kinderbetreuung und der Haushalt den grössten Teil ausmachen. Bei der bezahlten Arbeit ist es genau umgekehrt, die Männer kommen für knapp zwei Drittel auf.

Fakt ist: Ohne freiwillige Arbeit würden unsere Gesellschaft und Wirtschaft nicht funktionieren. Das Bundesamt für Statistik schätzt ihren volkswirtschaftlichen Wert auf 408 Milliarden Franken, das sind 41 Prozent der Gesamtwirtschaft. Den höchsten fiktiven, monetären Wert hat das Kochen mit knapp 82 Milliarden, danach folgen das Betreuen von Kindern (62 Milliarden) und das Putzen (48 Milliarden).

48 Milliarden Franken im Jahr würde das Putzen die Schweizer Privathaushalte also theoretisch kosten, wenn sie dafür über den Markt Personen engagieren müssten. Aber es handelt sich eben um freiwillige, unentgeltliche Arbeit, die grösstenteils von Frauen erledigt wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 09:45 Uhr

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