Pokéstop à gogo

Der neue Trend um die niedlichen Nintendo-Viecher hat auch Frau S. erwischt.

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Wir sitzen an der Aare. Die Sonne brennt, nicht mehr lange aber, sagt meine Wetter-App, und das ist gut, ich wünsche mir Regen herbei. Weil die Damen drückende Hitze nicht zu vertragen scheinen, wirklich nicht.

Frau S. spielt neuerdings Pokémon Go. Aus Langeweile, wie sie uns versichert (sie ist ja grossanlasssüchtig und bereits auf Entzug – die Tour de France ist eben abgerauscht, und bis zum 1.-August-Feuerwerk auf dem Gurten ist es doch noch eine Weile hin). In Bikini und Flipflops stapft sie durchs Gras, stiert auf ihr Handy und wirft Pokébälle auf Pokémons, die wir nicht sehen können.

Dieses Plätzchen am Fluss sei gut, hatte sie uns erklärt, eine Arena befinde sich in der Nähe und ein Pokéstop auch.

Fräulein P. macht Hocke-stopp: Sie kauert am Wasser und starrt abwechslungsweise nach links und nach rechts. Links: Superbody in gelben, kurzen Shorts und Ray-Ban-Sonnenbrille, ein Bild von einem Mann, auch wenn er ein bisschen auf YB macht. Rechts: ein Vater mit Kind, den allerdings sein Nachwuchs sehr viel weniger interessiert als Fräulein P. Verständlich: Die schaut aus wie eine Mischung aus hungriger Yogagöttin und Miss Bern Nummer 26.

Ich muss unbedingt noch mehr Bonbons sammeln, und Sternenstaub auch, sagt Frau S. jetzt. Damit ich mit meinem Team die Arena erobere. Scheisse, das ist ja wie in «Hunger Games», sage ich. Was frisst ein Pokémon denn sonst noch so?

In den USA spielen sie jetzt Chardonnay Go, wirft Fräulein P. ein und späht nach links und dann nach rechts. O my God, denke ich und lasse mich auf mein Badtüchli fallen. Ich stelle mir vor, wie Weissweinregen auf mich rieselt. Fast schlafe ich ein. Fast.

Wie heissen noimen schon wieder diese Sexualhormone?, fragt Fräulein P. jetzt ziemlich laut und schaut gierig auf Superbody, der seine dunklen Gläser nach unten schiebt. Irgendwas mit Phe..., sage ich müde. Genau, zwitschert Fräulein P., dann höre ich, wie sie aufsteht und sagt: Ich mache jetzt Pheromon Go. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.07.2016, 11:22 Uhr

Nina Kobelt

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