Einheimische bitte zu Hause bleiben

Die prekäre Schneelage lässt Skiregionen zu unkonventionellen Massnahmen greifen: In Flims-Laax bekamen die Einheimischen überraschende Post.

Grosser Andrang über die Festtage: Wintersportler steigen aus der Luftseilbahn in der Bergstation auf dem Crap Sogn Gion. (Archivbild)

Grosser Andrang über die Festtage: Wintersportler steigen aus der Luftseilbahn in der Bergstation auf dem Crap Sogn Gion. (Archivbild) Bild: Keystone

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Oberhalb von rund 1600 Metern herrschen in Flims-Laax gute Schneeverhältnisse. Talabfahrten sind indes keine offen; zu wenig Schnee liegt in den tieferen Lagen. Da das hoch gelegene Skigebiet mit 21 geöffneten Liften vergleichsweise gut dasteht, rechnen die Betreiber mit einem zusätzlichen Ansturm über die ohnehin gut frequentierten Festtage. Das Problem dabei: Weil sämtliche Schneesportler jeweils mit den Bahnen ins Tal befördert werden müssen, sind lange Wartezeiten absehbar.

Um den Touristen trotzdem einen genussvollen Skitag zu ermöglichen, haben sich die Bahnbetreiber an die einheimische Bevölkerung gewandt. Wie Radio Rumantsch gestern berichtete, wurden die Einwohner der Gemeinden Flims, Laax, Falera, Sagogn und Trin mit einem per Post zugestellten Flugblatt aufgefordert, über die Festtage nicht in der Region Ski fahren zu gehen. Sondern den Gästen den Vortritt zu lassen.

«Wir bitten Sie höflich, zurückzutreten»: Ausschnitt aus dem Brief von Bergbahnchef Reto Gurtner.

«Eine unmögliche Aktion»

Laut Verwaltungsratspräsident Reto Gurtner habe man im Flugblatt den «Wunsch» geäussert, die Einheimischen sollten erst nach den Feiertagen wieder Ski fahren gehen. «Nie hat es so viele Gäste in Graubünden wie über die Festtage. Momentan sollten wir die Pisten vor allem ihnen zur Verfügung stellen», sagt Gurtner. Die Region lebe schliesslich zu 90 Prozent vom Tourismus. Zudem könne die einheimische Bevölkerung das ganze Jahr über zu einem ermässigten Tarif in der Region Skifahren.

Die Einheimischen nehmen das Flugblatt gelassen auf, wie eine Umfrage von Radio Rumantsch zeigt. «Was, soll’s. Über die Feiertage hat es eh zu viele Leute», sagt eine Frau, und ein Mann meint: «Bei so wenig Schnee zieht es mich ohnehin nicht auf die Pisten.» Vereinzelt sind auch kritische Stimmen zu vernehmen – vor allem von Feriengästen. «Es ist nicht gerechtfertigt, die Einheimischen auszuschliessen. Das sind nicht so viele Personen, dass es belastend wäre», sagt ein deutscher Tourist, der die Aktion «unmöglich» findet.

Dank der kühleren Witterung sind die Bergbahnen inzwischen dabei, die Talabfahrten zu beschneien. Sie rechnen damit, dass man bis spätestens Mitte nächster Woche mit den Skis bis ins Tal fahren kann. Wodurch auch Einheimische wieder dem Wintersport frönen dürfen.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.12.2014, 11:06 Uhr

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