Die Hooligans des Islam

Terror: Der Islamische Staat hat nichts mit Religion zu tun.

Ein Fall für den Psychiater: Kämpfer des Islamischen Staates. Foto: Keystone

Ein Fall für den Psychiater: Kämpfer des Islamischen Staates. Foto: Keystone

Die Terroristen des Islamischen Staates (IS) haben mit Religion so viel zu tun wie eine Kuh mit dem Satz des Pythagoras. Das ändert nichts daran, dass sie mit ihrer Brutalität die gesamte Welt schockieren. Da sieht man, was Religion anrichten kann, sagen viele Leute. Verweise auf die Kreuzzüge, die Hexenverfolgungen, die sexuellen Vergehen von Priestern verstärken, was sie schon immer wussten: Religionen bringen nur Konflikte, Hass und Krieg. Die Quittung ist schnell ausgestellt. Mit Religion will man nichts mehr zu tun haben. Sie passt ohnehin nicht zur Visitenkarte eines aufgeklärten Menschen.

Ein ähnlicher Mechanismus ist im Fussball zu beobachten. Wettskandale machen regelmässig Schlagzeilen. Die Löhne gewisser Spieler sind unverschämt. In gewissen Stadien fallen rassistische Sprüche. Hooligans verwüsten Züge. Aber muss man deswegen gleich das wunderbare Spiel in Bausch und Bogen verwerfen?

Die Religion in Veruf gebracht

Zwar berufen sich die Fanatiker des Islamischen Staates bei jeder Gelegenheit auf Mohammed. Ihre schändlichen Taten würden ihrem Propheten kaum gefallen. Die IS-Anhänger missbrauchen die Religion, um ihre verwirrte Psyche einigermassen in den Griff zu bekommen. Ihr Denken und Handeln findet in einem einseitig interpretierten Islam die entsprechende Durchschlagskraft. Was sie brauchen, ist ein Psychiater, der ihnen hilft, die Unheil stiftende Verbindung von Fundamentalismus und Religion aufzulösen.

Am selben Defizit leiden die Hooligans. Zwar mögen sie sich in der Fussballszene auskennen. Für sie hat aber nur ihr Club, für den sie durchs Feuer gehen, eine wirkliche Existenzberechtigung. Es ist ein Jammer, dass sich diese Schläger den Fussball ausgesucht haben, um ihre Aggressionen loszuwerden. Er dient ihnen bloss als Mittel zum Zweck.

Den Fussball bringen diese Chaoten genauso in Verruf wie der Islamische Staat die Religion. Zu bedauern sind beide: Neurotische Machenschaften gewisser Gläubiger werden mehr zur Kenntnis genommen als der hohe Unterhaltungswert des Fussballs und die humanistische Seite der Religion.

* Josef Hochstrasser ist reformierter Pfarrer und Buchautor.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt