Frauenpaar wünscht sich ein Kind

Tanja Graf und Nicole Anutha sind ein Paar und wollen ein Kind – daher suchen sie übers Internet einen Mann. Sobald das Kind auf der Welt ist, wird die Rechtslage schwierig: Anutha wird nicht als zweite Mutter angesehen.

Inkwil: Nicole Anutha und Tanja Graf (v.l.n.r.) wollen zusammen eine Familie gründen.

Inkwil: Nicole Anutha und Tanja Graf (v.l.n.r.) wollen zusammen eine Familie gründen. Bild: Walter Pfäffli

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«Mutter, das ist meine Freundin, ich bin lesbisch», sagte Tanja Graf vor rund sieben Jahren am Familientisch. Die Mutter brachte keinen Ton heraus. Der Vater hatte es schon lange vermutet und sagte: «Wenigstens ist deine Freundin nicht hässlich.»

Tanja Graf und Nicole Anutha müssen lachen, als sie sich an diesen Moment erinnern. Dieses Bekenntnis war für Graf schwierig. Obwohl sie immer wieder Anspielungen gemacht habe, seien die Zeichen ignoriert worden. «Man wollte es einfach nicht wahrhaben», sagt Graf. Bei Anutha war es unkomplizierter. «Ist in Ordnung», meinte Anuthas Mutter.

Tanja Graf und Nicole Anutha lieben sich. Sie wollen heiraten. Und sie wollen ein Kind. Doch die Rechtslage wird schwierig werden. Stirbt beispielsweise die leibliche Mutter, wird die Partnerin nicht als Elternteil angesehen. Die gestern überreichte Petition «Gleiche Chancen für alle Familien» will deshalb die rechtliche Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare mit heterosexuellen Ehepaaren.

Graf und Anutha suchen übers Internet in Bern einen Vater. Keinen anonymen, sondern einen, der für die Kinder da ist. «Wenn wir einen Jungen haben, wie soll ich ihm zeigen, wie man sich rasiert?», sagt Graf.

Kinder brauchen Väter

Das lesbische Paar ist der Meinung, dass Kinder einen Vater brauchen. Es gibt Männerprobleme, die sie nicht verstehen können. «Auch für das Kind wäre es einfacher», sagt Anutha.

Die Suche nach einem geeigneten Vater erweist sich jedoch als schwierig. «Wir gehen mit einem Mann ein Dreiergespann ein. Und da müssen wir alle miteinander auskommen», sagt Anutha. Die zwei Frauen haben sich dreimal mit potenziellen Männern getroffen und wurden zweimal enttäuscht. Den dritten wollen sie näher kennenlernen. «Wir suchen einen Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht, der Spass versteht und unkompliziert ist», sagt Graf, Anutha nickt. Graf wollte schon immer Kinder. Bereits als Kind träumte sie von einer Familie. Anutha entwickelte ihren Kinderwunsch erst in der Beziehung mit Graf. «Ich wurde angesteckt», sagt sie mit einem schelmischen Grinsen. Das Paar lebt seit rund sechs Jahren zusammen mit zwei Katzen in Inkwil – einem Dorf in der Nähe von Herzogenbuchsee mit rund 600 Einwohnern. Dass Graf und Anutha lesbisch sind, weiss vermutlich das ganze Dorf. «Wir verstecken uns nicht», sagt Anutha und haut mit der Faust auf den Tisch. Als Graf und Anutha als Paar durchs Dorf spazierten, hätten sie anfänglich viele misstrauische Blicke gespürt. Heute ist das nicht mehr so. «Es wird zwar noch viel hinter dem Rücken gesprochen, aber die Leute mögen uns», sagt Anutha.

Die Eltern von Graf wohnen gleich nebenan und haben mit der lesbischen Beziehung zwischen den beiden Frauen kein Problem mehr; ihrem Kinderwunsch stehen sie jedoch ein wenig skeptisch gegenüber. «Aber meine Grossmutter findet das super», sagt Graf.

Ein leeres Zimmer

«Das wird das Kinderzimmer», erklärt Graf, lehnt den Kopf leicht zurück und beginnt zu lächeln – als würde sie in Gedanken das leere Zimmer einrichten. Anutha tritt ein, legt den Arm um Graf und sagt: «Wir sind genauso verrückt wie alle andern auch.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.06.2010, 07:23 Uhr

20'000 Unterschriften für Adoption

Die gestern überreichte Petition «Gleiche Chancen für alle Familien» will ein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben. In der Schweiz wachsen schätzungsweise 10'000 Kinder mit lesbischen und schwulen Eltern auf. Gestern wurde die Petition «Gleiche Chancen für alle Familien» dem Parlament übergeben. Die Petitionäre wollen die rechtliche Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare mit heterosexuellen Ehepaaren. Eine weitere Forderung ist die Aufhebung des im Bundesgesetz verankerten Adoptionsverbots. «Schwule und Lesben werden diskriminiert, da sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von der Adoption ausgeschlossen werden», sagt Eva Kaderli, Mitinitiantin der Petition und Co-Präsidentin des Vereins Familienchancen. Kaderli will die Bundesräte und die Parlamentarier zum Umdenken anregen. Auf die Frage, weshalb nicht eine Initiative lanciert wurde, sagt Kaderli: «Zum jetzigen Zeitpunkt wären wir chancenlos gewesen.» Viele Schweizer hätten immer noch Vorurteile gegenüber schwulen und lesbischen Eltern.

Mit der Petition könne man den «Puls der Gesellschaft fühlen» und die politische Gesinnung der Leute besser abschätzen, sagt Kaderli. Die Zürcher Hebamme will die Bevölkerung schrittweise auf die Regenbogenfamilien – lesbische und schwule Paare mit Kindern – sensibilisieren und nicht mit einem grossen Schritt überfordern. Aus den gleichen taktischen Gründen wurde die Frage nach der Adoption bei der Initiative zum Partnerschaftsgesetz, die 2005 angenommen wurde, weggelassen.

Zusammen mit der Schwulenorganisation Pink Cross und der Organisation für Lesben, Los, wurden in verschiedenen Schweizer Städten rund 20'000 Unterschriften für die Petition gesammelt. Gemäss Pink Cross und Los würden zwei Drittel der Schweizer ein Adoptionsrecht für Homosexuelle befürworten.

An das Sammeln der Unterschriften erinnert sich Kaderli gerne: «Viele Leute hatten gar nicht gewusst, dass homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen. Sie waren entsetzt und haben gleich unterschrieben.»

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