Porträt

Der Möchtegern-Marsmensch

PorträtDer Thurgauer Steve Schild möchte als erster Mensch auf den Mars. Seinem Bubentraum ist er soeben ein Stück näher gekommen.

Fühlt sich bereit, «einen der grössten Schritte der Menschheit zu vollziehen»: Steve Schild. (Foto: zvg)

Fühlt sich bereit, «einen der grössten Schritte der Menschheit zu vollziehen»: Steve Schild. (Foto: zvg)

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Steve Schild war einmal ganz unten. Im Jahr 2008, als ihn seine Frau verliess, geriet für den Thurgauer «eine Welt ins Wanken». Der gelernte Elektroniker gab seine Firma auf, mit der er sich in jungen Jahren selbstständig gemacht hatte, verkaufte sein ganzes Hab und Gut und zog in ein kleines WG-Zimmer. Ein Freund habe ihn damals gefragt: «Steve, du hast alles verloren, wie erträgst du das?»

Gut fünf Jahre später behauptet Schild von sich selbst, dass er «die Talsohle durchschritten» habe. Der 29-Jährige möchte nun sogar ganz hoch hinaus. Höher als jemals ein Mensch zuvor: «Ich habe einen Traum, und der heisst Mars.» Schild ist es ernst; sein Ziel ist der Rote Planet – 55 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Ihn deshalb als grössenwahnsinnigen Spinner abzutun, fällt leicht: «Ich bin unkonventionell und habe Ideen, auf die andere niemals kommen würden. Aber meine Stärke ist es, diese auch durchzuziehen.»

Rückkehr ausgeschlossen

Zur Erfüllung seines Bubentraums hat Schild schon einiges getan. Aus einem Bewerberfeld von ursprünglich 200'000 Menschen aus 140 Ländern ist er nun einer von 1058 Kandidaten, die für einen Flug auf den Mars in Frage kommen. Hinter dem Projekt steht die niederländische Organisation Mars One, die in zwölf Jahren 24 Menschen auf dem vierten Planeten des Sonnensystems absetzen will. Die Reise ist ohne Rückkehrgarantie, weil dies zurzeit aus technischen Gründen nicht möglich ist.

Für Schild kein Problem. Er wohnt zurzeit mit seiner Verlobten und zwei Katzen im beschaulichen Balterswil. Falls es mit der Reise klappt, möchte er zuvor noch eine Familie gründen: «Ich habe meiner Verlobten versprochen, ihr ein Kind zu schenken.» Im Gespräch entlarvt sich Schild als ambitionierter Träumer: Er fühle sich bereit, «einen der grössten Schritte der Menschheit zu vollziehen». Er wisse, dass sein Entscheid auch egoistisch sei, sagt Schild. Doch dafür würde er auch «die gesamte Menschheit, jeden Luxus und die Schönheit der Erde» zurücklassen: «Eine Reise auf den Mars und die spätere Kolonialisierung bringen ungeahnte technologische und rohstoffliche Möglichkeiten mit sich», sagt Schild.

Big Brother für Möchtegern-Astronauten

Ein 29-jähriger aus dem Thurgau, der die Welt retten wird? So weit wird es kaum kommen. Doch auch als begnadeter Selbstdarsteller wäre Schild für das Mars-One-Projekt eine Option. Dem Initianten Bas Lansdorp – ein holländischer Unternehmer – schwebt nämlich vor, die noch verbleibenden Teilnehmer während eines jahrelangen Ausscheidungsverfahrens gegeneinander antreten zu lassen. Begleitet werden die Möchtegern-Marsianer von Kameras – eine Art Big Brother für angehende Astronauten.

Experten stehen dem Unternehmen skeptisch gegenüber. Die Nasa rechnet damit, erst nach 2030 eine bemannte Mission auf den Mars zu senden. Dennoch hat das Projekt Chancen, sagt beispielsweise der Schweizer Ex-Astronaut Claude Nicollier: «Es ist nicht unmöglich.» Auch der niederländische Physik-Nobelpreisträger Gerard 't Hooft scheint von dem Vorhaben überzeugt und unterstützt das Projekt. Das Unternehmen steht zudem mit jemandem in Kontakt, der für seine Pionierleistungen bekannt ist: dem amerikanischen Elektroautohersteller Elon Musk.

Zuerst mit dem Wasserrad über den Ärmelkanal

Mars One verlangt von den mindestens 18 Jahre alten Teilnehmern gute Gesundheit, soziale Kompetenz und gute Englischkenntnisse. Hier sieht sich Schild im Vorteil: «Ich trainiere jeden Tag zwei Stunden im Fitnesscenter.» Zudem hat er einen Eintrag im Guinnessbuch als Rekordhalter im Wasser-Distanzrutschen – gemäss Schild «eine der härtesten Sportarten der Welt». Norbert Craft, der zuständige Mediziner bei Mars One, hat dem Schweizer Kandidaten attestiert, dass er die nötigen physischen Voraussetzungen für das Projekt besässe. Schild besitzt also gute Karten für eine Reise zum Mars. Doch zuvor zieht es den Thurgauer noch nach Grossbritannien: Er will den Ärmelkanal überqueren – mit einem Wasserrad. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.01.2014, 16:08 Uhr

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