Gamen macht fit für die berufliche Karriere

Computerspiele sind besser als ihr Ruf. Denn sie trainieren Fertigkeiten, die in Schule und Studium oft zu kurz kommen.

Gamen ist nicht nur Zeitverschwendung, sondern trainiert wichtige ­Fähigkeiten.<p class='credit'>(Bild: Pixabay)</p>

Gamen ist nicht nur Zeitverschwendung, sondern trainiert wichtige ­Fähigkeiten.

(Bild: Pixabay)

Computerspiele sind zu einer Massenbeschäftigung geworden: In Deutschland spielt die Hälfte der Bevölkerung regelmässig oder gelegentlich, in der Schweiz sind es immerhin 40 Prozent – und das über alle Altersgruppen hinweg. Lange galt das Zocken am Bildschirm als reine Zeitverschwendung. Doch dieses Bild wandelt sich langsam. Mehr und mehr Studien zeigen, dass Gamen wichtige Fähigkeiten trainiert. So fördern etwa Jump-and-run-Spiele die Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit, Strategiespiele das strategische Denken und Rollenspiele die Kommunikations- und Teamfähigkeit.

«Diese Fähigkeiten der Gamer werden in der Berufswelt viel zu wenig anerkannt», sagt Thomas Schutz, Lerntherapeut und Dozent an der Hochschule für An­gewandte Wissenschaften München. Er analysiert in Seminaren mit Studierenden, was Gamer den Nicht-Gamern voraushaben und wie sie es in Studium und Beruf nutzen können. «Zum Beispiel entwickelt man in bestimmten Spielen Führungskompetenzen», sagt Schutz.

Dazu gehören Spiele, in denen sich mehrere Teilnehmer zu Clans zusammenschliessen können, etwa bei World of Warcraft. «Der Clan-Chef hat ­dabei eine anspruchsvolle Aufgabe», sagt Schutz. Denn er muss die Mitglieder – oft mehr als 100 – zusammenhalten und zu gemein­samen Aktionen motivieren. Die Spieler sind meist auf der ganzen Welt verteilt und nur online miteinander verbunden. «Diese Situation ist ganz ähnlich wie in vielen internationalen Unternehmen», sagt Schutz. Auch bei diesen gehören die Mitarbeiter heutzutage oft zu virtuellen Teams, die über verschiedene Kontinente verteilt sind. Um solche Teams zu führen, müsse man den Respekt der Mitarbeiter gewinnen, ohne jedoch autoritär zu sein.

Spieler erproben ­verschiedene Rollen

Genau das werde in Clan-Spielen trainiert. Denn deren Spieler bleiben nur aus freien Stücken dabei. Passt ihnen etwas nicht, steigen sie einfach aus dem Spiel aus. Clan-Chefs verfügen daher in der Regel über soziale Kompetenzen: Sie können gut kommunizieren, andere motivieren und wissen, mit Fehlern umzugehen.

Letzteres lässt sich auch in Rollenspielen trainieren. Bei diesen kann man zwischen Charakteren mit verschiedenen Eigenschaften wechseln und deren Wirkung auf andere erleben. «So lassen sich unterschiedliche Rollen erproben, ohne dass ein Fehler gleich ernsthafte Konsequenzen hat», sagt Schutz.

Die beim Gamen erworbenen Fähigkeiten im Beruf zur Geltung zu bringen, ist allerdings nicht ganz einfach. «Den wenigsten Spielern ist überhaupt bewusst, welches Potenzial sie mitbringen», sagt Lernexperte Schutz. Noch weniger erkennen das die Unternehmen. Für die meisten von ihnen ist das Gamen immer noch blosse Zeitverschwendung.

Gaming für Studium und Beruf, Martin Lorber, Thomas Schutz: Warum wir lernen, wenn wir ­spielen, Hep-Verlag, 2016, ISBN 978-3-0355-0466-8.

Berner Zeitung

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