«Sicher stört sie nur eine verschwindend kleine Minderheit»

Hintergrund

Gehört Monica Kisslings Sendung «Madame Etoile» zum Service public? Eine Frage, die derzeit für heftige Diskussionen sorgt. Unterstützung erhält die Astrologin von der SP.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Das Umfrageergebnis hätte klarer kaum ausfallen können. 86 Prozent der über 10'000 teilnehmenden Leser des Beitrags «Radio Vollmond» befürworteten eine Abschaffung der SRF3-Radio-Sendung «Madame Etoile» der Astrologin Monica Kissling.

In der Folge lancierten die Zürcher Freidenker eine Onlinepetition, und das SRF und Kissling verstrickten sich in Widersprüche: «Madame Etoile» sei pure Unterhaltung, meinte das SRF, derweil Kissling sich selber als ernst zu nehmende «Erfahrungswissenschaftlerin» positionierte (Bernerzeitung.ch/Newsnetz berichtete).

Scharlatanerie? «Ist wohl jedem klar»

Gehört Astrologie zum Service public? Diese Frage stellte Bernerzeitung.ch/Newsnetz den hiesigen Parteien. Für die SVP ein klarer Fall: «Selbstverständlich gehört Madame Etoile nicht zum Service public», sagt Generalsekretär Martin Baltisser. Der Gebührenzahler zahle für eine Sendung, die auch von im Markt stehenden privaten Anbietern angeboten werde respektive problemlos angeboten werden könnte. Um eine Ausweitung des Service public auf Sendungen wie «Madame Etoile» künftig zu verhindern, sei eine klarere Definition des Service public vonnöten.

«Dass diese Deutungen aus Sternen und Sternbildern Scharlatanerie sind, ist wohl jedem klar», sagt CVP-Sprecherin Marianne Binder. Sie verlangt von den Radiomachern dennoch eine unmissverständliche Deklaration, dass «Madame Etoile» «keinen wissenschaftlichen Anspruch» erfülle; eine allfällige Absetzung der Sendung überlässt Binder der Privatinitiative der Hörer. Die Freisinnigen andererseits fordern zwar wie die SVP, dass der Service public eingeschränkt werden soll, zeigen sich aber konzilianter. «Bei der Programmgestaltung muss SRF ein breitgefächertes Programm machen», erklärt FDP-Sprecherin Pia Guggenbühl. Da könne auch eine Sendung wie «Madame Etoile» ihren Platz haben. Wobei Guggenbühl keinen Hehl aus ihrer grundsätzlichen Ablehnung der Sendung macht: Als Liberale vertraue sie auf Leistung, nicht auf Sterne.

Mike Shiva? Nun...

Vollumfänglich unterstützt wird die Sternguckersendung einzig von der SP – von jener Partei also, die früher als andere für wissenschaftliche Objektivität kämpfte und die metaphysischen Versprechungen der Religionen als «Opium des Volkes» (Marx) radikal ablehnte. «Die Sendung ist ein unterhaltendes Element, das sicher nur eine verschwindend kleine Minderheit zu stören vermag», wiegelt SP-Sprecher Andreas Käsermann ab. Käsermann mag die Kontroverse um Kissling nicht recht nachvollziehen. Die Hörer könnten ja das Radio abschalten, wenn sie sich gestört fühlten. Eine bemerkenswerte Argumentation, mit der die SP noch allerlei Seltsamkeit rechtfertigen und mit Gebühren bezahlen lassen könnte.

Etwas unwohl fühlte sich Käsermann dann allerdings doch, als er auf die Möglichkeit einer gebührenfinanzierten Sendung mit Mike Shiva angesprochen wurde. «Es ist nicht Aufgabe der Politik, einzelne Sendungen zu bewerten», sagte Käsermann, nachdem er Kisslings Sendung verteidigt hatte.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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